Zauberhaftes, abenteuerliches Bali

Am Tag bevor wir Ubud endgültig verlassen und in Richtung Küste aufbrechen treffen wir noch dieses Pärchen hier. Die beiden sind für mich das Moto-Königspaar! In Asien ist es ja üblich, alles Mögliche und Unmögliche auf dem Scooter zu transportieren und als Reisender gewöhnt man sich schnell daran, dass meist 3-6 Leute auf einem Moped sitzen oder dass dieses unter der Ladung kaum mehr zu sehen ist. Aber ich habe noch nie gesehen, dass jemand einen nigelnagelneuen Kühlschrank transportiert!! Der Mann hatte seine Arme unter den Transportbändern durchgesteckt wie bei einem Rucksack. Da er nun mit seinem Kühlschrank einen wirklich steilen Hügel hinauffahren muss ist seine Frau quasi gezwungen hinterherzulaufen und den Kühlschrank am Abrutschen zu hindern. Wir sind fassungslos – aber der Kühlschrank kommt heil den Berg hinauf, wir sind beeindruckt und die beiden bleiben unvergesslich! 😀

Ebenso beeindrucken mich die Maurer und Steinmetze, die im Moment den Königspalast in Ubud renovieren. Hier wird noch in reiner Handarbeit unglaublich schöne Kunst geschaffen. Schau mal:

 

 

 

 

 

 

 

 

Und so kann das fertige Relief aussehen – alles Handarbeit! Unglaublich, oder?

 

Jetzt müssen wir doch noch einen Tag verlängern – wir haben nämlich eine tolle White Water Rafting Tour ausfindig gemacht und da sind Tine und Patrick gleich Feuer und Flamme. Ich hab so was noch nie gemacht und bin daher eher etwas zurückhaltend. Aber bange sein gilt nicht und so buchen wir die Tour. Wir werden pünktlich abgeholt und ins Camp gefahren, bekommen ein Briefing, die Ausrüstung und schon geht’s los! Eine kleine Strecke müssen wir durch den Dschungel zum Fluss marschieren und dann hinunter, hinunter bis dahin wo die Kanus vertäut liegen. Man hat einen tollen Blick von oben auf den schnell dahinfliessenden, strudeligen Fluss und seine kleinen Stromschnellen. Mit wird gleich mal ganz anders und auch meine beiden Mitpaddler werden auf einmal ganz ruhig. Ein bisschen unsicher schauen wir uns an aber dann sind wir unten und werden ruck zuck in die Boote verfrachtet und bis wir so richtig wissen, wie uns geschieht sind wir schon mitten auf dem Fluss und drin in der ersten Stufe. Und gleich mal nass bis auf die Haut! Und nach ein paar Quietschern und spitzen Schreien hört man nur noch Lachen, die Kommandos des Kanuführers und das Brausen und Strudeln des Flusses. Das macht mal so was von Spass!! Ich kann gar nicht mehr aufhören zu lachen……

Wenn gerade keine Stromschnellen zu überwinden sind (das meiste macht übrigens der Bootsführer, wir paddeln bloss ein bisschen mit) und der Fluss ruhiger fliesst liefern wir uns Paddel-Spritzschlachten mit den anderen Kanus, paddeln um die Wette oder geniessen eine erfrischende Unter-dem-Wasserfall-Dusche. Doch das schönste ist, einfach den Regenwald rundherum zu geniessen. Und plötzlich gibt’s am Ufer eine Menge in Stein gemeisselte Figuren zu bewundern: über hunderte von Metern wird hier eine balinesische Legende in Form von Steinschnitzereien erzählt. Wow!! Dann heisst es wieder paddeln paddeln paddeln und aufpassen, dass man nicht aus dem Kanu fällt. Was für ein Megaspass!!

Als wir am Endpunkt ankommen wartet schon ein Auto auf uns, im Camp gibt es heisse Duschen, Handtücher und ein lecker Mittagessen. Rundherum ein super Tag! Hier gibt’s ein Video……

Wir verabschieden uns nun aber endgültig von Ubud mit seinen quirligen Touristenmassen, seinem lauten Verkehr und seinen ungezählten Souvenirshops. Und wir verabschieden uns von leisen, abgeschiedenen Plätzen, die man nicht suchen sondern nur finden kann. Dazu erlebe ich mit Tine heute eine besondere Geschichte.

Ubud hat einen wunderschönen Tempel, der am Rande der Stadt liegt und den ich bisher nicht besucht habe. Er liegt auf unserem heutigen Weg und so bitten wir unseren Fahrer, doch bitte kurz zu halten. Wir wickeln uns in unsere mitgebrachten Sarongs, um den Kleidungsregeln Genüge zu tun und spazieren die paar Schritte zum Tempel. Das Eingangstor ist geschlossen. Wie seltsam! Ich probiere die Klinke und siehe da! das Tor öffnet sich und wir betreten die wunderschöne Gartenanlage des Tempels. Es ist kein Mensch hier drinnen und wir fühlen uns schon fast wie Eindringlinge. Plötzlich kommt ein älterer Balinese auf uns zu, grüsst freundlich lächelnd, geht an uns vorbei und scheucht ein junges Touristenpärchen, die uns wohl nachgekommen sind, rigoros aus dem Tempel. Sie sind nicht richtig angezogen und dürfen daher nicht im Tempel sein. Verunsichert fragen wir, ob wir herumlaufen dürfen und Fotos machen und der Mann nickt. Plötzlich ruft er uns zu sich, murmelt ein paar Worte, bespritzt uns mit Wasser und klebt uns ein paar Reiskörner aufs dritte Auge! Wir werden gesegnet! Ein berührender und völlig unerwarteter Moment des Besonderen. Danke!

Die Taxifahrt in Richtung Süden führt uns durch kleine Dörfer und weit ausgedehnte Reisfelder, üppiges Grün überall und am Strassenrand immer wieder kleine Buden, die irgendwas verkaufen: Schwimmwesten, Drachen, Schuhe, Tischdecken, Getränke und Obst. Unser Ziel ist ein kleiner Ort in der Nähe des berühmten Tannah Lot Tempels. 

Nachdem wir in unserer wunderschönen Unterkuft eingecheckt haben besuchen wir den Tempel. Er ist auf einem grossen Felsen am Meeresufer gebaut und wirklich schön. Natürlich gibt es runderherum ein ganzes Dorf an Geschäften mit billigem Souvenirkram, Badeschlappen, Sarongs und Buddhastatuen, sowie eine Menge Restaurants mit westlichem Fast Food. Aber das interessiert uns jetzt nicht. Wir gehen an den Strand und schauen uns den Tempel an. Leider muss ich sagen stellt sich das Ganze als ein richtiger Nepp heraus. Jeder muss Eintritt bezahlen, um überhaupt in die Nähe des Tempels zu kommen, doch hinein kann man nicht. Das Tempelgelände selbst ist angesperrt und für Besucher nicht zugänglich. Lediglich in einer Art Höhle unterhalb des Tempels kann man sich einen Segen abholen – es steht eine gehörige Menge Menschen dafür an. Wir aber geniessen lieber den Sonnenuntergang und eben den Blick von aussen auf den Tempel. Dann müssen wir uns rasch auf den Rückweg machen, denn die Flut kommt und bei hohem Wasser ist der gesamte Tempelfelsen von Wasser umschlossen.

Bevor wir wieder nach Hause gehen will ich schnell noch Geld am Automaten holen. Und erlebe eine böse Überraschung! Karte weg und kein Geld! Der Alptraum jedes Reisenden. Da ist natürlich erstmal guter Rat teuer…..was macht man denn in so einer Situation? Ich rufe unseren Vermieter an und er verspricht mir, am kommenden Morgen mit mir zur Bank zu fahren. 

Und er hält Wort: am kommenden Morgen steht er pünktlich auf der Matte und wir beide düsen mit seinem Moped nach Denpassar zur Bankzentrale. Er erklärt kurz den Sachverhalt und schon bald werden wir von einem jungen Mann betreut, der sogar ein bisschen englisch spricht. Und du glaubst es nicht! Meine Karte ist bereits in der Zentrale angekommen! Mir wird ganz schwummerig vor Erleichterung. Natürlich müssen erst jede Menge Formulare ausgefüllt werden, denn alles muss ja seine Ordnung haben. Und ausserdem müssen wir dann noch auf das OK des Chefs warten. Ich zitiere den Gesprächsverlauf:

Wir müssen auf die Autorisierung meines Chefs warten.

Wie lange kann das dauern?

Keine Ahnung.

Ist Ihr Chef denn schon im Haus?

Oh nein!

Kommt er denn heute noch her?

Oh nein! Er ist in Jakarta in der Hauptzentrale!

Aha. Und können Sie ihn anrufen?

Oh nein!! Auf keinen Fall!!

Eine mail schreiben?

(Ich werde leicht panisch, denn es ist Freitag und wir wollten ja eigentlich heute noch weiter….)

Ja! Eine email kann ich schreiben!

Er strahlt mich an. Und schreibt eine email. An seinen Chef. In Jakarta. Dann warten wir. Während wir warten schaue ich mich in der Bank um. Hinter dem völlig ungesicherten Tresen sind zwei Mitarbeiter damit beschäftigt, eine Zählmaschine mit 100.000 Rupiah Scheinen zu füttern. Es gilt einen richtig grossen Stapel Scheine abzuarbeiten: rund 100x60x100 cm gross. Ungesichert. Und niemand ist nervös. Anscheinend sind Bankraube auf Bali kein Thema. Der freundliche Sicherheitsbeamte, der den Kunden die Tür öffnet ist auch schon fast im Rentenalter und eher keine Abschreckung für potentielle Bankräuber. Eine skurile Situation.

Bereits nach zwei Stunden kommt das ersehnte OK vom big boss! Der Bankmitarbeiter strahlt mich an. Und dann machen wir noch ein Foto! Er und ich und in der Mitte meine Kreditkarte, jeder hält sie in der Hand – wie bei der feierlichen Überreichung eines Spendenschecks. Ich könnte mich beömmeln!! Mein Tag ist auf jeden Fall gerettet und die Bankmitarbeiten haben heute abend zuhause was zu erzählen.

Mein Vermieter fährt mich wieder nach Hause, ich bedanke mich überschwänglich bei ihm für seine Hilfe und so starten wir in der Mittagszeit zu unserem nächsten Ziel: nach Benyarwedang an der nördlichen Westküste der Insel.

Unterwegs begegnet uns eine Prozession, ich glaube das ist ein Bestattungsritual, denn die Menschen tragen Schilder mit Namen mit sich und auf den weissen Kleidern sind auch oft Namen zu sehen. In Bali sind die Begräbnisrituale ziemlich gruselig: wenn ein Mensch stirbt wird er einige Tage aufgebahrt, damit alle von ihm Abschied nehmen können. Dann wird er relativ unspektakulär vorläufig begraben. Wenn dann das nächste grosse Begräbnisritual im Tempel stattfindet (das kann ein paar Monate oder auch bis zu fünf Jahre dauern, je nach dem wie lange die Familien brauchen, um das nötige Geld für die Tempelrenovierung und -schmückung, das Ritual und das dazugehörige Fest zusammen zu bekommen) werden alle Toten wieder ausgebuddelt und in einer gemeinsamen Massenkremation verbrannt. Das ist das wichtigste Ereignis im Leben eines Balinesen, an dem nichts dem Zufall überlassen wird und nichts schief gehen darf. Hohepriester geben jedes kleinste Detail des Rituals vor, um den Seelen einen Übergang in die nächste Welt zu sichern, von wo aus sie dann wiedergeboren werden können. Sollte irgendein Fehler passieren so kann die Seele den Weg in die andere Welt nicht finden und fällt aus der göttlichen Ordnung heraus, dazu verdammt für immer als Geist auf der Erde zu verbleiben. 

Es ist eine ziemlich lange Fahrt und wir sind heilfroh als wir am späten Nachmmittag endlich ankommen. Das kleine Dörfchen wirkt ein bisschen ärmlich und es sind kaum Touristen zu sehen (das gibt es also tatsächlich auch noch!). Auch hier ist unsere Unterkunft recht schön und diesmal haben wir sogar ein Aussenbad. Das ist nämlich ziemlich cool, wenn du abends unter der Dusche stehst und direkt in den Sternenhimmel gucken kannst! 

Wir wollen jetzt aber endlich ins Meer, daher nichts wie ab an den Strand. Leider stellt sich heraus, dass es rund zwanzig Minuten Fussmarsch sind bis an einen Badestrand. Na denn…..

Wir folgen einem schmalen Weg, vorbei an kleinen Bambushütten und Wellblech gedeckten Bretterbuden – hier leben ganz offensichtlich Balinesen, an denen der Tourismusboom spurlos vorbei geht. Arme Kleinbauern, die vielleicht eine Kuh oder ein paar Hühner haben, eine Menge Kinder zu versorgen und wenig Perspektive. Die Kluft zwischen arm und reich ist geradezu schockierend. Manchmal kann man einen Blick ins Innere einer Hütte erhaschen: eine grosse Matratze oder auch bloss ein paar Matten auf dem Boden, das ist die ganze Einrichtung. Ein Trog oder eine kleine Zinkwanne ist das Badezimmer, ein kleines Kochfeuer im Hof die Küche. Die Kinder spielen im Staub vor der Hütte. Tine und Patrick sind sichtlich geschockt.

Nichtsdestotrotz schallt uns überall ein freundliches „Hello“ entgegen, alle lächeln uns an und speziell die Kinder versuchen, ein paar englische Wörter anzubringen „How are you?“ „Where are you from?“ „What is your name?“. Indonesien bemüht sich, an allen staatlichen Schulen Englisch zu unterrichten, damit die jungen Menschen eine bessere Chance auf einen Job haben. Aber noch ist hier viel zu tun, sogar auf Bali – eine der einkommenstärksten Inseln des riesigen Indonesien. 

Wir kommen pünktlich kurz vor Sonnenuntergang am Strand an und geniessen unser Bad im angenehm warmen Wasser, sowie die Stimmung, die Ruhe und den wunderschönen Sonnenuntergang.

Am kommenden Tag machen wir einen Schnorchelausflug zur vorgelagerten Insel Pulau Menyangan, Teil des Taman Nationalparks. Glücklicherweise ist die See einigermassen ruhig und unter Wasser gibt’s mal richtig was zu gucken. Die Sicht ist auch ganz gut und obwohl wir keine Schildkröten sehen ist der Ausflug trotzdem ganz toll, so viele schöne bunte Fische und viele intakte Korallen. Schau, hier ein paar Eindrücke:

Weiter geht es, immer an der Küste entlang bis in das Städtchen Lovina. Hier sind die besten Zeiten schon vorbei, will sagen: der Grossteil der Touristen geht wohl mittlerweile woanders hin. Die Laden- und Restaurantbesitzer bemühen sich sehr, die Urlauber in ihre Geschäfte zu bekommen. Sie machen das sehr nett und höflich aber es wird uns schnell zu viel. Der Strand in Lovina ist nicht spektakulär aber doch ganz schön und mal kann schön im Sand sitzen und was essen oder trinken. Besonders abends wenn einige der Bars bunte Lampions aufhängen hat das ganze einen schönen Flair.

Das absolute Highlight in Lovina sind die Delfine! Jeden Tag fahren die Balinesen mit den Touristen schon im Morgengrauen auf’s Meer hinaus und warten auf die sympatischen Tiere. Wir haben unser eigenes kleines Auslegerboot – also ich meine  k l e i n! Es ist eigentlich bloss eine Nussschale, gerade gross genug für uns drei, aber der Schiffer scheint Vertrauen in sein Bötchen zu haben also wird’s wohl ok sein. Hoffentlich wackelt es nicht so! Und hoffentlich müssen wir nicht ewig in den Wellen stehen! Und hoffentlich……. ach, pfeif doch drauf! Blöde Seekrankheit! Es ist ein wunderschöner, klarer Morgen. Leichter Dunst hängt bloss noch über der Insel, das Licht ist erst noch grau nur ganz langsam kommt das Rot dazu, dann das strahlende Orange, ganz kurz ein goldenes Aufstrahlen und dass fliesst das helle Sonnenlicht auch schon über das eben noch bleigraue Wasser und zaubert Millionen von Lichtreflexen in die Wellen.

Und sie sind tatsächlich da, die Delphine! Kleine und grössere Gruppen schwimmen und springen und scheinen mit den Booten Fangen zu spielen. Manche der Schiffer rücken den Tieren ganz eng auf den Pelz, woraufhin sie sich einfach zurückziehen. Unser Schiffer ist weniger agressiv und wartet lieber bis die Tiere von alleine näher zum Boot kommen. Und wir schauen und strahlen und freuen uns! Was für ein Erlebnis! Immer wieder springen sie unerwartet ganz in der Nähe aus dem Wasser und tauchen wieder in die Wellen. Grad als wollten sie sagen: Hier, schau! Hier bin ich ja. Kriegst mich aber nicht. Wir sind total fasziniert und so dankbar, dass wir das erleben dürfen! Es ist magisch! Hier ein kleines Video:                                                                    

Als nächstes steht ein Ausflug in die Berge auf dem Programm. Wir mieten uns drei Scooter und machen uns auf den Weg. Aber das schreibt sich jetzt hier so einfach – für mich war das gar nicht einfach! Ausser auf Mallorca vor gefühlten hundert Jahren und in Thailand einmal bin ich eigentlich noch nie so richtig Moped oder sonst was gefahren und ich fühl mich da ziemlich unsicher. Die kids versprechen aber, wir würden ganz langsam fahren und Lust hab ich ja schon und hier auf Bali fahren schon Sechsjährige! Dann werd ich das ja wohl auch hinkriegen! Out of the box – mal wieder.

Schnell im Internet die Route rausgesucht und los geht’s. Als erstes müssen wir natürlich durch die Stadt fahren und so bin ich nach den ersten zehn Minuten schon durch! Aber dann wird es leichter, kaum mehr Verkehr und ich atme auf. Hält aber nur kurz, denn die Strasse wird immer kurviger und immer schmaler. Und dann besteht sie irgendwann bloss noch aus Schlaglöchern. Wir kommen durch ein paar kleine Dörfer, in einem haben die Kinder gerade Schule aus und laufen lachend und rufend neben uns her „hello, hello“ „what’s your name“ „i love you“ und ich bete: bitte, bitte geht weg! Ich hab dieses Ding überhaupt nicht unter Kontrolle und wenn mir jetzt ein Kind vor’s Rad läuft….

Nach dem Dorf wird aus dem Strässchen ein Weg und dann ein Pfad – eine betonierte Spur, vielleicht dreissig Zentimeter breit. Ich bin zu angespannt zum Schwitzen, sonst würde mir der Schweiss wahrscheinlich in Strömen herunterlaufen. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf eine schmale Strasse kommen muss ich erstmal anhalten und meine Wackelpuddingknie ausruhen. What the heck!!! Aber einen Vorteil hat’s ja doch – das Schlimmste liegt jetzt hinter mir. Das hab ich überstanden, was soll also jetzt noch passieren? Ich bin mega stolz auf mich.

Es ist noch eine gute Strecke bis Munduk, unserem heutigen Ziel und hier in den Bergen ist es empfindlich kühl. Damit haben wir jetzt natürlich überhaupt nicht gerechnet und daher haben wir keine warmen Sachen dabei. Wir bibbern ganz schön in Shorts und T-Shirts auf unseren Scootern. Aber auf den zweiten Anlauf finden wir eine tolle Unterkunft und können eine richtig heisse Dusche geniessen. Schau mal, das ist der Blick von unserem Balkon. 

Hier lassen wir es uns richtig gut gehen, spazieren durch die Reisfelder und durch den umliegenden Wald, schnuppern den Duft der Gewürznelken, die hier überall zum Trocknen liegen, lauschen einem Fluss und bewundern mehrere Wasserfälle, beobachten bunte Libellen, legen uns ein paar Stunden faul an einen Pool und probieren einheimische Gerichte (ich bekomme z.B. einen frisch gepressten Tomatensaft, der voll gezuckert ist. Bähh…..). Es ist herrlich und auf jeden Fall ein weiterer Höhepunkt. Fast wollen wir noch einen Tag bleiben, aber wir haben ja noch so viel vor….. 

So machen wir uns also am kommenden Morgen wieder auf den Rückweg.. Natürlich halten wir unterwegs auch mal an. Beispielsweise an einem hier ziemlich berühmten Fünf-Sterne-Hotel, bzw. nicht das Hotel, sondern der Pool ist berühmt. Und zwar deshalb:

Ist das nicht der Hammer? Du schwimmst im Pool und dann direkt in den Himmel hinein! Megaschön.

Nächster Stop ist ein Aussichtspunktoberhalb eines grossen Sees, leider ist der Himmel mittlerweile wieder ziemlich bewölkt und so leuchten die Farben nicht ganz so strahlend. 

Für die Fahrt zurück nach Lovina entscheiden wir uns für die Hauptstrasse. Die ist zwar schön breit und gut ausgebaut, dafür gibt es aber jede Menge Verkehr. Also auch wieder eine Heraus-  forderung. Ganz heftig wird es für mich dann als wir wieder in die Stadt selbst kommen. Es ist nämlich gerade Schulschluss. Und plötzlich strömen hunderte von Mopeds mit einer Menge Kindern darauf auf die Strasse, verstopfen alle Kreuzungen und fahren auch mal zu fünft oder sechst nebeneinander. Das ist ein Gewusel ohne Ende – und ich mittendrin! Meine Güte, ich bin so was von froh als wir unsere Motos wieder abgeben und nichts passiert ist. Aber es hat auch einen Riesenspass gemacht!

Unser nächster Stopp ist Amed an der Ostküste Balis. Hier wollen wir einfach mal zwei Tage verschnaufen, am Pool chillen, schnorcheln und die Seele baumeln lassen. Wir haben eine superschöne Unterkunft, grosses Zimmer mit Terrasse und einen hübschen Garten mit Pool und das Ganze direkt am Strand. Da wir ein wenig ausserhalb des eigentlichen Dorfes sind bekommen wir vom Rummel kaum etwas mit, sondern können uns ganz ungestört dem Dolçe far niente widmen. Spektakuläre Sonnenuntergänge und super leckeres Essen inklusive!

Wieder einmal gefällt es uns so gut, dass wir am liebsten bleiben würden und doch treibt die Neugier uns weiter – auf eine Fähre zu den Gili Islands.

Hier erwartet uns eine klitzekleine Insel ohne Autos. Alle Transporte werden mit Kutschen erledigt, die von winzig kleinen Pferdchen gezogen werden. Es gibt keine richtgen Strassen sondern nur Sandwege. Und alles ist chillig – langsam. Hier geht’s um Sonne, Strand und Entspannen. Und das machen wir dann auch für die nächsten Tage. Die Atmosphäre auf der Insel ist super und alle gehen so locker miteinander um, dass es nicht einmal eine Polizei gibt! Wenn die Läden zumachen, dann lassen die Besitzer einfach ein Bambusrollo herunter und jeder weiss, hier ist jetzt zu. Und trotz offensichtlich hohem Bierkonsum scheint es keinen Krawall zu geben.

Die Strände sind recht schön aber es gibt sehr viele Korallen hier und so muss man vor allem bei Ebbe sehr, sehr aufpassen wohin man tritt. Auf der anderen Seite ist das Schnorcheln hier natürlich super gut. Das Highlight des Tages ist der Eismann, der die Strände antlang fährt. Einen Tag unterbrechen wir das Faulenzen und nehmen an einer Bootstour teil. Und hier sehen wir sie nun endlich: die grossen Meeresschildkröten! Majestätisch und unaufgeregt gleiten die Tiere durch das Wasser und wenn sie sich von uns Menschen gestört fühlen, dann tauchen sie einfach ab in tiefere Gefilde. Für uns ist es faszinierend, diese uralten Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.

An einem Abend machen wir beiden Mädels uns auf zu einem Ausflug der besonderen Art: wir haben einen Reitausflug gebucht mit diesen niedlichen, kleinen Pferdchen, die abends immer im Meer gebadet werden. Reiten am Strand – das ist einfach das Grösste!!

Am Treffpunkt werden uns die beiden Pferdchen übergeben, wir bekommen gesagt wie herum wir um die Insel reiten sollen und wo wir uns mit den beiden Pflegern wieder treffen sollen. Also, kein Führer reitet mit oder so, wir haben die Pferde und viel Spass! Na dann……los geht’s! Und wie es losgeht!! Diese kleinen Biester gehen mal so was von ab. Wir sind beide erfahrene Reiterinnen, aber die Bremsen sind bei den beiden wohl vergessen worden. Wir haben beide Hände voll zu tun, keine Touristen umzunieten und nicht über die Taue von angeleinten Booten zu reiten. Viel galoppieren können wir zwar nicht aber doch immer wieder mal zwischendurch. Und plötzlich sind wir schon fast rum um die ganze Insel. Bloss noch durch das Hauptdorf, wo wir von allen überschwänglich gegrüsst werden und jede Menge Daumen hoch von den Einheimischen kriegen. Wir sind ein bisschen verunsichert.

Wieder am Ausgangspunkt angekommen ist von den Pflegern weit und breit nichts zu sehen. Wir warten und überlegen uns, wo wir wohl den eigentlichen Treffpunkt verpasst haben könnten. Tja, wahrscheinlich sind wir einfach full speed daran vorbeigeschossen. Nach einer Weile kommen die beiden Pfleger im Dauerlauf auf uns zu und sind sichtlich erleichtert, uns und die Pferde wohlauf und gut gelaunt wieder gefunden zu haben. Wir machen noch ein paar Fotos und treffen uns dann mit Patrick zum sundowner in unserer Lieblingsbar. Hier kann man einfach direkt am Strand relaxen, einen leckeren fruitshake oder Cocktail schlürfen und dem Tag beim Verabschieden zuschauen. Gibt es irgendetwas Entspannenderes?

Als letzte Etappe steht Sanur auf unserem Plan. Hier gibt es einen richtig grossen und richtig tollen Strand, jede Menge Restaurants, Bars und Cafés. Absolut alles ist auf Tourismus ausgelegt aber trotzdem ist die Atmosphäre schön, man sieht sogar hier noch ab und zu Balinesen in traditioneller Kleidung und nachdem wir nun eine Menge Nasi Goreng und so gegessen haben ist die grosse Auswahl an westlichem Essen tatsächlich verlockend.

Patrick und Tine müssen morgen wieder nach Hause fliegen (ich darf gar nicht dran denken!!) und so gönnen sie sich heute quasi als Abschiedsgeschenk eine Runde auf dem Jetski. Beide haben das schon ein paarmal im Urlaub gemacht, aber ich bin eine Newbie. Patrick fährt und ich sitzt hinten drauf – erst fährt er ja noch gesittet damit ich mich ein bisschen gewöhnen kann, aber das macht ja natürlich keinen Spass und so flitzt er plötzlich los und kauft seiner Mutter den Schneid ab. Hahaha, es macht wirklich grossen Spass!

Ich schreib jetzt hier nicht viel über’s Abschied nehmen – es ist einfach furchtbar. Ich fühle mich total übrig geblieben und wäre am liebsten mit den beiden mitgeflogen. Es braucht schon ein paar Tage bis ich mich daran gewöhnt habe, nun wieder alleine unterwegs zu sein. Ich bleibe noch einige Tage in Sanur und fliege dann direkt nach Singapore.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                        

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zauberhaftes, magisches Bali 1

Jetzt gibt es einen richtigen Kulturschock! Australien, Neuseeland und sogar Französisch Polinesien waren bei aller Exotik doch irgendwie ziemlich europäisch geprägt, aber jetzt geht meine Reise nach Asien und hier ist nun einmal alles anders.

Das erste Lächeln entlockt mir der Toilettenbesuch am Flughafen von Denpassar: es stehen Wasserschalen mit Franghipaniblüten am Waschbecken und dieses Schild hier bringt mich zum Lachen. Herzlich willkommen in Asien!

Und dann stürze ich mich hinein, ins Leben: ich versuche, einen Taxifahrer dazu zu bringen, mich für einen einigermassen anständigen Preis nach Ubud zu bringen. Kaum aus der Tür getreten stürmen sie auf mich zu und beginnen den Tanz: „Miss! Miss! Taxi Miss? Good price, Miss! Taxi? Taxi?“ tönt es von allen Seiten. Ich ignoriere sie erstmal alle und gehe bis ans andere Ende der Halle. Dort quatsche ich ein junges Pärchen an, die offensichtlich ebenfalls ein Taxi brauchen, ein weiterer junger Mann schliesst sich uns an und so teilen wir uns ein Taxi zu viert, was meiner Urlaubskasse guttut. Der Taxifahrer handelt hart und wir müssen dreimal weglaufen bevor wir uns einigen können.

Das Handeln gehört in Asien dazu. Wer nicht handelt ist selber schuld wenn er zuviel bezahlt, denken die Asiaten. Dass man als gerade angekommener Tourist keine Ahnung von den Preisen hat kommt ihnen zugute und wird auch weidlich ausgenutzt. Trotzdem hat alles auch immer eine Grenze, finde ich, und als Urlauber sollte man nicht vergessen, dass die einheimischen Dienstleister allesamt sehr viel ärmer sind als wir und dass hinter jedem Einzelnen eine meist grosse Familie steht. Also Handeln ja, aber nicht drücken bis zum Gehtnichtmehr, das ist zumindest meine Devise. 

Endlich ist es geschafft, wir sind uns einig und aufatmend lassen wir uns in die Sitze sinken. Die Entspannung dauert allerdings nur kurz, denn wie erwartet fährt unser Fahrer schnell, ruppig und ohne irgendwie erkennbar Strassenregeln zu beachten. So, wie alle anderen auch. Der Strassenverkehr in Asien ist ein echtes Abenteuer und auch Bali ist hier keine Ausnahme. Jede noch so kleine Lücke wird ausgenutzt, Motorräder kommen aus allen Richtungen und fahren sehr oft auch entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung, Fussgänger wuseln überall herum und Strassenstände und Schlaglöcher erschweren das Durchkommen der Autos. Wir nehmen mehrere Abkürzungen und fahren durch kleine, schmale Strassen, um den Hauptverkehrsstrom zu umgehen. Leider hindert uns irgendwann eine auf voller Breite aufgerissene Strasse am Weiterkommen. Unser Fahrer schimpft wie ein Rohrspatz als er notgedrungen umdreht und ein ganzes Stück zurückfahren muss.

Irgendwann kommen wir in Ubud an. Natürlich kennt der Fahrer aus Denpassar nicht die einzelnen guesthouses in Ubud und so bitte ich ihn, mich einfach im Zentrum abzusetzen. Der junge Mann steigt mit mir aus, das Pärchen will noch weiter nach ihrem Hotel suchen. Der Fahrer ist ganz offensichtlich erleichtert, schon mal zwei von uns los zu sein und braust davon. Hhmm, hier stehen wir also nun, auf der Strasse in einer fremden Stadt in einem fremden Land und schwitzen. Wir gehen in die Richtung, die der Fahrer uns vage mit der Hand angewiesen hatte, doch schon nach wenigen Metern wird uns klar, dass es hier eher nicht ins Zentrum geht.

Vor einem Massagesalon sitzen ein paar Balinesen herum und wir fragen sie nach dem Weg. Ein fröhliches Gezwitscher geht los, von dem wir beiden Touristen natürlich kein Wort verstehen. Letztendlich bekommen wir gleich ein Beispiel balinesischer Hilfsbereitschaft, denn einer der Masseure holt sein Moped heraus und fährt mich mitsamt meinem Riesenrucksack in mein guesthouse, um gleich wieder umzukehren und auch den jungen Mann zu fahren. Bist du schon mal mit einem grossen Rucksack auf dem Moped einen Berg hochgefahren? Ich gebe zu, ich hatte echt Angst hintenüber zu fallen, haha!

Mein Domizil liegt versteckt in einem zurückgesetzten Haus und ist nur durch einen dunklen, schmalen Spalt zwischen zwei anderen Häusern zu erreichen. Meine Erwartung sinkt. Aber dann stellt sich die Unterkunft als wirklich hübsch heraus und mein Zimmer ist gross und bunt gestaltet und das Doppelbett mit Moskitonetz sieht bequem aus. Das Ganze ist wie eine Art grosser Balkon und aus den grossen „Fenstern“ (ohne Glas) schaue ich in den Garten und auf einen zugewucherten Fluss. Grüner Bambus wächst hier meterhoch und raschelt leise im Wind: es ist herrlich!

Nach einer schnellen Dusche geht’s ab in die Stadt. Bei einem kleinen Mittagessen versuche ich die ersten Leckereien der balinesischen Küche und schaue dabei den Menschen auf der Strasse zu. Wahre Massen strömen draussen an mir vorbei und ich bin ehrlich gesagt ein bisschen geschockt. Ich wusste schon, dass Bali sehr touristisch ist, aber ich war nicht darauf vorbereitet, hier in Ubud – weit weg von jedem Strand! – dieser Menge an Urlaubern zu begegnen. 

Die kommenden Tage nutze ich, um die Umgebung zu erkunden, mich zu orientieren und eine passende Unterkunft zu finden, denn in fünf Tagen kommt mein Sohn Patrick mit seiner Freundin Tine! Sie werden knapp drei Wochen lang Bali mir mir erkunden und ich bin schon jetzt soo aufgeregt und freu mich unglaublich auf die beiden. Vorher mache ich aber noch all die kulturellen Dinge, die ich toll finde, die beiden aber eher langweilig.

Wie beispielsweise ein Besuch im „Museum der Masken“. Ein wundervolles Museum, das in mehreren typisch indonesischen Häusern eine eindrucksvolle Sammlung verschiedener Masken ausstellt, sowie Handpuppen, Marionetten und Schattentheaterpuppen zeigt. Doch sieh selbst:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An einem Abend besuche ich eine Tanzshow. Die finden hier in Ubud täglich in verschiedenen Etablissements statt und sind eine reine Touristenattraktion. Dennoch lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall, denn der traditionelle balinesische Tanz ist sehr bunt, sehr grazil und sehr exotisch. Die Eintrittskarten für die Veranstaltungen werden auf der Strasse verkauft und zwar je mehr je besser. Die an den Seiten offenen Tanztheater werden daher so voll gestopft wie es irgendwie geht, manchmal müssen die Zuschauer sogar stehen! Aber ich hab Glück und ergattere noch einen Sitzplatz. 

 

                                                                 Auch wenn ich die Musik, sagen wir mal ….. sehr exotisch finde geniesse ich die Show. Die bunten Kostüme, die Grazie der Tänzer, das irgendwie skurile Augenrollen und die ungewöhnlichen Bewegungen bezaubern mich und so vergeht die Zeit wie im Flug.

Hier findest du ein kurzes Video(klick).

Ein Besuch auf dem „local market“ ist immer spannend und nachdenm man sich vom ersten Schock erholt hat macht das Entdecken von einheimischen Spezialitäten, sowie das Schwelgen in den bunten Farben der tropischen Früchte und den exotischen Düften der Gewürze immer einen Riesenspass. Für kleines Geld kannst du hier die leckersten Mangos und Minibananen kaufen, die süssesten Ananas und auch Früchte, die man bei uns kaum je zu Gesicht bekommt wie Mangostan, Drachenfrucht oder Rambutan. Natürlich gibt es auch immer Papayas und Kokosnüsse, die hier quasi zu den Grundnahrungsmitteln gehören.

Auch ein Spaziergang durch die ausgedehnten Reisfelder, die die Umgebung von Ubud ausmachen ist einfach ein Muss (nicht erst seit Julia Roberts in „Eat Pray Love“ hier mit dem Fahrrad entlang fuhr). Wunderschön ist das saftige Grün der Reisfelder und man kann hier tatsächlich die Reisbauern beobachten, wie sie den Boden umpflügen, die Felder fluten und neue Pflänzchen setzen. Reisanbau ist Handarbeit bis heute, eine schwere Arbeit und ein hartes Leben, 

In Asien hat praktisch jede Familie mindestens ein Reisfeld, das den persönlichen Bedarf abdeckt. Wer allerdings vom Reisanbau alleine leben möchte (oder muss) findet sich am unteren Ende der Gesellschaft wieder. Viel Geld ist hier nicht zu verdienen und die harte Arbeit erscheint vor allem den jungen Asiaten nicht erstrebenswert. Daher wandern alle, die es sich irgendwie erlauben können ab in Richtung Tourismus, Dienstleistung oder Bau. Auf Bali ist im Laufe der vielen Jahre, die hier schon einträglicher Tourismus betrieben wird ist eine ziemlich breite Mittelschicht entstanden, die ihr Geld mit und rund um die Touristen verdient, die Reisfelder werden nebenberuflich betrieben.

Insgesamt erscheint mir, das Bali den Spagat zwischen Bewahrung alter Traditionen und Innovation recht gut hinbekommt. Ausser den vielen Touristen kann man überall traditionell gekleidete Balinesen antreffen, die ihren Geschäften nachgehen. Täglich werden hunderte von kleinen Blumenkörbchen gefertigt, die den Göttern und Geistern als Opfer dargebracht werden. Es gibt hier für alles, wirklich alles ein besonderes Ritual und Ofergaben werden nicht nur in den Tempeln dargebracht, sondern schmücken jeden Tag die Eingangstür der Läden und Restaurants, Autos und Busse, Kochherde und Hauseingänge. Einmal dargebracht verlieren sie sofort ihren Wert und werden später achtlos von den Strassenkehrern eingesammelt oder falls essbar von streunenden Strassenhunden verschlungen. 

Lasten werden auch heute noch oft auf dem Kopf getragen und beim Besuch des Tempels wird noch immer die traditionelle Kleiderordnung eingehalten. Auch Touristen werden angehalten, diese Kleidung anzulegen wenn sie an einem Ritual teulnehmen möchten. Auf der anderen Seite ist das moderne Leben überall präsent. Läden mit Mobiltelefonen, Computerzubehör und Auto-Tuningteilen reihen sich aneinander, stylische Cafés warten auf Gäste, Massagesalons buhlen um Kundschaft und alle Arten von Serviceleistungen werden angeboten. 

Für uns Besucher ist diese Mischung sehr angenehm, daher erfreut sich Bali ungebremster Beliebtheit bei den Touristen. Leckeres, preiswertes Essen, schöne Shops mit Kitsch und Kunsthandwerk, bunte, flippige Klamotten und sehr preiswerte Massagen – all das findet sich zuhauf in Bali. Jede Menge Sonne, tolle Natur, schöne Strände und sogar Party-Nightlife finden sich hier zusammen und lassen Touristenherzen aus aller Welt höher schlagen. Mal schauen, was Tine und Patrick sagen. Für beide ist es der erste Besuch in Asien …..

Damit sie einen guten Start haben schicke ich ihnen einen Fahrer an den Flughafen. Denn sich nach einem interkontinentalen Flug mit      -zig wildgewordenen Taxifahrern in einer ungewohnten Sprache herumzuschlagen ist kein Spass!

Doch die beiden lassen sich nicht bange machen (und sind sehr erleichtert, dass die Unterkunft schön und sauber ist), sondern sind direkt unternehmungslustig und so geht es gleich los mit unserer Entdeckungstour rund um Ubud. Das erste highlight ist der Besuch im Affentempel. Stell dir eine grosse Tempelanlage inmitten eines weitläufigen Waldstückchens vor, das Ganze bevölkert von hunderten Affen! (Video)

Die Makakenaffen leben hier in direkter Nachbarschaft mit den Menschen und man sieht sie auch in der Stadt selbst häufig. Im Affentempel selbst sind sie eher faul und gelangweilt, müssen sie doch nicht auf Nahrungssuche gehen und sich auch keiner Feinde erwehren. (Video)

Die intelligenten Primaten haben längst gelernt, dass Touristen oft Futter oder andere interessante Dinge mit sich bringen und so sind die Biester hier aufringlich frech bis gefährlich dreist. Sie versuchen oft die Touristen anzuspringen und lose Dinge wie Mützen, Sonnenbrillen, Getränkeflaschen oder Fotoapparate zu klauen. Und sie springen gerne auf Rucksäcke, wo sie geschickt die Reissverschlüsse aufziehen, um im Inneren nach Essbarem zu suchen.

Wir haben vorsorglich schon alles Bewegliche im Rucksack verstaut, den mein Sohn auf dem Rücken trägt, doch das hält einen besonders vorwitzigen Affen nicht davon ab, auf Beutesuche zu gehen. Er springt meinem Sohn auf die Schulter und versucht den Rucksack aufzumachen. Ich versuche, ihn mit Armgewedel zu verscheuchen. Der freche Makake lässt zwar von meinem Sohn ab aber jetzt hasst er mich dafür und will mich auf dem Weg nicht vorbei lassen. Er faucht mich an und bleckt die Zähne (die haben übrigens ein ganz schönes Gebiss!) Ohne gross darüber nachzudenken fauche ich einfach zurück! Da wird das Biest erst recht wütend und springt mich an. Im Reflex reisse ich zum Schutz meinen Arm hoch und treffe mit der Hand versehentlich den Affen am Kopf!

Der Affe sitzt jetzt fassungslos den Kopf schüttelnd auf einem Geländer, ich bin ebenfalls fassunglos und meine beiden Jungbackpacker lachen sich halbtot. Hier findest du ein kurzes Video dazu.

Zur Erholung von dem Schreck verziehen wir uns in die wundervoll grünen Reisfelder. Ich hatte dort ein tolles kleines Restaurant auskunschaftet, wo wir jetzt gemütlich unsere fruitshakes geniessen und der Zeit beim vergehen zuschauen. Herrlich!

Hier kann man übrigens für einen Dollar eine leere Kokosnuss kaufen. Häh? Was’n das, denkst du jetzt wahrscheinlich. Das ist eine tolle Idee, wie man aus Müll etwas Wertvolles kreiert! Ein ortsansässiger Künstler schnitzt nämlich aus der leeren Kokosnuss ein Gesicht und das wird hier im Restaurant aufgehängt. Und der Dollar kommt einer Stiftung zugute, die unterprivilegierte Kinder mit Schulmaterial ausstattet. Super Projekt, finde ich.

Heute abend erwartet uns noch ein weiterer Höhepunkt: wir gehen au einem „Kejac-Dance“. Das ist ein balinesischer Feuertanz, der ausschliesslich von Jungen und Männern getanzt wird. Zweimal im Monat (Neumond und Vollmond) gibt es einen ganz besonderen Kejactanz, der in einem wunderschönen Park unter freiem Himmel aufgeführt wird. Und denk mal! Heute ist Neumond und ich habe uns vorsorglich drei Plätze reserviert.

Wir sitzen in der zweiten Reihe und rundherum stehen wunderschöne riesige Bäume, Grillen zirpen, über uns sind die Sterne zu sehen und wir vergessen in dieser natürlichen Umgebung völlig die Touristenmassen, die sich nur wenige Meter von uns entfernt durch die Strassen schieben.  Es ist auch so schon eine dieser magischen Nächte aber als die Tänzer die Bühne betreten werden wir sofort in eine andere, archaischere Welt entführt.

Jungen und Männer aller Alterstufen performen hier eine Art Trance Tanz. Es gibt keine Musik sondern alle „singen“ Laute wie „cak“ „kek“ und „jak“. Es gibt einen Hauptakteur und Vorsinger und die Geschichte ist eine relativ freie Interpretation einer alten Legende von Gut gegen Böse. Die Handlung ist allerdings völlig irrelevant, zumindest für uns, die wir in diesem urtümlichen Gestampfe, Gesinge und Geschrei irgendwie untergehen. Also ganz positiv gesehen! Der Kejac nimmt einen total gefangen und berührt irgendwie auf einer tiefen, unbewussten, archaischen Ebene. Hier ist das männliche Prinzip, die männliche Kraft am Werk, einmal ganz unverfälscht, roh und wild, wie sie ja heutzutage kaum mehr irgendwo gelebt werden darf/ kann. Wohl kaum jemand kann davon unberührt bleiben. Und ein ganz klein bisschen erinnert es mich an eine Herde zischender Gänse…..

Hier findest du ein paar Videos, die zwar die Stimmung nicht wirklich wiedergeben können, aber doch wenigsten einen kleinen Eindruck geben. (klick)

Am nächsten Tag fahren wir mit einem privaten Fahrer und Reiseführer kreuz nd quer durch die Umgebung von Ubud. Wir besuchen verschiedene Tempel, die zwar sehr schön und auch sehenswert, allerdings meist doch ziemlich überlaufen sind (und die aufdringlichen Verkäufer direkt vor den Tempeltoren tragen auch nicht zu einer besinnlichen Stimmung bei!). Da gefällt uns der Besuch eines kleinen Wasserfalls wo eigentlich nur Einheimische hingehen doch viel besser! Wir wagen uns sogar ins Wasser und geniessen ein kühles Bad.

Und die Fahrt an sich ist ebenfalls ein Erlebnis! Die grünen Reisfelder überall, die sich eben bis an den Horizont erstrecken oder in Hügellagen auch als Terrassen angelegt sind sind einfach ein wahrer Augenschmaus. Kleine Geisterhäuschen und manchmal sogar Grabstätten sind immer wieder zu erkennen. Tatsächlich liessen sich die Reisbauern früher oft auf ihrem Feld begraben („Ich wurde auf einem Reisfeld geboren, ich habe auf einem Reisfeld gelebt und ich möchte auf einem Reisfeld sterben – so ein geflügeltes Wort in Bali“).

Zum Sonnenuntergang fahren wir noch in das kleine Dorf Petulu, wo abends tausende weisse Reiher einfliegen, um die Nacht in den Bäumen entlang der Hauptstrasse dieses Dörfchen erstaunlicherweise in unmittelbarer Nähe zu den Menschen (obwohl es rundherum viel Platz hat) zu verbringen.

Die Legende erzählt folgendes: Mitte der 1960er Jahre gab es in Indonesien einen der schlimmsten Progrome des zwanzigsten Jahrhunderts. Unter dem heute sehr stark angezweifelten Vorwurf, einen Putsch versucht zu haben wurden Chinesen und alle, die der damaligen kommunistischen Partei Inodesiens PKI nahestanden per se zum Abschuss freigegeben. So wurden Tausende von Militärs und Milizen erschossen oder erschlagen und ohne Rituale in Massengräbern verscharrt. (Mehr zu diesem Thema hier-klick)   Auch in Petulu fanden diese Morde statt. Hier wurde allerdings eine Art Reinigungsritual durchgeführt und exakt sieben Tage später sollen die Reiher zum ersten Mal ins Dorf gekommen sein. Sie wurden zuerst als mögliche Nachrungsquelle angesehen, aber nachdem die Jäger von bösen Geistern heimgesucht worden waren, hiess man die Vögel in einem weiteren Ritual willkommen. Die Menschen glaubten, die Vögel seien die verwandelten Seelen der Opfer, die (da ohne die nötigten Rituale verscharrt) nun für immer auf der Erde wandeln müssten. Bis heute glauben die Balinesen daran und halten die Vögel für heilige Tiere, die dem Dorf Schutz und Wohlstand bringen.

Für uns ist es hauptsächlich ein wunderbares Naturschauspiel. Die untergehende Sonne färbt den Himmel in zarte Pastellfarben, die sich in den teilgefluteten Reisfeldern spiegeln und so eine einzigartige Atmosphäre schaffen.  Ein weiteres magisch anmutendes Erlebnis auf Bali.

Am nächsten Tag…… (das erzähle ich dir im nächsten Artikel) Heir erst mal noch eine Menge weiterer Fotos:

Von Alice Springs nach Darwin und Kakadu Nationalpark

Heute geht also die grosse Fahrt weiter von Alice Springs nach Darwin, rund 1.500 km durch’s outback! Und obwohl wir einige tolle Stationen vor uns haben mache ich mich doch auf sehr viel Fahrerei gefasst.
Früh um sechs werde ich mit noch ein paar anderen am Hostel abgeholt. Dieses Mal haben wir einen offroad Bus und eine Führerin: Kiwi Kate aus Neuseeland.
Der Bus ist vollbesetzt, wie sich bald herausstellen wird sind wir aber ein recht toller Haufen und so sind diese siebzehn Personen für die nächsten Tage meine „Familie“.

Auf dem Stuart Highway geht es raus aus der Stadt und in Richtung Norden, erstmal ein paar Kilometer machen. Wir stoppen am Aileron Roadhouse. Jedes roadhouse hier im outback ist anders und jedes hat eine Geschichte. Meist handelt diese von irgendwelchen unglücklichen oder tragischen Liebesgeschichten, von Jagden, Kämpfen und Rivalitäten oder von wilden Tieren. Leider konnte ich mir nicht alle Geschichten merken, aber ich habe immerhin ein paar Fotos von den skurrilen Einrichtungen und/ oder Schildern gemacht. 

Und gleich noch eines hinterher, Barrow’s Creek Hotel, eines der ältesten roadhouses der Gegend. Der Besitzer hier weiss anscheinend irgendetwas über jeden Fleck der Erde, heisst es…..leider konnte ich nicht fragen, was er über Mallorca weiss 😉

Wir erreichen Australien’s Ufospot Wycliffe Wells und nun wird es richtig abgefahren! Hier soll es schon mehrere Ufosichtungen gegeben haben, Entführungen ins All und alles, was damit zusammenhängt. Du findest dich also mitten im Nichs von Alienfiguren, Ufopostern und jeder Menge Zeitungsausschnitten und Fotos umgeben und alles, alles hat etwas mit Ufos zu tun. Es ist total abgedreht und herrlich skurril. Echte Ufos sehen wir allerdings keine…..

Das highlight des heutigen Tages heisst „Devil’s Marbles“. Mitten in der Wüste liegen plötzlich mehr oder weniger grosse, runde Felsbrocken in der Gegend herum. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die dort sind oder wie sie dahin kamen, denn rundherum ist alles topfeben und keine Berge oder Flüsse in Sicht. Selbstredend ist dieser Platz bei den Aborigines heilig und wir können nur einen kleinen Teil besichtigen. Der Rest ist mit einem Zaun abgesperrt. Aber sag mal…..sind die Felsen hinter dem Zaun nicht eigentlich viel schöner?? Haha… 😉 Die englischen Eroberer hielten es seinerzeit wohl eher mit dem Teufel und benannten diese sehenswerte Naturschönheit „Des Teufels Murmeln“.
Wenn du hier schon länger mitliest dann hast du vielleicht schon festgestellt, dass ich eine gewisse Affinität zu Steinen habe und diese hier sind echt mal faszinierend! Wir umrunden also staunend die runden Brocken, klettern ein bisschen auf ihnen herum, lassen uns die heisse australische Sonne auf die Haut brennen und geniessen es, uns zu bewegen und der Enge des Busses zu entgehen.

Unser heutiges Camp schlagen wir in unmittelbarer Nähe der Banka Banka Cattle Station auf. Dank des angegliederten Campingplatzes gibt es Waschräume und so einen gewissen Komfort. Trotzdem sind wir mit unserem Camp weit genug weg, dass immer noch ein bisschen bushfeeling aufkommt. Und es ist ein ziemlich cooler Campingplatz mit Pferden und Kamelen, die die Reste unseres Abendessens bekommen. Es stehen eine Menge „antiker“ Land-wirtschaftsgeräte herum und es gibt einen Hügel mit einer fantastischen Aussicht. Also genung zu gucken für uns solange Kate unser Abendessen zaubert. 

Schon am ersten Tag haben sich Sympathien ergeben und diese Gruppe von sehr unterschiedlichen und sehr tollen Frauen hat sich zusammengefunden.

 

Auch heute geht es wieder vor Sonnenaufgang los, es gibt also wieder ein mehr oder weniger schweigsames, da viel zu frühes Frühstück und noch ein bisschen trantütig krabbeln wir in den Bus, um zu unserem ersten Ziel nach Kathrine Gorge zu fahren. Als wir mit dem Aufstieg zum Aussichtspunkt starten wird es gerade so hell und wir sind pünktlich zum Aufgang der Sonne am gewünschten Punkt. Diese spektakuläre Aussicht belohnt uns – wunderschön, oder?!
Plötzlich glaubt jemand, ein Krokodil gesehen zu haben! Wirklich? Wo denn?? Alle suchen nun angestrengt die Oberfläche des tief unter uns dahinströmenden Flusses nach den Umrissen des Tieres ab. Und tatsächlich, am anderen Ufer schwimmt ein einzelnes Krokodil langsam flussaufwärts. Dank meines phänomenalen Kamerazooms ist mir dieses Bild gelungen: Na ja, das ist jetzt nicht soo aufregend, denn das Tier ist ewig weit weg, aber Kiwi Kate versichert uns, dass wir noch mehr „crocs“ zu sehen bekommen.

Auf dem Rückweg zum Bus bestaunen wir eine Riesenkolonie Flughunde. Wie schwarze Säckchen hängen sie kopfüber in den Bäumen, fiepsen vor sich hin und lassen eine Menge Kot fallen. Es stinkt zum Himmel, im wahrsten Sinne des Wortes! Ich glaube, ich werde jetzt diesen Geruch überall erkennen. Boah!! Hier kannst du ein kurzes Video anschauen. Wir müssen unter den Bäumen hindurchgehen und ich bin froh um meinen schönen, grossen Hut, der mich zumindest vor Hinterlassenschaften auf dem Kopf bewahrt. Nicht alle aus der Gruppe haben dieses Glück…..

Auch heute stoppen wir wieder an roadhouses und hier zeige ich dir einmal einen outback Supermarkt. Hier gibt es quasi alles: Campingausrüstung und Flachbild-fernseher, Wasch-maschinen, Kleidung, Lebensmittel und Fahrräder, Kleinmöbel, Autozubehör und was weiss ich nicht alles. Natürlich verstehe ich die Notwendigkeit dessen völlig, schliesslich sind wir hunderte Kilometer von jeder Stadt entfernt und rundherum gibt es nur Wüste, Gestrüpp und Steine, nichtsdestotrotz finde ich die Mischung kurios und für eine Mitteleuropäerin wie mich verdeutlicht die Bandbreite des Angebots einmal mehr die ungeahnten Möglichkeiten der Anpassung an die Umstände zu denen Menschen fähig sind.

Weiter geht die Fahrt zu den Lelyin Edith Falls,  Hier wandern wir ein wenig herum, erfahren einiges über die hiesige Fauna und was die Aboginines daraus ableiten. Ausserdem legen wir einen tollen Badestopp zur Abkühlung ein. Aber so mega spektakulär ist es nicht.

Interessanter sind da schon die gelegten bushfires (Buschbrände) rundherum. Seit Urzeiten brennen die Aborigines alle paar Jahre den Busch ab. Die grösseren Bäume überstehen den Brand und erholen sich in relativ kurzer Zeit wieder, das Grass und niederes Gestrüpp aber verbrennt. So wird riesigen und verheerenden Bränden vorgbeugt. Ein hübscher Nebeneffekt ist, dass das Wild natürlich vor dem Feuer flüchtet und so einfach gejagt werden kann. Das hat auch eine gewisse Sorte Raubvögel gelernt und so sieht man diese Vögel in unmittelbarer Nähe zuden  Feuern kreisen und auf Beute lauern. Kate erzählt uns, dass diese Vögel sogar glühende Kohlestückchen aufheben und diese an anderer Stelle wieder abwerfen, um ein neues Feuer zu entfachen. Unglaublich, oder?
Na ja, also zurück zu den Feuern. Früher wurden grosse Gebiete abgefackelt, abgejagt und dann zog das Volk weiter. Heute leben die Aborigines sesshaft in Häusern und so hat sich im Laufe der Zeit auch das Feuerverhalten wenn man so will verändert. Heute wird sogenanntes „patch burning“ gemacht: eine abgesteckte Zone (patch) wird abgebrannt, das gefährliche Niederholz so eliminiert und der Feuergefahr entgegengewirkt. Dann kann sich das entsprechende Gebiet für ein paar Jahre erholen bis zum nächsten patchburn. Diese Praktik wird inzwischen auch von den australischen Behörden gebilligt und sogar gezielt angewandt, anscheinend ist diese Art der Prävention wirksam. Nichtsdestotrotz sieht so ein abgebranntes Gebiet furchtbar aus und solange es nocht brennt ist es wirklich angsteinflössend!

Unser nächster Stop ist ein highlight für Warmduscher wie mich! Wir besuchen die Mataranke Hot Springs. Aus einer Quelle strömen pro  Tag ich weiss nicht mehr wieviele tausend Liter heisses Wasser. In direkter NAchbarschaft wurden einige Pools angelegt, wo man sich ordentlich durchkochen lassen kann, aber es ist sehr voll und irgendwie gefällt uns dieses künstliche Beton-Pool-Gebilde nicht so recht. Doch Kate weiss Rat: nur ein kleines Stückchen weiter gibt es einen Fluss, der ebenfalls von diesem Wasser gespreist wird und daher schön warm ist. Nichts wie hin und dann lassen wir uns gemütlich flussabwärts im warmen Wasser treiben, spazieren durch den Wald zurück und gleiten wieder in diese natürliche Badewanne. Toller Spa-Nachmittag.

Am späten Nachmittag halten wir am Adelaide River Roadhause, das durch einen speziellen Geschmack in puncto Dekoration besticht. Wer stellt sich schon einen lebensechten, riesigen ausgestopften Wasserbüffel ins Lokal??

Am Abend kommen wir bereits in Darwin an und so haben wir den „Pflichtteil“ erfolgreich hinter uns gebracht, bevor es morgen zur „Kür“ weiter geht in den Kakadu Nationalpark.

Als ersten Stop auf unserer Fahrt besuchen wir eine Art Termitenstadt. Hunderte riesengrosser Termintenhügel stehen herum, manche verlassen und manche bewohnt. Wir lernen, dass es verschiedene Arten Termiten (weltweit über 2000) gibt und dass durchaus nicht alle Holz fressen. Termiten bilden Staaten, wo verschiedene Aufgaben verrichtet werden müssen, so gibt es neben dem Königspaar, Arbeiter, Geschlechtstiere und Soldaten. Die Ausprägung der einzelnen Termite wird durch die Umgebung, sprich den Bedarf innerhalb des Volkes bestimmt.

Werden die jungen (Geschlechts-)Termiten geschlechtsreif gehen sie auf einen sogenannten Hochzeitsflug, um einen passenden Partner zu finden. Nach erfolgreicher Suche findet die eigentliche Paarung auf dem Boden statt, die Flügel werden abgeworfen und ein neues Termitenvolk wird gegründet, inklusive Hügelbau. Königin und König bleiben dauerhaft zusammen und vergrössern das Volk.

Die australischen Termitenhügel stellen eine Besonderheit dar. Sie sind nicht einmal annähernd rund, sondern ragen wie spitze, schmale Feuersteinklingen in den Himmel. Ihre strenge Nord-Südausrichtung erklärt auch die spezielle Form: Die Breitseite nach Osten gerichtet präsentiert der Morgensonne eine grosse Fläche, sodass der Bau nach der kalten Nacht recht schnell wieder aufgewärmt ist. In der heissesten Mittagszeit allerdings wird der Sonne sehr wenig Fläche geboten und erst am Abend in der sinkenden Sonne kann wieder Wärme aufgenommen werden. Ein faszinierend – ausgeklügeltes System der Temperaturregulierung!

Unser Mittagessen nahmen wir auch heute wieder in einem skurrilen roadhouse ein. Es gibt hier einen riesigen Banya-Baum zu bewundern, eine ehemals deutsche Gastgeberin, eine Menge schräge Deko (na klar!) und ein ganz besonderes Haustier. Eine niedliche, kleine siebenjährige Python!

Schlangen sind übrigens weder kalt noch glitschig, sondern fassen sich warm und weich an. Es ist ein tolles Gefühl wenn sie sich fast liebevoll drückend an deinem Arm entlangschlängelt! 😉

Hättest du dich getraut??

                                                                Und weiter geht unsere Fahrt, tiefer in den Kakadu Nationalpark.  Hier leben überwiegend Aborigine People, die oft als Ranger im Park arbeiten. Oder in den grossen Bauxitminen, die es hier immer noch gibt. Nationalpark hin oder her – die australische Regierung will auf das einträgliche Geschäft mit dem Bauxit nicht verzichten.

In einigen der kleinen Städt durch die wir gefahren sind leben praktisch überhaupt keine weissen Australier. Die Indigenen leben hier soweit als möglich noch nach ihren eigenen Traditionen und der Einfluss der westlichen Kultur ist eher gering. Da Alkohol- und Drogenkonsum ein Riesenproblem für die Aborigines ist gibt es hier keinen Alkohol zu kaufen. Leider kommt es trotzdem immer wieder einmal zu Tätlichkeiten. Offensichtlich gibt es besonders viel häusliche Gewalt, wobei manchmal auch die Frauen ihre Männer verprügeln. Natürlich ist das illegal, aber für die Indigenen offensichtlich noch immer schwer nachzuvollziehen.

In ihrer Gemeinschaft werden Konflikte offen und öffentlich ausgetragen, nichts geschieht hinter verschlossenen Türen. Und so kann es eben schon sein, dass aus einem Konflikt ein handfester Streit wird, aus dem sich ein Handgemenge oder auch eine Prügelei entwickelt. Jeder versteht seinen Part, gibt oder bekommt die entsprechende Strafe direkt ab und danach ist alles wieder in Ordnung. Sie können nicht verstehen, warum sie anschliessend dafür in den Bau gehen müssen….. so ungefähr wurde mir erklärt, dass Rechtsprechung für die Aborigines etwas völlig anderes ist als für die weissen Australier. Anscheinend ist bis zum heutigen Tag hier keinerlei Lösung in Sicht. Auf jeden Fall müssen wir auf einen Stopp in einer bestimmten Stadt verzichten, denn am Vortag war es hier nach einer Beerdigung wohl etwas unruhig geworden und so fahren wir bloss durch.

Wir erreichen Ubirr, eine Gegend innerhalb des Nationaparks, wo es unglaubliche Höhlenmalereien zu bestaunen gibt. Wissenschaftler schätzen die Kunstwerke auf 40 000 AD!! Natürlich wurden sie bis in die heutige Zeit immer wieder restauriert und übermalt, aber die archaische Einfachheit ist erhalten geblieben. Kate ist auch hier ein unerschöpflicher Fundus an Traumzeit-Geschichten und Legenden rund um die dargestellten Figuren und die gesamte indigene Kultur. Manche Kunstwerke sind an der Unterseite von Felsüberhängen angebracht, vielleicht fünf oder mehr Meter über dem Boden. Unwillkührlich fragt man sich, wie die primitiven Vorfahren vor tausenden von Jahren wohl diese Zeichnungen angebracht haben….

Nachdem wir unsere geballte Ladung Kultur abgekriegt haben kraxeln wir den Ubirr Rock hoch und oben angekommen gibt es die spektakulärste Aussicht überhaupt! Wir stehen an einem riesigen Felsabbruch (escarpment) und hunderte Meter weiter unten dehnt sich die Ebene bis an den Horizont. Es ist „floodland“ (wird regelmässig überschwemmt) und daher saftig grün, auch wenn jetzt kein Wasser zu sehen ist. Es ist wunderschön und wieder einmal werde ich ganz still ob dieser Grossartigkeit der Natur, die in diesem unglaublichen Land an jeder Ecke zu warten scheint. Der Sonnenuntergang liefert auch heute wieder das stimmungsvolle Tüpfelchen auf dem i.

Heute müssen wir zur Abwechslung einmal nicht schon um halb fünf oder so aufstehen sondern zu einer ganz normalen Uhrzeit. Und nach dem Frühstück geht es ganz geruhsam mit dem Boot durch die „wetlands“. Das sind Gebiete, die in der Regenzeit überflutet sind. Jetzt ist hier Trockenzeit und das Wasser ist auf ein langsam strömendes Seengebiet zusammengeschmolzen. In der Morgenstimmung sieht es wunderbar still und friedlich aus.

Doch, Achtung! Unser Boot ist mit dicken Metallgittern gesichert und wir werden mit deutlichen Worten des Bootsführers gebrieft: keiner streckt auch nur den kleinen Finger durch die Gitter! Sicher kannst du dir schon denken, was jetzt kommt! Ja, hier gibt es Krokodile. Und zwar jede Menge. Schon nach wenigen Metern Fahrt begegnet uns das erste Exemplar. Und im Laufe der Fahrt sehen wir noch eine Menge mehr von diesen Biestern, Manchmal fährt unser Bootsmann echt ganz nah dran und du kannst in diese uralten Augen schauen. Das ist gruselig!

Abgesehen von den „Crocs“ gibt es jede Menge wunderschöne LAndschaft anzuschauen (die Bäume, die du auf den Fotos siehst sind in der nassen Jahreszeit übrigens komplett unter Wasser!!) und es gibt unglaublich viele Vögel. Ein paar konnte ich knipsen…

 

 

 

 

 

 

 

 

Keiner wurde vom Krokodil gefressen aber trotzdem hat es die meisten von uns schon gegruselt. Zumindest ein bisschen. Denn obwohl die Tiere „nur“ faul in der Sonne herum lagen oder träge im Wasser dümpelten – jeder hat schon mal in einer Doku gesehen wie aus einem träge dahintreibenden Baumstamm urplötzlich ein gnadenloser Killer wurde.

Nach dem Mittagessen starten wir zum letzten highlight unserer Tour: den Jim Jim Falls. Es geht los mit einer Wanderung an einem malerischen, kleinen Fluss entlang. Felsbrocken liegen im Weg herum und hier und da müssen wir ein bisschen klettern. Die Landschaft ist, wie auch sonst?!, wunderschön und auch hier treffen wir nur sehr wenige Menschen.

Plötzlich öffnet sich der Weg, ein paar dicke Felsbrocken liegen herum und wollen überwunden werden und dann stehe ich – ganz plötzlich und unerwartet – an einem weissen Sandstrand!

Ja! Tatsächlich! Von steil aufragenden Felswänden umgeben glitzert hier ein kleiner See und das Ufer dieses Sees besteht aus hellem, weichem Sand. Das ist voll der Hammer!

Das Wasser ist ziemlich grün und im ersten Moment gar nicht so einladend, ausserdem ist es natürlich a****kalt, aber nach dem ersten Schreck planschen die meisten von uns prustend und schnatternd im Wasser. Aber das Beste kommt ja noch! An einer Seite des kleinen Sees kann man durch eine Art Felsbarriere schwimmen und kommt in einen zweiten kleinen See. An dessen Ende muss man über eine weitere Felsensprre klettern und steht am Ende der Schlucht. Kreisrund hat das Wasser einen Pool in den Stein gewaschen, senkrecht ragen die Felswände auf und das Wasser im Pool funkelt im Sonnenlicht.  Es ist atemberaubend!

Und das meine ich ganz wörtlich. Als ich nämlich in dieses Wasser steige nimmt es mir den Atem, und zwar sowas von. Ach du Sch…..ist das KALT! uuaahh…..japs. Aber es ist grossartig und diese Kulisse ist einmalig! Ich muss unbedingt zurück und die Gopro holen, denn das müsst ihr sehen.

Also nicht faul auf den Rückweg gemacht! Der vordere See kommt mir jetzt beinahe warm vor. Allerdings muss ich beim Schwimmen sehr aufpassen, denn es gibt viele Steine unter Wasser, sodass die Tiefe immer variiert und manchmal nur wenige Zentimeter beträgt. Ich schnappe mir die Kamera, schwimme den ganzen Weg wieder zurück und stürze mich ein weiteres Mal in dieses eisekalte Wasser! Und bitte, hier sind die Fotos und Video 1, Video 2:

 

 

Tja, und jetzt sind wir auf der Rückfahrt nach Darwin. Wir kommen noch an der krokodil-verseuchtesten Stelle Australiens vorbei: einer Furt durch den Mary River (wenn mich nicht alles täuscht). Heute lauern keine Krokos hier aber manchmal laufen die hier einfach so über die Strasse, zum Schreck der Autofahrer!

Unsere Tour ist zu Ende und wie das immer so ist, wenn man eine „real good time“ miteinander hatte, man will sich nicht so recht trennen. Ich kann mir kaum vorstellen, heute nach in einem Haus in einem Bett zu schlafen ,Keine Sterne und kein Vogelgezwitscher am Morgen, dafür aber Lärm und Verkehr um mich herum  und dann auch noch meine buddies nicht bei mir. Nee, das fühlt sich nicht gut an! Einigen anderen geht es ähnlich und so verabrden wir uns für den Abend zu einem Bummel über den Markt am Strand. Das Abschied nehmen hinauszögern, die Gemeinschaft noch auskosten.

Es gibt was zu Essen und zu Trinken, wir können ein paar Souvenirs einkaufen – dotpainting Kunst, Boomerangs, Buschhüte und „jerky“ (Dörrfleisch) wahlweise vom Wasserbüffel, Kamel oder Krokodil. Die Menschen sitzen am Strand und schauen dem Sonnenuntergang zu. Zwei (weisse!) Musiker machen seltsam hypnotische Musik mit dem Didgeridoo, was zahlreiche Aborigines zum Tanzen animiert. Was für ein Spektakel – laut, bunt, skurril und schräg in einer grossartigen Kulisse – ein passender Abschluss und ein spezielles Goodbye für mich.

Denn nun geht meine Zeit in Australien zu Ende und ich werde auch nicht in absehbarer Zeit wieder hierher kommen.

Aber irgendwann komme ich wieder! Ich muss mir doch noch die andere Hälfte des Kontinents anschauen! Und mit dem Camper herumfahren. Und an einem richtig schönen Riff schnorcheln. Und noch viele Male Veggiemite probieren, ob es mir vielleicht doch irgendwann schmeckt. Und die wunderbaren Menschen wiedertreffen, die mir hier zu Freunden geworden sind. Und, und, und…..

Für mich gibt es viele Gründe in dieses wunderbare, sorglose, luftige Land zurück zu kommen. Eines Tages…

Abenteuer Outback, next level: Uluru, Kata Tjuta und King’s Canyon

Auf meinem Flug von Cairns nach Uluru (Ayer’s Rock) habe ich einen Fensterplatz, sodass ich mir die Weite und die Grösse des outback von einer höheren Perspektive aus ansehen kann. Und das ist echt beeindruckend! Gelbliches Beige und rötliches Braun dehnen sich soweit das Auge schauen kann. Nichts als Sand, Steine, Gestrüpp, Felsen, nur wenige grüne Tupfen und ein paar Salzpfannen hier und da kann ich erkennen.  Tiefe Einschnitte, die sich über weite Strecken in Kurven winden als hätte ein starker Fluss über Jahrtausende hier sein Siegel eingegraben. Felsformationen, die von hier oben winzig aussehen. Ein grosses Nichts, so scheint es. 

Und doch, ich kann Strassen sehen, die schnurgerade das Nichts durchschneiden. Von einer Seite meines Blickfeldes zur gegenüberliegenden Seite, wie mit dem Lineal gezogen, manchmal gekreuzt von einer weiteren Linie, die ebenfalls von Horizont zu Horizont eine Gerade bildet. Woher kommen diese Strassen? Wohin führen sie? Wer benutzt sie? Es erscheint mir surreal, dass Menschen in dieser Einöde leben und doch unterbrechen ab und zu sogar Gebäude die Eintönigkeit. Farmen? Fabriken? Geheime Raumfahrtzentren?

Und dann sehe ich Uluru zum ersten Mal! Plötzlich erhebt sich dieser grosse Block aus einer riesigen Ebene, zieht alle Blicke auf sich und erscheint doch völlig unbeeindruckt von der erzielten Aufmerksamkeit. Ich bekomme einen ersten Schimmer, warum Menschen von überall her zu diesem Felsen kommen.

Kurz darauf landet mein Flieger und ich werde ein winzig kleiner Teil dieser Weite und Grösse des outback. Meine Füsse laufen auf dem roten Sand, meine Nase riecht die Wüste, meine Augen sehen den Horizont so weit entfernt und meine Haut spürt die heisse Sonne. Es fühlt sich irgendwie ….hmm, richtig an. Ich kann spüren, dass ich ein breites Lächeln im Gesicht habe – ja, ich freue mich, hier zu sein!

Ich habe eine Menge Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang bevor ich von meinem Tourbus abgeholt werde  und wir ins Camp fahren. Hier wartet allerdings erstmal eine grosse Enttäuschung auf mich. Ich habe laut Reisebeschreibung ein Wüstencamp erwartet, also irgendwie Zelte rund um eine Feuerstelle oder so was. Hier sind wir allerdings in einer Art Campdorf. Es gibt jede Menge feste Küchenbaracken, Dusch- und Toulettenhäuschen und eine Menge Busse und Allradautos und Menschen. Zudem ist direkt neben unserem „Camp“ so eine Art Restaurant, wo heute abend eine private Party stattfinden wird. Die Musik dröhnt schon jetzt aus den Boxen. Wir schauen alle etwas ungläubig und enttäuscht.

Unser guide versucht sein Möglichstes, um die Laune oben zu halten. Er erklärt in Rekordzeit die Abläufe und scheucht uns ruck zuck wieder in den Bus. Auf nach Uluru!

Es ist nur eine kurze Fahrt, die unser guide nutzt, um uns ein paar Dinge über Uluru (Ayer’s Rock) zu erklären. Seit der Rückgabe von Ayer’s Rock an die Aborigines (1985) wird vom Besteigen des Berges abgeraten, da dies von den Aborigines nicht gewünscht wird. Uluru ist das wichtigste Heiligtum für die hier ansässigen Ureinwohner, die hier besondere Rituale und Zeremonien feiern. Einem respektvollen Besuch und einer Umrundung steht jedoch nichts entgegen. An bestimmten Stellen ist Fotografieren nicht erlaubt und streng verboten ist es, Sand oder Steine von hier mitzunehmen. (Es soll schon vielen Menschen Unglück gebracht haben, wie reumütige Briefe von Leuten, die die Steine per Post zurücksandten verraten).

Uluru erhebt sich rund 350m hoch über die Ebene und wirkt sogar von weitem sehr imposant. Es erscheint von Wind, Wetter und Sand rund abgeschliffen, doch beim Näherkommen erkennen wir Risse und Schluchten, sowie einzelne grosse Felsbrocken, die am Fusse des Berges liegen. Dennoch ist der erste Eindruck der einer grossen Kompaktheit, Dichte, Präsenz. Und der Hammer ist, dass der Berg schätzungsweise noch 6000m in die Tiefe geht!

Hier kannst du einmal um Uluru herumfahren (klick für Video)

Wir haben leider nicht genug Zeit, um den gesamten Berg zu Fuss zu umrunden, aber wir bekommen die wichtigsten Stellen gezeigt. Uralte, immer wieder restaurierte Höhlenzeichnungen erzählen die ewigen Aborigine-Legenden (auch Traumzeit genannt), an vielen Stellen ist der Fels speckig von tausenden Händen, die hier angefasst und tausenden Hintern, die hier gesessen haben. Und natürlich hat jede Steinformation die auch nur annähernd wie irgendetwas aussieht einen Namen und eine bestimmte Geschichte zu erzählen.

Auf der Schattenseite des grossen Felsen erscheint das Gestein rauher und weniger geschliffen zu sein und es gibt sogar eine Wasserstelle. Die verschiedenen Farben und Formen sind faszinierend und so schiesse ich Fotos noch und nöcher…..

Ein Besuch im Ulurumuseum gibt uns Einblicke in die Wichtigkeit dieses Felsen für die Aborigines, es werden alte Legenden mit uns geteilt, besagte Briefe von reumütigen Souvenirjägern sind genauso ausgestellt wie Gegenstände aus dem traditionellen Leben der Ureinwohner.

Und dann wird es Zeit, uns eine Stelle für den Sonnenuntergang zu suchen. Wir haben Glück, denn das Wetter ist gut und der Himmel klar. Die Sonne kann ungehindert ihre Strahlen auf den roten Felsen werfen und ihn dadurch zum Erstrahlen bringen. Wirklich eine besondere Atmosphäre hier, alle warten gespannt auf dieses Naturschauspiel. Und wir werden nicht enttäuscht. Aber schau selbst, was die Fotos dir erzählen….

Glücklich und mit der Welt im Reinen kehren wir ins Camp zurück. Wir bekommen unsere swags (du erinnerst dich?) und solange unser guide das Abendessen kocht können wir unser Lager aufschlagen, duschen gehen und uns gegenseitig ein bisschen kennenlernen. Gegessen wird am Tisch in der Kückenbaracke,  danach allerdings verziehen wir uns alle ans Lagerfeuer und machen es uns gemütlich. Aber nicht zu lange, denn morgen früh müssen wir schon um halb fünf aufstehen für den Sonnenaufgang. Dank der Party nebenan wird es eine ziemlich unruhige und kurze Nacht, aber um halb fünf Uhr morgens ist man ja sowieso nicht ausgeschlafen, also was soll’s?!

Ein schnelles Frühstück und dann ab in den Bus. Wir fahren zum Aussichtspunkt bei Kata Tjuta (den „Olgas“) von wo aus man einen tollen Blick auf das allerdings ziemlich weit entfernte Uluru hat. Wenn du zur richtigen Jahreszeit kommst, dann geht die Sonne direkt hinter dem grossen Felsen auf, jetzt allerdings nicht. Das tut  der Schönheit aber keinen Abbruch und wenn man davon absieht, dass es schweinekalt ist während wir still stehen und auf die Sonne warten ist es wirklich wunderschön. Seitlich hinter uns sind die Olgas recht nah und es sieht toll aus, wie die ersten Sonnenstrahlen das Rot der Felsen zum Leben erweck.- Eben noch in schwarzgraue Schatten getaucht erglühen sie nun regelrecht. In wenigen Minuten ist der gesamte Felsen in Sonnenlicht gebadet.

Und wir fahren nun genau dort hin und schauen uns alles von ganz nah an. Eine wenig anstrengende Wandereung durch Kata Tjuta steht auf dem Programm und ich bin ganz in meinem Element. Der  einfache Wanderweg führt durch die Felsen und hinter jeder kleinen Biegung gibt es wieder eine neue Aussicht zu bewundern. Nach einer Weile bleiben die Felsen etwas zurück und dier Blick öffnet sich auf eine Art Hochebene, bevor es nach einer Weile wieder in die Felsen geht. Hier heisst es nun steil nach oben zu kraxeln, aber auch hier ist alles gut für die Touristen vorbereitet und in den Stein gehauene Stufen machen den Anstieg leichter. Oben angekommen erwartet uns unser guide mit Obst und Keksen und einer grossartigen Aussicht!

Inzwischen haben wir Teilnehmer uns schon ganz gut kennen gelernt und so hört man überall Geplauder und Lachen. Später wieder im Bus ist die Atmosphäre ebenfalls entspannt und alle haben gute Laune. Das verbessert sich noch als wir am roadhouse „Curtain Springs“ Halt machen. Hier können wir uns mit dem Nötigsten eindecken (soll heissen Alkohol und Süssigkeiten), besonders empfohlen wird der hiesige Portwein, der wohl ein ganz besonderes Tröpfchen sein soll – will man dem Etikett glauben! 😉

Witzig sind auch die diversen Schilder, die den geschäzten Kunden auf diverse wichtige Örtlichkeiten und Umstände aufmerksam machen sollen. (Du wirst noch ein paar mehr zu sehen bekommen).

„Bloke’s“ und „Sheila’s“ finden sich überall im outback (in Birdsville habe ich das zum ersten Mal gesehen und bin auf meiner Suche nach dem Örtchen, das nicht sooo offensichtlich zu erkennen war, fast verzweifelt. Wieherndes Gelächter meiner geschätzten Aussie-Wüstentruppe war das Ergebnis!)

 

 

 

 

 

 

 

Unser Camp schlagen wir heute auf der King’s Creek Station auf, eine der grössten Rinderfarmen der Gegend. Auch Kamele werden hier gezüchtet und wer will kann auf einem dieser Tiere einmal um den Paddock schaukeln. King’s Creek Station ist rund 1800 qkm gross und ist damit ungefähr doppelt so gross wie das Land Berlin! 

Heute gibt es richtiges Campfeeling! Wieder schlafen wir in swags, es gibt ein schönes Lagerfeuer und unser guide kocht im „campoven“! Nochmal zur Erinnerung, das ist eine Art grosser Gusseisentopf mit Deckel, der mitten in die glühenden Kohlen gestellt wird. Das Essen schmort langsam vor sich hin und ist unglaublich lecker. Unser guide kocht in mehreren Töpfen gleichzeitig und stellt daher ein paar von uns als Hilfsköche ein. Einer tut sich besonders hervor als er mit blossen Händen den Deckel eines der Töpfe anhebt, um den Inhalt zu kontrollieren. Unser guide hatte sich bis dato immer mit einem Schürhaken abgemüht und traute seinen Augen kaum! Was für ein Gelächter als sich nun herausstellte, dass der Deckelgriff gar nicht heiss war!

Ein paar der Teilnehmer sprechen dem „f***ing good stuff“ ordentlich zu, aber die meisten haben auch ohne Alkohol viel Spass. Und schon recht früh ziehen sich die meisten in ihre swags zurück, denn erstens wird es schon wieder empfindlich kühl, zweitens müssen wir auch morgen wieder früh raus (4.ooh) und drittens ist der Sternenhimmel einfach mal so was von grossartig, dass die meisten lieber in den Himmel statt in die Flasche gucken.

Mitten in der dunkelsten Nacht klingeln, piepsen, surren und scheppern die diversen Wecker – Guten Morgen, liebe Campbewohner, es ist vier Uhr und sie wollten geweckt werden! Uuuuuaaahhhhh…….und dann erklingt ein glockenhelles Lachen. Das ist Harriet, eine blutjunge Engländerin und der positivste Mensch, den ich je in meinem Leben getroffen habe. Sie ist nur Freude und Lachen und Lebensfreude. Und sie kann schon um vier Uhr morgens, gerade erst halb aufgewacht, ein lautes, klares, wunderschönes Lachen von sich geben! Es ist einfach grossartig und beinahe alle stehen nun mit einem Grinsen auf. 

Da von unserm guide noch nichts zu sehen ist schüren wir schon mal das Feuer und machen den grossen Wasserkocher an. Er ist sichtlich erfreut, dass schon alle auf und munter sind als er (ein kleines bisschen verkatert wie mir scheint) aus seinem swag krabbelt. 

Ein schnelles Frühstück auf die Hand und los geht es zum King’s Canyon! Wir wollen unbedingt zum Sonnenaufgang dort sein. Die meisten machen im Bus nochmal für ein halbes Stündchen die Augen zu, doch dann sind wir da und es heisst Hinauf auf den Berg! Ziemlich bis sehr steil bergauf führt der Weg und so kommen wir trotz eisiger Temperaturen schnell ins Schnaufen und Schwitzen. Dieser Teil des Weges heisst halb im Scherz „Heart Attack Hill“  (Herzanfallhügel) – warum erklärt sich von selbst. Der Aufstieg ist trotzdem wunderschön und ich bedaure es nur, dass wir so schnell gehen und keine Zeit bleibt zum Geniessen und Fotografieren.

Aber wir möchten ja schneller sein als die Sonne und wir schaffen es geradeso! Wir sind die Allerersten auf der höchsten Ebene des King’s Canyon. Noch liegt alles in tiefem Schatten, es ist zwar schon dämmerig hell aber die Felsen sind grau und farblos. Wir begrüssen den Canyon mit einem lauten Gruppen -„EEEEEEEYOOOOOO“ und, ist das denn zu fassen?!, die Schlucht grüsst zurück! 😉

Der Wind pfeift uns kalt um die Ohren und Nasen und doch möchte keiner von uns jetzt woanders sein. Es ist unglaublich schön hier oben! Plötzlich glitzern die ersten Sonnenstrahlen am östlichen Horizont auf. Langsam, ganz langsam erscheint ein schmaler, rötlich leuchtender Streifen am gegenüberliegenden Canyonrand. Er wird stetig grösser und grösser, der Fels leuchtet auf, angestrahlt von diesem riesigen spotlight und dann, ganz plötzlich ist die Sonne da und der gesamte Felsen beginnt zu leuchten. Ein atemberaubendes Naturschauspiel!

Hier findest du ein kurzes Video (klick).

Wäre ich alleine hier so würde ich wahrscheinlich noch ein paar Stunden bleiben und die Gegend anstaunen, aber so in einer Gruppe muss man ja mitgehen. Aber wir haben nun Zeit genug und können schauen und staunen und Fotos machen. Und es gibt so viele Motive! Felsformationen, die mit ein bisschen Phantasie Tiere darstellen, Wellenmuster, die darauf schliessen lassen, dass es hier mal viel Wasser gab, tiefe Einschnitte und Schluchten, in denen der im Schatten liegende Felsen immer noch fast schwarz ausschaut. Und über allem immer wieder grandiose Aussichten über diese Landschaft bis weit hinaus in die Ebene bis an den enferntesten Horizont.

Wir erreichen den „Garten Eden“, eine Art tiefer Schlucht, die fast ein bisschen wie ein Wadi anmutet: in der Wüste der Steine und Felsen wachsen plötzlich Bäume, Büsche, ja sogar Palmen und am Ende der Schlucht findet sich sogar ein kleines Wasserloch. Ein wahrhaft paradiesischer Ort und in dieser eher rau und unwirtlich anmutenden Gegend gänzlich unerwartet. Es herrscht eine ganz  besondere Stimmung,, die durch die Stille noch verstärkt wird. Alle Besucher werden nämlich aufgefordert aus Respekt von diesem heiligen Tal nicht zu sprechen. Die meisten halten sich daran, sodass man in stiller Meditation den Zauber dieses Ortes auf sich wirken lassen kann.

 

Auf der anderen Seite der Schlucht wartet schon gleich die nächste Überraschung aug uns! Hier finden sich eine Menge natürlicher Sandsteintürme und Kuppeln. Wind und Wetter haben hier über Jahrtausende das Gestein bearbeitet und abgeschliffen und so die unglaublichsten Formationen geschaffen. Die Türme sehen aus wie die übriggebliebenen Ruinen einer antiken Stadt. Allerdings gefällt mir die Legende der Aborigines noch besser: sie besagt, dass hier eine Gruppe Menschen lebte, die für alle Ausgestossenen dieser Welt eine Heimat schaffen wollten. Buchstäblich jeder könnte hier herkommen und in ihrer Gemeinschaft leben, in Frieden und Sicherheit. Die Gründer dieser Gemeinschaft nahmen ihre Aufgabe so ernst und der Schutz der Menschen dieser Gemeinschaft waren ihnen so wichtig, dass sie sich auch nach dem Tod nicht entschliessen konnten, diese Ende zu verlassen. So verwandelten sie sich in Felsentürme, um so für immer über die ihnen Anvertrauten zu wachen.

Die Aussicht über die riesige Schlucht des King’s Canyon ist auch von dieser Seite atemberaubend. Und obwohl sich der Himmel inzwischen ein wenig bezogen hat und so die leuchtenden Farben erloschen sind ist es ein grandioses Erlebnis, in dieser Landschaft herumzulaufen!

Hier nochmal ein Video für dich (klick)

Müde und aufgekratzt, voll von all diesen Bildern der grossartigen Landschaften dieser unglaublichen Weite und der grandiosen Schönheit des outback fahren wir in einem Rutsch durch bis nach Alice Springs, wo wir uns – für mich persönlich eine komplette Umkehrung des Natürlichen – einen Tag lang in der Stadt von den Strapazen der Natur ausruhen können (????!!!), bevor es dann für einige von uns noch weiter geht zum zweiten Teil des outback Abenteuers: die Fahrt von Alice Springs nach Darwin!