Blue Mountains – Aussicht, Wälder, Horizont, hier ist alles gross

dscn5472Zwei Stunden westlich von Sydney findet man die Blue Mountains, meine Heimat für die kommenden zweieinhalb Wochen. Ich werde hier ein Housesitting machen, was bedeutet, ich werde mich um Haus, Hund und Garten kümmern, solange die Besitzer in Urlaub sind. Ziemlich coole Sache, finde ich.

Die Besitzer haben mich schon ein bisschen früher eingeladen, sodass wir uns ein wenig kennenlernen können und sie mich gut einweisen können. Das Rottweilermädchen, um das ich mich kümmern werde und ich sind ab dem ersten Moment best friends und nachdem ich vom Hausbesitzer eine richtige Fahrstunde im Linksverkehr bekommen habe, kann mich fast nichts mehr schrecken.

In Null Komma Nichts fühle ich mich wie zuhause, kurve in dem grossen SUV durch die Gegend, kaufe ein, was mir schmeckt und freue mich, dass ich plötzlich so viel Platz für mich ganz alleine habe.

Die Blue Mountains sind unglaublich schön! img_20161111_123636Atemberaubende Aussichten über endlose Wälder und senkrechte Felsabbrüche, wunderschöne Wasserfälle und abechslungsreiche, oft anspruchsvolle Wanderwege durch den Busch. Ein bläulicher Dunst hängt besonders an heissen Tagen über den Wäldern. Dieser entsteht durch die ätherischen Öle der Eukalytusbäume und gab den Blauen Bergen einst ihren Namen. Es gibt übrigens rund 600 (!!) verschiedene Arten von Eukalytusbäumen! dscn5508Auf einem meiner Ausflüge konnte ich zwei riesige Exemplare bewundern, 120 Jahre alt, mit einem Umfang von knapp sieben Metern. Sie schienen sich geradezu endlos in den Himmel zu stecken.

Die Wälder ziehen sich bis an den Horizont und von jedem Aussichtspunkt sieht es immer wieder anders aus. Es gibt hier Koalas, Wombats, Wallabies (Känguruh) und Schnabeltiere, sowie auch jede Menge Vögel. Die Kakadus sind einfach überall und machen mit ihren heiseren Schreien einen Heidenkrach – ich find sie trotzdem schön. dscn5494Diverse kunterbunte Papagaien fliegen ebenfalls herum und natürlich gibt es hier auch den berühmten australischen Kockaburra, der mit seinem Gelächter die Menschen narrt. Ein weiterer interssanter Vogel ist der Liarbird, der Lügenvogel, der in der Lage ist sämtliche anderen Vogelstimmen (und andere Laute) zu imitieren. Ausserdem gibt es jede Menge Geckos und sonstige Echsen, die kleinsten sind bloss ein paar Zentimeter lang und die grösste, die ich bisher gesehen habe war ungefähr ein 1,20 m lang!

Das Gebiet der Blue Mountains wurde im Jahre 2000 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und erhielt dadurch, zusätzlich zum Nationalpark-Status noch einen weiteren Schutz. Die besondere Vielfalt an Flora und Fauna ist tatsächlich schützenswert.

Das Gebiet der Blue Mountains ist eine der Hauptattraktionen im touristischen Sektor und auch sehr viele Australien kommen hierher, um die unvergleichliche Natur zu geniessen. Schulklassen und chinesische Reisegruppen gibt es allerdings nur an den bekanntesten Stellen, besonders bei den „Three Sisters“ in Katoomba. img_20161114_123001Da das gesamte Berggebiet rund 10.000qm gross ist kann man den Touristengruppen aber sehr einfach entfliehen und  mutterseelen allein durch den Busch wandern. Das ist nicht wirklich gefährlich, solange man die Grundregeln beachtet: immer auf den Wegen bleiben, schauen, wohin man tritt, die eigene Fitness kennen, geeignete Schuhe und Ausrüstung dabei haben, Wasser, sowie Sonnenschutz nich vergessen.

Hier ein paar der schönsten Bilder aus den Blue Mountains:

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Als kleine Anekdote möchte ich euch noch vom Bäcker in Wentworth Falls (wo ich gewohnt habe) berichten. Im Sshaufenster steht ganz gross etwas von original deutschen Weihnachtsbäckerei, das muss ich mir naürlich anschauen! Tatsächlich gibt es hier richtigen Christstollen, Früchtebrot und sogar ein paar Plätzchen. Leider war der Laden so voll, dass ich keine Beweisfoto machen konnte. Und ganz ehrlich – wie Weihnachten oder Advent fühlt es sich hier überhaupt nicht an!

Im nächsten Artikel erzähle ich euch von meinem Ausflug zu den Jenolan Höhlen – den vielleicht ältesten Höhlen der Welt, geschätzte 300-400 Millionen Jahre alt!!!

Sydney, die Grosse

Der Flieger scheint still zu stehen über diesem riesigen Lichtermeer unter mir. Die Stadt erscheint mir unheimlich weit ausgedehnt, Millionen funkelnder Sterne über und unter mir und dann am Rand die totale Schwärze, als sei die Welt dort zu Ende. Sydney strahlt mir entgegen und ich nehme es als freundliche Begrüssung und strahle voller Vorfreude zurück.

Die Einreiseformalitäten sind rasch erledigt, mein vorher online erhaltenes Visum für gültig befunden und ich bekomme den ersten Stempel in meinen brandneuen Pass! 😀

Weil es so schön praktisch ist hole ich mir wieder direkt am Flughafen eine Sim-Karte und tausche Geld um. Dann schultere ich mein Gepäck und suche den Taxistand, denn laut meinem Gastgeber ist dies die beste Möglichkeit, meine vorübergehende Heimstatt zu finden. Na denn….. Der Taxifahrer weiss auch tatsächlich gleich wohin ich will und braucht nur für die exakte Strasse sein Navi. Die Fahrt ist relativ kurz, vielleicht 15 Minuten und ich bin ein wenig geschockt als er mir dafür 40AUD abknöpft. Welcome down under – hier herrschen andere Preise!

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Aber davon lasse ich mir natürlich meine Urlaubslaune nicht vermiesen, sondern gehe gleich am nächsten Morgen unternehmungslustig auf Erkundungstour. Ich fahre mit dem Bus in die Stadt und bitte den Busfahrer, mir zu sagen wo ich aussteigen soll (im Zentrum). Er schaut ein bisschen komisch, grinst aber dann und sagt ok. (Was soll ich denn auch machen? Ich komme hier völlig unbedarft an, hab keinen Reiseführer gelesen und keine Karte angeschaut! Also mal so was von null Plan!)

Der freundliche Busfahrer vergisst mich auch nicht und so steige ich an der angewiesenen Haltestelle aus, schaue mich um und stehe inmitten von Hochhäusern an einer grossen Strasse. Hmm……und wohin jetzt? Hier laufen ne Menge businessgestylte Leute rum (übrigens, seit wann tragen Männer eigentlich enge Hochwasser-Anzughosen? Und braune Schuhe zu blauem Anzug?? Hab ich da was verpasst????) also scheint das hier wohl der Banken- und Geschäftsbezirk zu sein. Ich wende mich nach links und laufe los und schwups, schon nach wenigen Metern stehe ich am Circular Quai – links die Harbour Bridge und rechts das Opernhaus. Na, wenn das mal nicht klasse ist!

Hier sind natürlich jede Menge Touristen unterwegs und ich stürtze mich ins Getümmel. Und obwohl das Wetter nicht gerade schön ist (grau und grau aber wenigstens trocken) zücke ich meine Kamera und fange an, alles aus allen Blickwinkeln heraus abzulichten. Ich schlendere hierhin und dorthin und versuche, ein Gespür für die Stadt zu kriegen. Erstes Fazit: alles ziemlich relaxt hier! Die Menschen hetzen nicht mit verbissenen Gesichtern durch die Gegend und der Verkehr ist ebenfalls ruhig und überschaubar. Natürlich muss ich immer ein bisschen achten, denn die fahren hier ja auf der „falschen“ Strassenseite

dscn4848Was mich gleich packt ist diese Mischung aus „alt“ und neu, die überall in der Stadt zu finden ist. Es gibt ein paar ältere Gebäude, meist Nachbauten von irgendwelchen wichtigen Häusern in England und direkt daneben steht ein hochmoderner Wolkenkratzer. Ein toller Kontrast und für mich ein schönes Fotomotiv.

 

Als weitere Erkenntnis stelle ich fest, dass die Innenstadt eigentlich gar nicht so gross ist! Man kann hier die Sehenswürdigkeiten praktisch zu Fuss ablaufen, was ich echt super finde. Und wenn man dann doch mal müde (oder faul) ist kann man sehr easy mit der U-Bahn fahren.

dscn4990Als erstes schaue ich mir die Harbour Bridge an, die die Innenstadt – die wird hier CBD genannt, Central Business District- mit den noblen nördlichen Vororten verbindet. Ein ziemlich beeindruckendes Monster aus Stahl, das hier seit 1932 einen grossen Bogen über das Wasser bildet und eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Man kann die Brücke auch zu Fuss überqueren und der Blick, der sich hier bietet ist absolut spektakulär!

dscn4838Ganz rechts kann ich das berühmte Viertel „The Rocks“ sehen, ehemals ein übler Slum  für Matrosen und neu ankommende Sträflinge; Kriminalität, Alkohol, Prostitution und Krankheiten bestimmten lange Zeit das Bild. Davon ist heute natürlich nichts mehr zu spüren. In den teilweise noch erhaltenen und schön renovierten alten Gebäuden sind heute schicke Restaurants, Galerien und ein paar Geschäfte untergebracht und hier tummeln sich Tag und Nacht sowohl Touristen, als auch Einheimische.

Mein Blick schweift über den Hafen. Es liegt eigentlich immer irgendein riesiges Kreuzfahrtschiff hier vor Anker, ausserdem wuseln die in der Relation kleinen Fährschiffe hin und her und fahren die Gäste nach Manly, Bondi (das sind die Strandgebiete der Stadt) oder Paramatta. Auf den Quais flanieren die Menschen, hören Strassenmusikern zu, schlecken Eis oder geniessen einfach den Tag. Wo immer es eine kleine grüne Fläche gibt (und davon gibt es viele in dieser Stadt, hier z.B. vor dem Museum für zeitgenössische Kunst) lagern die Menschen, geniessen die Sonnenstrahlen und halten Picknicks ab. Überall gegenwärtige Ibisse versuchen, hier und da etwas abzubekommen. Die meisten Touristen ziehen Tisch und Stühle vor und bevölkern die vielen Restaurants auf der anderen Seite der Quais.

dscn4834Und ganz vorne an der Spitze, da steht es nun: das berühmte „Sydney Opera House“. Jeder hat schon einmal Fotos gesehen von diesem architektonisch einmaligen Bauwerk, aber jetzt hier zu stehen und es im Original zu sehen – boah, das ist schon der Hammer! 😀 😀 Wenn die Sonne scheint, dann scheinen weisse Muschelschalen das Licht zu reflektieren und das unglaublich strahlende Blau des australischen Himmels bildet einen perfekten Kontrast dazu. Tatsächlich wurde allerdings das Weiss des Opernhauses einmal farblich – hm, verändert. 2003 pinselten zwei australische Friedensaktivisten in knallroter Farbe „No War“ ganz oben auf das bis dahin makellose Gebäude, als Protest gegen Bush’s Irakkrieg und die australische Beteiligung daran.

Das ganze Land reagierte – und zwar gespalten. Die eine Hälfe empört über den Akt des puren Vandalismus an einem Wahrzeichen des Landes und die andere Hälfte positiv und unterstützend, denn kaum jemand hier wollte diesen Krieg mitmachen. Die Aktivisten wanderten hinter Gitter und die Stadt hatte eine weitere Geschichte zu erzählen. Augenzwinkern irgendwie inklusive.

Gleich hinter dem Opernhaus beginnt der Botanische Garten, ein riesiger Park, in dem man gut und gerne ein paar Stunden verbringen kann. Neben wunderschönen, teilweise sehr alten Bäumen und allem Sonstigen, was man in einem Park erwartet gibt es hier tagsüber eine Menge Vögel zu beobachten und in der Dämmerung kann man riesigen Fledermäusen bei der Mückenjagd zusehen. Dieser Park, der zum Teil direkt an das Meer grenzt ist meine Rückzugszone in Sydney.

dscn5061dscn5001Das an den Park  angrenzende Mrs. Mcquarie Pier ist ein besonderer Spot, um Opera House und Harbour Bridge auf ein einziges Foto zu bekommen oder die Sonne einmal hinter der Skyline untergehen zu sehen. Wem das nicht reicht, dem sei eine abendliche Fahrt auf der Manly-Fähre empfohlen.

 

 

dscn4972Natürlich gibt es in der Stadt noch jede Menge interessante Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise den Skytower, Sydneys höchstes Gebäude (309m), es ist übrigens gesetzlich verboten, höher zu bauen! Die Aussicht ist in alle Himmelsrichtungen super!

Dann ist da die Town Hall, das Rathaus, vor dem die australische Flagge zusammen mit einer Aborigine-Flagge weht. Das Land bemüht sich, irgendwie die Aboriginekultur zu würdigen und dieser einen Platz zu geben, aber noch ist hier nichts „normalisiert“ und nach wie vor haben die Ureinwohner keinen Platz in der modernen Gesellschaft gefunden. Ähnlich den amerikanischen Ureinwohnern gibt es auch hier sehr viele Alkohol- und Drogenprobleme, sowie Kriminalität. Die Aborigines können sich offensichtlich der modernen Lebensweise nicht anpassen und oft wollen sie das wohl auch nicht. Warum auch? Schliesslich leben sie hier seit Jahrtausenden und haben ihre eigenen Werte und Philosophie, die sich offensichtlich extrem von der westlichen unterscheidet. So ganz viel kann ich noch nicht darüber schreiben, da ich einfach noch zu wenig Informationen habe. Das liegt hauptsächlich wohl auch daran, dass die Ureinwohner hier in der Grossstadt nicht präsent sind und die meisten Leute, die ich hier treffen keinen Aborigine kennen und auch nicht gross etwas über deren Kultur wissen.

Ansonsten ist Sydney eine kunterbunte Völkermischung. Abgesehen davon, dass natürlich alle (weissen) Australier irgendwann einmal Ausländer waren und schon von daher eine Mischung zustande kommt befinden sich heutzutage eine grosse Anzahl an hauptsächlich asiatischen Einwanderern in der Stadt. dscn4821So ist das Strassenbild sehr gemischt und auch das Angebot an Restaurants und Dienstleistern ist gross. Es gibt eine kleine Chinatown mit angrenzenden Strassenzügen, die rein koreanisch, thailändisch, japanisch,……sind, genauso wie viktoriansiche Häuser (z.B. Queen Victoria Building) mit stil- und kunstvoller Dekoration, wo es neben diversen Shops auch die Möglichkeit einer altenglischen Tea Time gibt.

In den weit auseinander gezogenen Aussenbezirken – suburbs genannt – gibt es ebenfalls ein ziemlich buntes Leben. Einzelne Suburbs haben sich als Künstler-, Hippie- oder Schwulenviertel etabliert, andere mehr auf New Age oder Nachtleben spezialisiert. Doch auch in den reinen Wohngebieten gibt es eine Vielzahl an Geschäften, Restaurants, Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Und mit dem gut ausgebauten Bus- oder (U-) Bahnnetz ist mal schnell mitten in der Stadt.

Zwei Ergeinisse haben mich hier echt noch besonders beeindruckt. Das eine ist Halloween. img_20161029_152558Eine unglaubliche Vielzahl an Monstern, Hexen und Zombies läuft hier schon beim nachmittäglichen Zombie-Walk durch die Strassen und Parks der Innenstadt. Die Verkleidungen und das Make-up ist teilweise atemberaubend scheusslich – gruselig. Bei Nacht möchte ich mir das vielleicht eher nicht antun……

Das andere beeindruckende Ereignis ist der Melbourne-Cup. Das ist ein internationales und sehr wichtiges Pferderennen, das in Melbourne stattfindet und den dortigen Arbeitnehmern sogar einen extra freien Tag beschert.. Ja, und? Was hat das mit Sydney zu tun? Die beiden Städte Melbourne, die Kulturelle und Sidney, die Grosse stehen in einem ständigen Wettbewerb um den Titel „beste Stadt“ (daraus ging übrigens als glückliche Dritte das relativ unscheinbare Canberra als Hauptstadt hervor) und so müssen die Sydneyer irgendwie auch was Besonderes an diesem Tag machen. Es takeln sich also alle auf wie die Pfingstochsen und gehen in Cocktailkleid, High heels und Hütchen, die Männer im schicken Anzug zur Arbeit. Alle Companies in CBD laden ihre Mitarbeiter zum Mittagessen ein und dabei fliesst der Alkohol in Strömen. Die ganze Stadt ist in Partylaune, die Restaurants und Bars quellen über vor Gästen und es herrscht eine überaus fröhliche Stimmung. (Wer einen schnellen Dollar cash verdienen möchte und ein Tablett tragen kann – heute ist der Tag!) Um 15.oo h startet das Rennen, das in jeder Bar, in jedem Restaurant und auf den Plätzen per public viewing übertragen wird. Da praktisch alle Leute vorher gewettet haben – es gibt extra mobile Wettschalter überall in der Stadt – wird dem Ausgang dieses Rennens mit grosser Spannung entgegen gefiebert. Hinterher müssen zwar theoretisch alle wieder an die Arbeit gehen, doch etwas Effektives kommt da wohl kaum mehr heraus. Eher wird der Sieg gefeiert oder die Niederlage ersäuft, je nach dem.

Alles in allem finde ich kommt Sydney sehr sympatisch daher, locker, leger, ziemlich bodenständig mit einer kleinen Prise Selbstironie – alles nicht so ernst nehmen, scheint hier das Motto zu sein. Ich fühle mich hier richtig wohl und freue mich schon, Ende Januar noch einmal kurz hier zu sein.

Aber jetzt geht es erst einmal weiter zu meinem nächsten Abenteuer, den Blue Mountains!

 

Hong Kong – faszinierend, mondän und gegensätzlich

HK-Skyline
HK-Skyline

Auf kleinstem Raum und bis in schwindelnde Höhen hinauf sind hier Menschen zusammengekommen, um „Big Business“ zu machen. In der City sind elegant gekleidete und beschäftigt aussehende Menschen zielstrebig unterwegs, um in den grossen und kleinen Banken, Trading-Gesellschaften und Import-Exportfirmen ihre Dollars zu verdienen. Die Gesichter sind konzentriert, aber nicht gestresst. Der Dresscode erscheint wichtig. Es wuselt, aber für asiatische Verhältnisse sehr geordnet – man wird nicht angerempelt, irgendwie schaffen es alle, aneinander vorbei und umeinander herumzueilen, ohne sich zu berühren. Faszinierend!

Auf den Strassen sehe ich sehr viele Busse (alles Doppeldecker) und die Hong Konger Trambahn,  Unmengen roter Taxis und fast keine Privatautos. Auch Motorräder gibt es keine. Relativ wenige Fussgänger (die sind alle im 1. Stock oder im Untergeschoss – Erklärung folgt). Es wird nicht gehupt. Es erscheint mir weniger chaotisch als manche deutsche Grossstadt. Erstaunlicherweise kein Smog.

Aussicht vom "Peak" - leider sehr wolkig :-(
Aussicht vom „Peak“ – leider sehr wolkig 🙁

Es ist unglaublich heiss und schwül, rund 30ºC und 95% Luftfeuchtigkeit. Der Himmel ist dick und grau und die Luft ist schwer und stickig. Es giesst immer wieder wie aus Eimern, aber der Regen bringt weder Abkühlung noch Erfrischung. Schon nach wenigen Minuten klebt mir die Kleidung am Körper. Innerhalb der Gebäude herrscht eine Raumtemperatur von trockenen 22ºC, was im ersten Moment gefühlter Kühlschranktemperatur entspricht.

dscn4534Die einfachste Art, sich innerhalb von Hong Kong fortzubewegen ist mit Abstand die U-Bahn, MTR (Massive Transport Rail) genannt. Jeder kann das System verstehen und falls man im Gewirr der Gänge die richtige Bahn findet kann man für wenig Geld kreuz und quer durch die Stadt fahren. In den grösseren Stationen befinden sich die Züge auf mehreren Stockwerken verteilt. Man hat also ein bis drei Kellergeschosse, dann den Groundfloor (das Erdgeschoss), wo man auf die Strasse kann (normalerweise gibt es gefühlte fünfzig Ausgänge) und dann hat man noch mindestens ein, meist aber mehrere Obergeschosse. Hier findet der eigentliche Fussgängerverkehr statt. Sogenannte walkways (Fussgängerwege) führen in Form von überdachten, meist auch verglasten Übergängen von einem Hochhaus in das nächste, meist von einer luxuriösen Shopping-Mall in eine andere. Auch hier gibt es wieder gefühlte hundert Ausgänge. Die Ausschilderung ist sehr gut und vorausgesetzt du weisst genau, wo du hin musst kannst du dich gut zurechtfinden. Ansonsten bist du verloren. 😉

dscn4530Die Malls sind ein Kapitel für sich! Extrem gross und weitläufig, extrem luxuriös – Marmor, Glas, Chrom und Kristalleuchter, wohin du schaust – und praktisch ausschliesslich mit riesigen Geschäften der teuersten Luxusmarken der Welt bestückt. Es wimmelt quasi nur so von Armani, Tiffany’s. Dolce&Gabbana, Cartier, Versace, Fendi, Hermés, Breitling,…….usw. Es gibt hier in Hong Kong hunderte von diesen Malls und oft ist jede Marke mit mehreren Geschäften vertreten. Selbstverständlich stehen in jedem dieser super eleganten Läden eine Menge gut gekleideter Verkäufer/innen herum, um eventuellen Kunden die Waren zu zeigen. Bloss Kunden sieht man keine……..ich versteh’s nicht! Das alles muss ein Heidengeld kosten, und dann keine Kunden…… Aber zum Anschauen ist es toll und wirklich, wirklich beeindruckend.

HK-Aussicht vom KlosterSehr erholsam für so ein Landkind wie mich sind die Parks. Im Hong Kong Park kann man fast vergessen, dass man sich in einer Metropole befindet und im grossen Vogel-Freigehege kann man sich der Illusion von Natur hingeben und den Piepmätzen zuschauen. dscn4517

Oder man spaziert einfach herum und geniesst die Ruhe und die rundherum spektakulären Aussichten.

Auch der Fährverkehr vom Festland, z.B. von Kowloon nach Hong Kong Island funktioniert problemlos. Ständig fahren die grossen Boote hin und her und bringen sowohl Hong Konger, als auch Touristen auf die jeweils andere Seite.

Zum Bezahlen benutzt man hier die „Octopuscard“. Diese für jeden erhältliche Plastikkarte wird mit Geld aufgeladen und kann dann zum bargeldlosen Bezahlen fast überall verwendet werden. Der komplette öffentliche Verkehr wird so abgewickelt. Man legt seine Karte auf das Lesegerät, z.B. am Eingang der MTR und schon öffnet sich die Schranke; am Ausgang wird man wieder „ausgelesen“ und bekommt den entsprechenden Betrag abgebucht. Nie wieder überlegen, ob man auch das richtige Ticket hat und nicht etwa wegen Schwarzfahrens in den Knast kommt! 😉 Man kann auch in vielen Restaurants und Shops mit der Karte einkaufen – ohne Geheimzahl und ohne Unterschrift. Das ist ziemlich cool und bereits am zweiten Tag fühlte ich mich schon „wie zuhause“, wenn ich total relaxt und zielstrebig durch die grossen Stationen lief, meine Card ein- und auslesen liess und dann auch noch tatsächlich dort ankam, wo ich hinwollte! (jeder der mich kennt, wird jetzt ein wissendes Lächeln im Gesicht haben……)

HK-Aussicht Die Menschen in Hong Kong sind ein buntes Gemisch aller Völker dieser Erde. Selbstverständlich überwiegen die Chinesen, wobei hier zwischen „Hong Konger“ und „Mainlander“ unterschieden wird. Alle anderen Asiaten bilden die zweite, grosse Gruppe: Menschen aus Indien, Bangladesch, Vietnam, Thailand, Japan, Korea, Taiwan….. Dann kommen die „Westener“, viele Briten natürlich, aber auch Australier, US Amerikaner und alle möglichen Europäer. Tagsüber sieht man alle zusammen durch die Stadt eilen, an Meetings teilnehmen und miteinander Geschäfte machen. Abends scheinen sich allerdings die Bevölkerungsgruppen eher zu trennen. Obwohl man natürlich viele gemischte Paare und Gruppen sieht überwiegen je nach Stadtort und Angebot entweder die Europäer/ Westeners oder die Asiaten.

Obwohl es hier in Hong Kong viel Rassismus und Vorurteile gibt haben Menschen aus den weniger entwickelten Ländern hier trotzdem eine Chance, soweit sie entsprechend ausgebildet sind und so wimmelt es hier von erfolgshungrigen, jungen Bankern aus Bangladesh, Indien oder Pakistan – Aufstiegschancen und Lifestyle sind hier deutlich besser und wer es einmal bis hierher geschafft hat gehört schon zu den Glücklichen.

Wer keine Ausbildung hat, oder illegal ins Land kommt gehört auch hier zur armen Unterschicht und hat keine Chance. Im besten Fall findet man einen internen Job als Hauspersonal und hat so ein (geringes) Einkommen und einen Schlafplatz. Am Sonntag sitzen diese Menschen überall in der Stadt auf Plätzen und in den noblen Entrées der Banken und Malls und geniessen ihren einzigen freien Tag. Sie treffen sich mit Freunden und picknicken auf Pappkartons sitzend mitten im tosenden Verkehr und Lärm der Stadt. (Zur Erklärung: es wird von den Arbeitgebern erwartet, dass sie am Sonntag die Wohnung verlassen, da sie ja nicht arbeiten).

Auch den Alten geht es mies. Es gibt praktisch keine Rente, wie wir sie kennen und auch Sozialhilfe, Wohngeld und so weiter gibt es hier nicht wirklich. Wer also aufgrund seines  Alters nicht mehr arbeiten kann, der muss entweder privat sehr gut vorgesorgt haben oder mithilfe seiner Kinder leben. Im asiatischen Raum ist das der angestrebte Normalfall, die Kinder nehmen ihre Eltern zu sich und kümmern sich um sie. Doch leider klafft ein grosses Loch zwischen Ziel und Realität. Mag es auf dem Land mit eigenem Gemüseanbau und ein paar Hühnern noch geradeso angehen ist es für die vielen ärmeren Menschen, die in Hong Kong (oder anderen asiatischen Grosstädten) leben schlicht nicht machbar. Sei es aufgrund extrem beengter Lebensumstände oder dem schlichten Mangel an genügend Einkommen.

Was passiert denn nun mit diesen Alten? Wenn sie ihre Wohnung verlieren dann werden sie obdachlos. (Es besteht eine theoretische Möglichkeit in ein sogenanntes „public house“ zu kommen, doch davon gibt es so wenige, dass es praktisch unmöglich ist, einen Platz zu ergattern) Eine Möglichkeit, der Obdachlosigkeit zu entgehen sind die sogenannten Cage-Homes. Das ist ein eingegitterter Schlafplatz. Total gruselig!!

Foto: Sean Creamer www.theguestroom.org Mit freundlicher Genehmigung
Foto: Sean Creamer
www.theguestroom.org
Mit freundlicher Genehmigung

Stell dir einen grossen Schlafsaal vor, zwei oder drei Betten übereinander und Bett an Bett nebeneinander, also -zig Leute in einem Raum. Jedes Bett ist fest umgittert und hat im Inneren ein Regalbrett und zwei Kleiderhaken. Das ist nun das neue Heim. Und es ist keineswegs umsonst, sondern kostet immer noch mehrere hundert Euro im Monat. Die Alten versuchen, durch das Sammeln von Flaschen ein bisschen was zusammenzukratzen, doch die Hoffnungslosigkeit schaut ihnen aus den Augen.

Foto: Sean Creamer theguestroom.org Mit freundlicher Genehmigung
Foto: Sean Creamer
www.theguestroom.org                              Mit freundlicher Genehmigung

Oft sind auch noch arbeitende Menschen gezwungen, in den Cage-Homes zu wohnen. Die Löhne (z.B. von Reinigungskräften) sind meist so gering, dass ein normales Appartement unerschwinglich ist. Es gibt dann auch noch die „familienfreundliche“ Variante. Das bedeutet, es wohnt eine ganze Familie in einem einzigen kleinen Raum zusammen. Küche, Toilette, Schlaf- und Wohnzimmer – alles in einem einzigen Raum. Es gibt also keinerlei privaten Raum, keine Rückzugsmöglichkeit. Die Kinder machen ihre Hausaufgaben im Bett, gekocht wird, wenn überhaupt, auf einer Platte auf dem Boden, gegessen wird auf dem Bett, meist gibt es keine Duschmöglichkeit , sondern nur einen Wasserhahn für alles. Diese „Wohnungen“ sind meinst in riesigen Blöcken untergebracht, sodass auf jeder Etage -zig Familien leben, in einem solchen Block also oft mehrere tausend Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht sind.

Foto gefunden auf www.thefad.pl
Foto gefunden auf www.thefad.pl

Illegle Einwanderer müssen meist in echten Slums leben. In Hong Kong befinden sich diese Slums in schwindelnder Höhe, nämlich auf den Dächern der anderen Häuser. Dort werden aus allen möglichen Materialien Hütten zusammengeschustert und natürlich gibt es weder Strom noch Wasser. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es bei einem tropischen Sturm dort oben sein muss! Falls man nicht irgendeine Art von (finanziellem) Abkommen mit dem Hausbesitzer treffen kann, läuft man natürlich ständig Gefahr, rausgeschmissen zu werden und das Wenige, das man besitzt auch noch zu verlieren. Und obendrein angezeigt zu werden, was oft eine sofortige Abschiebung nach sich zieht.

Es zeigt sich mir hier in Hong Kong ganz extrem: hell und dunkel liegen nah beieinander, je strahlender das vordergründige Gitzern erscheint, desto dunkler mag die versteckte Seite sein. Und doch sind beide Seiten weit von einander entfernt – die Reichen nehmen die Armen nicht zur Kenntniss und den Armen ist kein Weg gegeben, jemals aus ihrer Misere herauszukommen.

So, wenn dich jetzt noch interessiert, was ich so alles unternommen habe in Hong Kong, dann findest du meinen privaten Reisebericht hier…….

Danke für’s Lesen und wie immer freue ich mich sehr auf deinen Kommentar!

Geniesse den Tag!

Deine Nicole

 

 

 

Zauberhafter Jakobsweg – von der Freiheit, einfach zu laufen

pilgerportraetWas ist denn so Besonderes am Jakobsweg?

Warum tust du dir das an?

Ist das nicht langweilig? Und furchtbar anstrengend?

Das sind die Fragen, die ich in den letzten Wochen vor meinem Jakobsweg am öftesten gehört habe. Jetzt bin ich gut vier Wochen gewandert, gepilgert und hier ist meine ganz persönliche, unvollständige Version einer Erklärung:

Ja, die erste Woche ist anstrengend und auch durchaus ein wenig (oder auch mehr) schmerzhaft. Der Körper braucht – je nach vorherigem Training – ein paar Tage, um sich an mehrstündige Wanderungen und den kiloschweren Rucksack zu gewöhnen. Die Füsse, Beine und Hüften tun weh, manch einer kämpft mit Blasen an den Füssen. Die Schultern ächzen unter dem nun tatsächlichen Gewicht des Gepäcks und der Verstand schreit ständig dazwischen „was machst du denn für einen Mist? Könntest jetzt gemütlich am Strand liegen anstatt dich hier abzuplagen!“

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In den Herbergen teilt man sich Duschen, Toiletten und Schlafräume mit den ganzen anderen Verrückten. Immer ist mindestens einer dabei, der schlimm schnarcht und dich von deinem dringend benötigten Schlaf abhält. Die Matratze ist nicht so bequem wie zuhause und das Kopfkissen passt auch nicht. Rückzug und Intimsphäre ist hier nur bedingt möglich. Und natürlich ist da immer einer, der schon vor der Morgendämmerung beginnt in seinem Rucksack herumzukruschteln und so alle anderen viel zu früh aufweckt.

Und dann kommt der erste Tag, an dem du morgens aufwachst und dich gut fühlst – ausgeschlafen, schmerzfrei und voller Tatendrang. Das ist irgendwann zwischen Tag 5 und Tag 8. Du merkst, dass der Schlafsaal schon halb leer ist (und du nichts mitgekriegt hast, sondern selig geschlummert hast) und du schon früh ein Grinsen auf dem Gesicht hast. Der Köprer hat sich erholt und tut nicht weh. Jetzt beginnt der eigentlich Weg.

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Deine Aufmerksamkeit verlagert sich peu à peu von aussen nach innen. Du hörst auf, dich mit deinen Wehwehchen zu beschäftigen und der Widerstand gegen alles was ist beginnt zu schwinden. Und plötzlich merkst du, wie wundervoll der heisse Milchcafé am Morgen schmeckt. Welches Glück ein Sonnenaufgang bescheren kann. Wie befreiend es ist, einfach nur einen Fuss vor den anderen zu setzen und sich um nichts anderes kümmern zu müssen. Wie wohltuend es ist, die Sonne zu spüren. Tief gefühlte Dankbarkeit durchströmt dich, wenn kühles Wasser deinen Durst stillt, kerzengerade gewachsene Eukalytusbäume die Luft erfrischen, die du tief einsaugen kannst und sanfter Wind deine Stirn trocknet.

Du fühlst Leben. Echtes Einfaches Leben. Nicht mehr, nicht weniger.

Dein Verstand hält einmal für einen kleinen Moment den Rand und du erkennst ganz tief in dir drinnen, dass Leben auch ganz anders sein kann, als du es gewohnt bist. Du erkennst die Fülle und begreifst, wie du dir durch deine Fixierung auf das, was vermeintlich fehlt dein Leben unnötig schwer machst. Du  spürst die Verbindung zur Natur, empfindest dich als Einheit mit dir selbst, dem Wald, dem Meer, dem Himmel…….Das Leben erscheint dir als Geschenk, als Gabe und dann, dann macht es „plopp“ und dein Herz geht auf.

Plötzlich spürst du es fliessen. Einssein. Glück. Freiheit. Liebe.

sonnenaufgang

Es ist schwer, Worte zu finden für etwas, für das es keine Worte gibt. Jeder darf es selbst fühlen und erleben. Auf dem Jakobsweg ist es relativ einfach an dieses Gefühl zu kommen. Warum? Ich denke, zum einen gibt es auf diesen Wegen tatsächlich eine besondere Energie, einfach dadurch, dass seit Jahrhunderten Menschen in Kontemplation und Meditation dort gehen. Und zum anderen erlauben die Umstände es, loszulassen. Die atemberaubend schöne Natur begünstigt die Verbindung und die mittlerweile sehr gut ausgebaute Infrastruktur erlaubt das Loslassen.

weites-landSo stehst du morgens auf und gehst. Wenn du Hunger hast, dass isst du in einer kleinen Bar etwas oder du kaufst dir etwas in einem Laden und picknickst unterwegs. Und du gehst. Manchmal triffst du andere Pilger. Man grüsst sich. Es passt und man läuft eine Strecke zusammen, oder es passt nicht und jeder bleibt für sich. Keine „Benimmregeln“ zu beachten. Und du gehst. Irgendwann kommst du an deinem heutigen Ziel an, bekommst ein Bett und hast für eine Nacht ein „Heim“ gefunden. Rucksack runter, Schuhe aus – ahhh!! Die Segnung einer heissen Dusche lässt dich wohlig aufseufzen und du versprichst dir selbst, dies nie wieder für etwas Selbstverständliches zu halten.

Wer mag kann sich in den Herbergen mit anderen Pilgern anfreunden, austauschen, beraten. Es ist erstaunlich, welch tiefe Verbindungen hierbei zustande kommen können – auch wenn sie meist nur ein paar Stunden oder Tage halten. Wer lieber für sich bleiben möchte, auch kein Problem. Der Umgang miteinander ist respektvoll. Meistens jedenfalls. (Natürlich gibt es auch unter Pilgern solche und solche.) Wenn sich dann zwei Pilger irgendwann später auf dem Weg wieder treffen, dann ist die Wiedersehensfreude meist gross und man hat durchaus den Eindruck, den anderen schon ein Leben lang zu kennen.

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Als Pilger hast du Gelegenheit, einen Landstrich einmal ganz anders kennen zu lernen. Du bewegst dich so langsam und hast dadurch Zeit, alles ganz anders aufzunehmen. Du siehst, hörst, riechst, schmeckst und fühlst, wie die Menschen hier leben. Grosse und kleine Städte, winzige Dörfchen, Bauernhöfe,Klöster, steile Küsten, Strände, Fischerboote – Kultur, Natur, Geschichte, Heute und Gestern, Arm und Reich, Händler, Wirte, Fischer, Priester – all das begegnet dir, bietet sich dar und an dir ist es, was du daraus machst. Jeden Augenblick kannst du dich entscheiden: wie sehe ich meine Welt?

Wann hat man schon mal so viel Zeit? Es ist einfach wundervoll.

Tja, und irgendwann bist du dann da. Santiago de Compostela. Freude, Stolz, Traurigkeit – ein ziemlich überwältigendes Gefühlsmischmasch. Frisch angekommene Pilger kann man auf den ersten Blick erkennen. Die Gesichter spiegeln die Anstrengungen der letzten Tage und Wochen wider, gepaart mit dem Stolz, das gesteckte Ziel erreicht zu haben. Die Erleichterung vermischt sich mit Traurigkeit, denn nun ist der Moment gekommen, wieder einen Teil seiner Identität aufzugeben. Ab heute bist du kein Pilger mehr – du lässt diesen Teil von dir hier in der Kathedrale zurück. Und doch ist da auch diese überschäumende Freude.

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Die Stadt ist viel zu voll. Viel zu laut. Viel zu viele Menschen. Zu viel Verkehr. Verloren und überwätigt gehst du durch die Gassen, fast erschlagen vom Angebot der Läden und der Vielzahl der Restaurants. Und dann gibt es auf einem grossen Platz ein klassisches Konzert – melodiöse Klarinetten, saftes Saxophon, temperamentvolle Trompeten und dazu Pauken und Becken – bekannte Overtüren und spanische Zarzuelas wechseln sich ab. Du gibst dich dieser Musik hin, schliesst die Augen, Tränen steigen auf und gleichzeitig löst sich deine Spannung. Du lässt den Weg los, der Weg lässt dich los. Danke Santiago de Compostela.

Jetzt kann ich wieder zurück. Vieles nehme ich mit. Und manches habe ich auf dem Weg zurückgelassen. Mein Rucksack ist jetzt leichter und mein Geist offener. Jetzt beginnt der eigentliche Weg. Zuhause. Im Alltag. Hast du was gelernt?