Minyama, Frazer Island und ein Sprung in eiskaltes Wasser

Hach, es ist herrlich, wieder in einem richtigen, kuscheligen Bett zu schlafen! Und jeden Tag eine heisse Dusche! 😀 Ich glaube, ich bin zum Luxusweibchen mutiert….

Aber Spass beiseite, es ist einfach unglaublich, wie viele Facetten von Leben es gibt! Stell dir vor an einem Tag frühstückst du noch in der Wüste und schon am nächsten Tag sitzt du an einem wunderschönen Strand! Da können einem schon mal die Tränen kommen vor lauter Glück und Dankbarkeit. Also mir jedenfalls….

Mein erster Tag zurück in Minyama – wir haben noch nicht einmal das Auto ausgeräumt – fängt gleich so traumhaft an: wir fahren zum Sonnenaufgang an den Strand und während Julia und Len das Frühstück auspacken und vorbereiten bekomme ich eine Tasse Tee in die Hand gedrückt und werde an den Strand geschickt.
Die beiden sind echt die Besten! „Me-time at it’s best!“ Und die Sonne spielt auch mit und geht strahlend über dem Meer auf, um einen weiteren Tag lang diese wunderschöne Welt mit Licht und Wärme zu beschenken. Ich kann mich kaum sattsehen und wieder einmal wir mir klar, wie sehr ich das Meer mag. Und dieses warme, weiche Licht am frühen Morgen.

 

Die kommenden Tage sind einfach nur schön ruhig und gemütlich. Wir geniessen es, zuhause zu sein, im Garten herum zu pusseln und die letzten Tage Revue passieren zu lassen. Denn natürlich wollen Freunde und Nachbarn von Julia und Len wissen, wie es in der Wüste war. Und jeder fragt auch das Greenhorn, wie es denn im outback klar kam. Die Aussies strahlen wie die Apfelbutzen wenn ich ihnen mit leuchtenden Augen berichte, wie toll ich es fand. Zwar waren die meisten noch nie in der Simpson Desert, aber das tut ihrem Nationalstolz keinen Abbruch.

Abends sitzen wir oft am Bootssteg und schauen uns den Sonnenuntergang an……. (kein Photoshop!!! Alles echt so!!)

Nach in paar Tagen bekomme ich in meiner bequemen Komfortzone einen Riesendämpfer verpasst, der mich ganz schön aus der Bahn wirft. Auf Moorea hatte ich eine junge Deutsche kennengelernt, die einen Campervan in Byron Bay stehen hat, den sie mir für kleines Geld vermieten wollte. Ich freute mich wie Bolle auf die Erfahrung, mit einem Van durch Australien zu gondeln und wollte sogar in Kauf nehmen, ohne Führerschein zu fahren, obwohl mich das eine Stange Geld gekostet hätte wenn ich erwischt worden wäre. Nun schreibt sie mir, dass der Van kaputt ist und eine Reparatur sich wahrscheinlich gar nicht lohnt. Mit anderen Worten, aus meiner Campertour wird nichts! Ich bin wahnsinnig enttäuscht und auch das Argument „besser jetzt als wenn du irgendwo unterwegs bist“ kann mich nicht wirklich trösten. Was soll ich denn jetzt machen? Und wo soll ich hinfahren? Und vor allem wie? Len und Julia sind voll lieb zu mir und laden mich ein, bei ihnen zu bleiben solange ich möchte. Aber das geht ja auch nicht. Es ist ein wunderschönes Gefühl, hier immer willkommen zu sein, aber ich muss mich der neuen Situation stellen und entsprechend agieren. So ist das eben mit den Plänen: manchmal klappt’s und manchmal nicht.

Am Abend fährt Len mit mir im Boot hinaus auf die Kanäle von Minyama (die kleine Stadt ist auf Schwemmland gebaut und von Kanälen durchzogen. Viele Häuser haben einen eigenen Bootssteg mitsamt Boot und so kann man gemütlich herumtuckern oder auch direkt ins Meer fahren). Und als wollte der Himmel mich trösten bekommen wir einen spektakulären Sonnenuntergang geschenkt. Sprachloses Staunen.

Ein paar Tage später mache ich einen Ausflug nach Frazer Island. Len ist nämlich der Meinung, ich könnte auf keinen Fall hier abreisen, ohne diesem grossen Sandhaufen ( die grösste Sandinsel der Welt) einen Besuch abzustatten. Also buche ich eine Tour und muss am nächsten Morgen schon zu nachtschlafener Zeit bereit stehen. Wir sind bloss eine kleine Gruppe und fahren mit dem Bus in Richtung Norden bis nach Noosa. Dort steigen wir um auf einen 4×4 Bus und fahren die wunderschöne  Noosa Beach entlang. Obwohl ich hier ja mit Julia, Len und Lindsay schon einmal war finde ich es wieder wunderschön. Und heute scheint ausserdem noch die Sonne, sodass alles noch einmal so schön ist. Leider sind die Wale noch nicht da, so sehr ich auch schaue und suche. (Ich hab sie übrigens um genau fünf Tage verpasst!)  

Nach einem kleinen Stop für Tee und Kekse geht es weiter, nun an der Rainbow Beach entlang. Die heisst so weil die Küste von Felsen gesäumt ist, die aus verschiedenem bunten Kalk- und Sandstein besteht. Sieht toll aus, auf der einen Seite steil aufragend die bunten Felsen, der plattgespülte feste Sand vor uns und auf der anderen Seite das glitzerde Meer und die strahlende Sonne darüber. Der weite Blick ist wunderschön. 

Schliesslich kommen wir an die Stelle, wo wir die Fähre nach Frazer Island nehmen werden. Ich kann allerdings kein Pier erkennen, kein Anlegesteg, ja nicht einmal ein Rampe. Hmmm…….ich kenn mich ja nicht aus, aber wie das wohl geht?? Kurz darauf bekomme ich gezeigt, wie das geht. Die Fähre hat kaum Tiefgang und fährt einfach ganz nah an den Strand, klappt die Rampe aus, Autos fahren runter andere Autos fahren rauf, Klappe zu Affe tot und los geht’s schon wieder in Richtung Insel. Die Entfernung ist zwar nicht sehr weit, aber es hat schon ein paar Wellen und Wind, sodass ich mich wundere, dass das Boot mit so wenig Tiefgang klar kommt. Aber egal, alles klappt hervorragend und mir wird es dank meiner seabands auch nicht schlecht.

Frazer Island begrüsst uns mit weissen Sandstränden soweit das Auge reicht. Wir brettern mit unserem Bus direkt an der Wasserlinie entlang bis wir dann irgendwann in Richtung Inselinneres abbiegen. Und schon geht das Geschaukel wieder los! Ich fühl mich gleich in die Wüste zurückversetzt, allerdings schaukeln wir heute durch dichten Wald. Unser Ziel ist der McKenzie Lake. Hier soll es das klarste Wasser der Welt geben, anscheinend kann man unter Wasser bis zu vierzig Meter sehen. Na mal schauen…. Wir erfahren warum der See heisst, wie er heisst und wie das Leben hier früher ablief. Dann heisst es aussteigen und noch ein paar Meter zum See laufen. Ich bin froh, dass ich mir nach der stundelangen Fahrerei ein bisschen die Beine vertreten kann und mach mich gleich auf zum See. 

Und hier verschlägt es mir den Atem.Der See ist sooo blau!! Und das Ufer ist von strahlend weissem Sand gesäumt. Also ich meine weiss! Es sieht aus als hätte jemand einen riesengrossen Lapislazuli in ein Zuckerbett gelegt. Unglaublich! Und der Sand ist ganz weich und fein. Und relativ kühl obwohl die Sonne scheint. Es ist unglaublich! Nichts wie Schuhe aus und mit den Füssen ins Wasser! Aaaahhhhh!!!!! Oooohhhh!!!!! Boah ist das kalt!! Ich verstehe sofort, warum bloss ein paar wenige im Wasser sind. Aber es sieht schon sehr einladend aus, oder? Oh, was mach ich den jetzt bloss? Ich hasse kaltes Wasser! Aber ich kann doch nicht einfach wieder gehen und nicht in dieses Wasser gehen! Ein kleiner Spaziergang am Seeufer entlang bringt mich meiner Entscheidung nicht wirklich näher und so lasse ich mich in diesen pulverfeinen weissen Sand sinken und schau über den See. Entscheidungsfindungsprozess…….

Plötzlich nehme ich mir ein Herz, springe auf und laufe ganz schnell in den See. Ohne zu überlegen renne ich soweit ich kann und dann schlägt das Wasser schon über meinen Schultern zusammen. Mein Herz bleibt einen Moment stehen und ich bekomme keine Luft mehr. Doch dann fährt mein Körper alle Systeme hoch, das Blut rauscht in meinen Ohren, ein kleiner Schrei bricht sich Bahn und ich fühle mich lebendig bis in die letzte Zelle. Hahahah, es ist herrlich. Aber es ist so schweinekalt, dass ich nach ein paar Minuten (Sekunden??) wieder ans Ufer schwimme. Weil mir das aber kein Mensch glauben wird, der mich kennt hole ich die Gopro raus und stürze mich mutig ein weiteres Mal in die eiskalten Fluten. (Ja, ich muss jetzt hier mal ein bisschen pathetisch werden, denn ich fühle mich sogar jetzt beim Schreiben wie die Heldin in einem Epos!) Hier ist der Beweis (klick).

Meine Haut kribbelt und wird ganz rot als ich mich abrubbele. Wie schön ist es, wieder warme Kleidung anzuziehen, Buah!! Das war das käteste Wasser, in das ich jemals gegangen bin. Für mich eine echte „out of the box – experience“. Ich bin sehr stolz auf mich! 😀 Und ganz ehrlich? Ich fühl mich grossartig, lebendig, stolz und hab ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Und schon ist es Zeit für’s Mittagessen. Ich gehe zurück zum Picknickplatz. Es gibt Gegrilltes und jede Menge verschiedene Salate und sogar ein Gläschen Wein dazu. Die Stimmung ist gut und alle fühlen sich wohl, obwohl nur die wenigsten gebadet haben (ha, ich bin ein Held!) 😉 Und plötzlich bekommen wir Besuch! Herr und Frau Goanna beehren uns – lass dich nicht täuschen, die Bister sind tatsächlich rund 50-70cm lang – sie wollen auch gerne was von unserem Mittagessen abhaben. Man trifft überall in Australien auf diese urzeitlichen Geschöpfe. Sie sind ungefährlich und normalerweise auch recht scheu, selten kommen sie den Menschen so nahe und lassen sich so bereitwillig ablichten. Umso glücklicher bin ich, dass mir diese Schnappschüsse gelungen sind.

Frazer Island gehört den „indegenous people“, also den Ureinwohnern, auch Aborigenes genannt. Natürlich gehörte ihnen früher einmal alles Land aber im Laufe der Kolonialisierung des australischen Kontinents verloren sie den Grossteil an die weissen Einwanderer. Ich werde in einem späteren Artikel noch ein wenig genauer auf die Kultur dieses Volkes eingehen, an dieser Stelle aber möchte ich dir ein Foto zeigen, das einen kleinen Einblick gibt wie diese Menschen aufgestellt sind.

Zuerst kommt, was gut ist für das Land.

Wenn du viel hast musst du es (mit anderen) teilen.

Berühre oder nimm nichts, das dir nicht gehört.

Was meinst du, wenn sich alle Menschen an diese drei Regeln halten würden……wie sähe unsere Welt wohl aus?

Am Nachmittag steht noch eine kleine Wanderung auf dem Programm und wir können turmhohe Bäume und riesige Farne bewundern. Wie immer nimmt mich der Wald sofort gefangen und ich geniesse die Ruhe, die diese alten Bäume ausstrahlen. Und dann finden wir diesen kleinen Bach. Er hat ein Bett aus weissem Sand – so etwas habe ich noch nie gesehen! Das sieht ganz anders aus als andere Bäche! Und das Wasser macht keinerlei Geräusch, kein Glucksen oder Plätschern. Lautlos fliesst das Wasser recht schnell über dieses weisse Bachbett. So schön!

Wir fahren zurück an den Strand und in Richtung Fähre, denn so langsam geht unser Tag auf Frazer Island zu Ende. Schade, ich wäre gerne noch länger hier geblieben. Nach dem Übersetzen mit der Fähre gibt es noch einen kleinen Nachmittagstee bevor wir uns auf die lange Rückfahrt nach Mooloolaba machen. Ich spaziere noch ein bisschen am Strand entlang und schau, wen ich getroffen habe!

Spät kommen wir zuhause an und ich bin rechtschaffen müde nach diesem langen und erlebnisreichen Tag. Morgen muss ich mir mal Gedanken machen, wohin es als nächstes gehen gehen soll…..

Hier findest du Fotos als Slideshow:

Wunderschöne Whitsundays und funny aussie hippie island

Ich hab mich endlich aufgerafft, der Sunshine Coast und all den lieben Menschen, die ich hier kennen lernen durfte „Good bye“ gesagt, mich in ein Flugzeug gesetzt und bin nach Proserpine geflogen. Ein kleines Städtchen, das ausser Zuckerrohrfeldern eigentlich nichts Spezielles zu bieten hat. Daher fahre ich auch gleich weiter an die Küste in das kleine Städtchen Airlie Beach.

Von hier aus kann ich den südlichsten Zipfel des „Great Barrier Reef“ besuchen und gleichzeitig die Whitsunday Islands erkunden. Auf beide Naturattraktionen freue ich mich gleichermassen.

Airlie liegt recht schön an der Küste, ist allerdings eine richtige Partystadt und daher voller junger Leute. In meinem hostel spielen meine beiden jungen Zimmergenossinnen „heute schlafe ich bei dir und morgen schläfst du bei mir“ mit ihren boy friends und im Gemeinschaftsraum wird Marihuana geraucht, was das Zeug hält. Da fühl ich mich gleich mal steinalt und ziemlich spiessig… 😉

Gleich am nächsten Morgen mache ich die grosse Tour zu den Whitsundays inklusive mehrerer Schnorchelgänge, Picknick am Strand und Speedboat-Fun. Wir bekommen unsere Neoprenanzüge und werden auf das grosse Gummischlauchspeedboot verfrachtet. Und los geht die Fahrt. Speedboot fahren macht sogar mir Spass und solange die Wellen nicht zu hoch sind komme ich auch einigermassen klar. Leider ist das Wetter…hmmm, suboptimal und der Wellengang höher als ich es mögen würde aber da muss ich jetzt durch.

Ziemlich schnell sind wir am ersten Schnorchelspot angekommen. Der Skipper fährt langsam hin und her, her und hin, um einen geeigneten Ankerplatz zu finden und ich werde grün im Gesicht. Endlich wird der Anker ausgeworfen und voller Ungeduld muss ich auch noch das Sicherheitsbriefing aushalten. Bis ich endlich ins Wasser komme ist mir schon sehr schwummerig. 

Die relative Kälte des Wassers bringt meinen Kreislauf wieder in Schwung und so setze ich die Taucherbrille auf und schnorchle los. Mensch, Leute! Das Great Barrier Reef! Der Hotspot für Taucher aus aller Welt…….

……ist eine Riesenenttäuschung. Leider. Die Korallen sind farblos, da keine Sonne scheint und auf riesigen Flächen zerbrochen und abgestorben. Die paar bunten Fische, die herumschwimmen reissen es dann auch nicht mehr raus. Und das Wasser ist echt sehr kalt, so zwanzig Grad schätze ich. Das wird so auf die Dauer auch im wetsuit ganz schön frostig. Und ich kann ja nicht zurück auf das schwankende Boot, sondern muss warten bis quasi zur Abfahrt.

Als ich dann endlich an Bord kann zittert mein gesamter Körper und ich bin völlig unterkühlt. Das hat man nun davon, dass man als Erstes ins Wasser rein musste und als Letztes wier raus kommt! Glücklicherweise habe ich in weiser Voraussicht genügend warme Klamotten mitgebracht, die ich jetzt anziehe. Trotzdem klappere ich mit den Zähnen und zittere mir einen ab. Der kühle Fahrtwind tut sein Übriges dazu. Unser Tourguide wirft mir schon ganz konsternierte Blicke zu (eine Tasse heisser Tee wären mir lieber gewesen!)

Zum Glück fahren wir nur ein kurzes Stück, ankern und verlassen das Boot zu einer kleinen Wanderung bergauf (hurra! Da wird’s mir wieder warm) zu einem Aussichtspunkt. Beim Aufstieg frage ich unsere Tourleiterin nach dem Zustand des Riffs und sie erklärt mir, dass der Wirbelsturm „Debbie“ genau hier vor ein paar Monaten auf Land getroffen war und nicht nur in Airlie Beach und Umgebung grosse Schäden angerichtet, sondern auch dem Riff sehr zugesetzt hat. Weitere Umweltfaktoren wie die kontinuierliche Erwärmung des Ozeans, Wasserverschmutzung und auch der Tourismus belasten das Riff sehr und die empfindlichen Korallen sterben ab.  Sie versteht meine Enttäuschung und versichert mir, dass es weiter nördlich deutlich besser sei.

Und schon sind wir am Aussichtspunkt angelangt. Was soll ich sagen? Weisser Sand, türkisfarbenes Wasser, atemberaubend schön kombiniert, von Mutter Natur einzigartig in Szene gesetzt. Schau selbst:

 

Und sogar die Sonne kommt jetzt ein bisschen raus und lässt die Farben erstrahlen. Hast du so was schon mal gesehen? Es ist wunderschön und ich möchte gerne ein Vogel sein, um eine noch bessere Sicht zu haben.

Wir sind alle hin und weg und die Fotoapparate laufen heiss. Ich kann es kaum erwarten, vom Aussichtspunkt an den Strand hinunter zu kommen und in diesem strahlend weissen Sand meine Zehen zu vergraben! Der Sand besteht zu 99% aus Silicium, deshalb ist er so weiss. Wunderschön! Wir haben viel Zeit und können gemütlich am Strand spazieren gehen, durch das seichte Wasser planschen und jede Menge Fotos schiessen. Das Wasser ist super klar und modelliert lauter kleine Wellenmuster in den Sand. Zusammen mit einem abgestorbenen Baum und der Nachbarinsel im Hintergrund ist die Idylle perfekt. Alleine hierfür hat sich die Tour gelohnt.

Bald schon knurren unsere Mägen und es wird höchste Zeit für’s Mittagessen. Wir fahren bis ans andere Ende des weissen Strandes, wo die Boote ankern dürfen. Wer mag darf für die relativ kurze Fahrt auf den Luftkammern des Bootes sitzen ( Jaaa, gerne!!) und so macht das Ganze natürlich nochmal mehr Spass. Man muss sich allerdings gut festhalten, denn unser Käpt’n ist ein Spassvogel und macht gerne unvorhergesehene Schlenker, Kurven und sonstiges Zeugs und ich will ja nicht vom Boot fallen. Kleine Bootsfahrt (klick) gefällig? Noch ein Video dazu (klick)

Am Picknickplatz angekommen ankern wir das Boot und die Crew baut ein kleines Buffet auf dem Boot auf mit Salaten, Pasta, Schinken und Brot. Jeder kann sich bedienen und dann entweder auf dem Boot essen oder seinen vollen Teller mit an den Strand nehmen. Natürlich entscheide ich mich für den Strand – ist doch auch viel schöner! Das Ganze stellt sich allerdings als schwieriger heraus als gedacht……

Ich habe also einen vollen Teller in der einen und ein Getränk in der anderen Hand, sowie mein Tuch zum Draufsitzen. So ausstaffiert muss ich jetzt vom Boot klettern, durch das fast hüfttiefe Wasser zum Ufer waten und dabei angriffslustige, sehr dreiste Möwen abwehren, die es auf mein Essen abgesehen haben. Die Biester fliegen regelrechte Sturmangriffe auf meinen Teller und ich hab ne Menge zu wedeln und zu rufen bis ich heil am Strand ankomme. Dort lassen sich die Möwen ebenfalls nieder und versuchen nun zu Fuss an die vermeintlichen Leckerbissen auf meinem Teller zu kommen.

Eine Frau von meinem Boot lässt sich ganz in meiner Nähe nieder und beäugt belustigt meinen Kampf mit den Möwen. So abgelenkt merkt sie gar nicht, dass sie inszwischen von den Vögeln eingekreist wird und die sich auch bei ihr etwas stibitzen wollen. Zu zweit harren wir heroisch am Strand aus und vertilgen unser Essen in Rekordzeit, während alle anderen auf dem Boot bleiben. Ich finde es trotz diebischer Möwen toll, hier am Strand zu essen. Viel besser als auf dem Boot!

Nach dem Picknick bleibt noch viel Zeit zum Baden und Schnorcheln. Leider hat sich die Sonne in der Zwischenzeit komplett verabschiedet und so mache ich lieber einen ausgedehnten Spaziergang. Der leicht ansteigende Strand geht nach rund fünfzig Metern in einen Mangrovenwald über und auch hier sind die Schäden, die „Debbie“ verursacht hat deutlich zu sehen. Der Strand allerdings ist sensationell schön. 

Auf der Rückfahrt gibt es noch jede Menge Speetboat Fun und ich werde schon wieder leicht grün im Gesicht. Doch ich halte tapfer durch und schaffe es, mein Mittagessen bei mir zu behalten und die Bootsfahrt sogar ein bisschen zu geniessen.

Insgesamt war das, trotz des enttäuschenden Schnorchelns ein wunderschöner Tag und nicht einmal die Horde zugedröhnter Kiffer in meinem hostel kann mir die Laune verderben.

Am nächsten Tag mache ich eine schöne Wanderung durch ein steiniges Flussbett und die Kraxelei macht mir viel Spass. Wie immer gibt es auch hier tolle Bäume zu bestaunen, unter anderem eine grosse Würgefeige. 

 

 

 Ich liebe diese Bäume und ihre immer neuen, skurrilen Formen. Sie sind immer kreuz und quer gewachsen und bilden oft die verrücktesten Gebilde. In diese hier kann ich hineinkrabbeln.

Am darauffolgenden Morgen nehme ich den Bus und fahre nach Townsville, wo ich die Fähre nach Magnetic Island nehme. (Die heisst so, weil hier anscheinend Captain Cook’s (wer sonst??) Kompass magnetisch angezogen worden sein soll…) Hier ist mein nächstes Ziel und nach langer Pause bin ich mal wieder bei Couchsurfern untergekommen.

Ich treffe meinen Host in einerm der Cafés am Strand, wo er arbeitet. Ein junger Mann mit halblangen, lockigen Haaren und einem Grinsen von einem Ohr zum anderen steht vor mir, freut sich und beschreibt mir den Weg zu seinem Haus: um die Ecke und am Ende rechts, Hippiemässig easy. Das Haus sei offen, sagt er und falls sein Mitbewohner nicht da sei, solle ich es mir einfach gemütlich machen. Er hätte so in einer halben Stunde Pause. Na denn, ich suche das Haus um die Ecke ud dann rechts, das auch tatsächlich schnell gefunden ist. Ein Queenslander Holzhaus inmitten eines wild wuchernden tropischen Gartens – ich verliebe mich sofort! 🙂

Meine beiden hosts sind echt cool. Der eine muss zwar meist arbeiten und hat daher wenig Zeit aber der andere ist schon in Rente und hat da her massig Zeit und viel Lust, mir die Insel zu zeigen.

Und so fahren wir mit seinem Uralt-Camper kreuz und quer über die kleine Insel und er zeigt mir jeden Strand und viele schöne Aussichtspunkte. Er weiss, wo die Rockwallabies sind (die sind vielleicht niedlich!) und wo man am besten den Sonnenuntergang geniessen kann. Wir kaufen Picknick für unterwegs und wenn es wieder mal regnet, dann setzen wir uns einfach in den Camper. Lange Strandspaziergänge, Mangroven und auch ein bisschen Klettern, Das Leben ist unglaublich einfach auf „Maggie Island“ und die beiden leben ihren lifestyle so authentisch, dass man sie einfach gern haben muss. An einem Tag haben wir eine tolle Begegnung. Wir sitzen an einem wunderschönen Strand und (zumindest) ich habe eine mittelschwere Felsenklettertour hinter mir. Und wie wir so sitzen und über’s Meer schauen kommen zwei Schwimmerinnen aus dem Wasser. So weit ja noch nichts Besonderes. Beim Näherkommen stellt sich allerdings heraus, dass eine der beiden eine alte Dame ist und zum Gehen einen Stock braucht. Und mit dem ist sie eben auch im Wasser unterwegs! Das finde ich toll – sie lässt sich nicht unterkriegen, sondern geht trotzdem schwimmen, aber leichtsinnig ist sie auch nicht, denn die andere Frau ist da und kann sie stützen.

Als wir zum Auto zurück gehen kommen wir bei der alten Dame vorbei und ich bleibe kurz stehen, wechsle ein paar Worte mit ihr und sage ihr, wie toll ich das finde während sie ihren Stock auseinander schraubt und das Wasser ausleert. Sie strahlt über beide Backen. Ich auch. Was für eine Begegnung!

Überhaupt habe ich den Eindruck, hier in Australien sind die Rentner mega aktiv. Die sind dauernd mit ihren Campern irgendwo unterwegs und gehen fischen, surfen, tanzen, wandern, Motorrad fahren und was weiss ich noch alles. So was wie einen Seniorennachmittag, wo man gemeinsam Kaffee trinkt und Kuchen isst (nichts gegen zu sagen!!) scheint es hier nicht zu geben, sondern das meiste spielt sich draussen ab. Eindrücklich ist es wenn du frühmorgens an den Strand gehst: da sind geradezu Scharen von fitten Grauköpfen unterwegs und laufen, walken, joggen was das Zeug hält. Und alle haben ein Lächeln auf dem Gesicht.

A pros pros Lächeln – ich möchte dir von einem echt australischen Standbarbecue erzählen, das wir auf Maggie Island gefeiert haben. 

Das sind die Protagonisten: Team Gelb. das Stirnband  Team und die Schiedsrichter (wir wurden gezwungen, die Gretchen-perücken zu tragen; was soll ich sagen, lang wallendes Blondhaar steht mir!) 😉 Am Nachmittag wird alles vorbereitet, geschnippelt und eingelegt, eine Menge Bier kaltgestellt und es gibt schon jetzt ziemlich viel Gelächter. Als es dunkel wird schleppen wir den ganzen Krempel zum Strand und belagern eine der Grillstationen und einen Tisch. Der Chef grillt und die anderen feiern. Wir sind ziemlich laut aber hier stört das niemanden, sondern im Gegenteil: die anderen Leute an den Grills und den Tischen freuen sich mit uns. Nach dem Essen machen wir eine Miniolympiade auf dem Kinder-spielplatz, der direkt neben unserer Partystation ist. Alle Kinder von den Nachbartischen machen mit und stecken die Erwachsenen mal locker in die Tasche. Was für ein Spass! Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Spiele und natürlich geht es immer um’s Trinken – sonst wäre das nicht Australien! Beer-Pong und Beer-Run und Beer-xxx……es ist sehr lustig und sehr locker und allen geht es gut. Also na ja, ziemlich lange geht es fast allen ziemlich gut. So gegen Ende…..

Irgendwie haben es alle in ihre Betten geschafft und am späten nächsten Morgen zum Frühstück haben alle auch schon wieder gute Laune und einen erstaunlichen Appetit. 

Maggie Island war eine tolle Erfahrung, aber so auf die Dauer ist es sogar mir hier zu hippiemässig daher geht meine Reise weiter in Richtung Norden und der nächste Stop heisst Bowen.

 

 

Abenteuer Outback – offroad durch die Simpson Desert

Mein Flug von Tahiti geht erst mal nach Auckland, wo ein paar Stunden „schlafen“ am Flughafen angesagt sind (warum muss es eigentlich auf Flughäfen immer so verflixt kalt sein???)  und früh morgens weiter nach Brisbane. Vom Flughafen aus mit dem Bus weiter zur Sunshine Coast und endlich, endlich komme ich in Minyama an.

Es ist ganz toll, wieder in Australien zu sein! Schon erstaunlich, denn eigentlich hab ich Australien nur gemacht weil es quasi auf dem Weg nach Neuseeland liegt. Und jetzt hat mich dieser Kontinent voll gepackt!

Julia und Len sind ganz aus dem Häuschen, dass ich wieder da bin und ich selber bin auch total happy. Es ist so schön, wieder hier zu sein! (Zur Erinnerung: die beiden sind meine ersten Workaway-Hosts gewesen). Eine Umarmerei ist das, fast wie wenn eine Tochter nach Hause kommt. Da kann einem grad mal das Herz aufgehen!
Bei einer schönen Tasse Earl Grey (seufz….) verplaudern wir den Rest des Nachmittags und den Abend. Aber gleich am kommenden Morgen legen wir los. Viel Zeit bleibt uns nämlich nicht bis zu unserem grossen Trip in die Simpson Desert: in zwei Tagen muss alles organisiert, verpackt und verstaut sein!

Für mich bedeutet das eine Art Kulturschock: von den winzigen tropischen Inseln in die riesige Wüste, von üppriger Vegetation zu Sand und Steinen, von übersichtlicher Infrastruktur zu unfassbarer Weite – kurz von einem Extrem ins Andere. Spannend!
Der Pathfinder ist zum Generalcheck in der Werkstatt und muss abgeholt werden, letztes Campingequipment muss besorgt und die nötigen Lebensmittel eingekauft werden.
Wir haben bloss eine Kühltruhe für die frischen Sachen, für drei Leute und neun Tage! Das ist eine hausfrauliche Herausforderung, aber glücklicherweise haben die beiden die Tour vor ein paar Jahren schon einmal gemacht und wissen daher ziemlich genau, was auf sie zukommt. Ausserdem sind sie Profi-Camper, was mir als Anfängerin natürlich sehr zugute kommt.

Trotzdem überlegen wir uns genau, wer wann was isst (Frühstück, Mittag- und Abendessen), wann wir in einem Roadhouse essen können, wann wir voraussichtlich ein Feuer haben werden und noch vieles mehr. Im Supermarkt gehen mir fast die Augen über, was Julia alles einkauft! Ich weiss ja schon, dass sie ein Hamsterer ist, aber unsere beiden Einkaufswagen laufen fast über und noch immer hat sie nicht alles, was sie für notwenig erachtet. Sie kauft unter anderem auch sehr viele Konserven aller Art. Auf Nachfrage erklärt sie mir, dass das die Notfallrationen sind, also falls wir aus irgendwelchen Gründen eben länger als die vorgesehenen Tage in der Wüste sein müssen (Unfall, Autoschaden oder ähnliches). Hm, macht Sinn irgendwie.

Len kümmert sich in der Zwischenzeit um solche Dinge wie Werkzeug, Ausrüstung, Ersatzreifen, Bezinkanister, Wassertank und den Wagen. Irgendwann haben wir vermeintlich alles beieinander – Berge an Zeugs, ich sag’s dir! Und dann schlägt meine grosse Stunde, hahaha. Es geht darum, alles so im und auf dem Auto zu verstauen, dass a) die Dinge, die wir tagsüber brauchen immer griffbereit sind, b) nichts klappert oder durch die Gegend fliegt und c) wir noch alle drei ins Auto passen. Ich bin ziemlich gut in solchen Sachen (meine Kinder ziehen mich immer damit auf, wenn ich vom Markt komme und versuche, alles in den Kühlschrank zu bekommen: „Mama, spielst du wieder Tetris??“ Wie auch immer, jetzt kommt mir das zugute und wir haben in relativ kurzer Zeit das komplette Auto gepackt.

Die Aufgabenteilung ist klar: Len fährt und macht morgens das Frühstück, Julia ist für die restliche Verpflegung zuständig und ich für das Packen des Wagens.

Frühmorgens um drei fahren wir los. Es geht für Stunden in Richtung Westen und Julia und ich machen bald die Augen wieder zu. Gegen neun kommen wir in einer Stadt namens Chinchilla an. Hier treffen wir auf den Rest der Wüstentruppe, so dass wir insgesamt zu zehnt sind. Lauter waschechte Aussies und ich! Die Chinchilla – Outback – Leute sind Daniel, der hier unglaublicherweise ein Multi-Millionen- Computergeschäft führt und seine winzige Frau Terry auf einem nigelnagelneuen, riesigen Nissan mit einem Campertrailer, also einem Anhänger; dann Ben, ein stiller Nerd, der bei Daniel in der Firma arbeitet und seine kräftige, eher maskuline Freundin Sami, sowie Matt, ein noch sehr junger Mann auf einem Mitsubishi; den dritten Wagen, ein Ford Maverick fährt Nood, ein grosser, stiller Farmerssohn, der wahrscheinlich hilfsbereiteste Mensch der Welt und mit ihm fährt Brett, frisch geschieden, depressiv, ein bisschen ungepflegt, schlechte Zähne im Mund und immer barfuss.

Wir sind also vier Frauen und sechs Männer, alle ausser mir sind offroad-, camping-, und wüstenerfahren. Ausserdem sprechen sie schweren Aussie-Slang…..huch, da bin ich jetzt aber schon ein bisschen unsicher….

Und dann merke ich, dass ich meine Kamera zuhause vergessen habe! Sie liegt noch im Wohnzimmer auf dem Tisch……aaaahhhhh, grrrrrmpfffff!!!!!! Jetzt komm ich schon mal in die Wüste und dann hab ich keine Kamera dabei!!! Da muss halt das Handy herhalten (sorry dafür!)

Nach einem schnellen Frühstück machen wir uns im Konvoi auf den Weg. Wir haben CB-Funk im Auto! Cool! Ich hab das noch nie so in echt gesehen, bloss immer im Fernsehen. Noch benutzen wir ihn bloss zum Spass, doch in der Wüste werden wir ihn tatsächlich brauchen.
Wir fahren den ganzen Tag durch’s Outback. Die Strasse ist gut und wir kommen zügig voran, aber nach fast fünfzehn Stunden Fahrt will ich nur noch eins: raus aus der verd…..Blechkiste!! Len ist die gesamte Strecke gefahren, obwohl ich  mehrmalsangeboten habe, ein Stück zu übernehmen. Hammer! Wir schlagen unser Lager irgendwo in der Pampa neben der Strasse auf. Julia und Len haben ein normales Zelt und für mich ein Pop-up Zelt, Ben, Sami, Matt und Brett schlafen in sogenannten „swags“ (very aussie), das ist so eine Art Biwakzelt, sieht aus wie ein halbes Rohr aus wasserdichtem, festem Canvas in militärgrün mit einer Matratze drin; Nood hat ein rooftop-Zelt auf seinem Auto (sehr cool!) und Terry und Daniel haben es ganz komfortionös und kurbeln einfach ein Luxuszelt aus ihrem Campinganhänger.

Auf mehreren Campingkochern wird nun das Abendessen gekocht und ausser Julia, Len und mir trinken alle eine Menge Bier. Aussies halt – hier werden einige Vorurteile bestätigt: sie laufen barfuss oder höchstens in „thongs“ (Flip Flops) herum, reden laut und viel, lachen laut, trinken viel, hauptsächlich Bier und essen viel, hauptsächlich Fleisch. Eier und Bacon.
Ich bin ehrlich gesagt ganz schön groggy und daher gar nicht böse, dass wir uns nach dem Essen relativ schnell zurückziehen. Bei einer Tasse Tee sitzen wir drei aber doch noch einen Moment vor unseren Zelten und starren in den Himmel hinauf. Millionen von Sternen blinken über uns und da im Umkreis von zig Kilometern einfach nichts ist kann man so viele Sterne sehen wie sonst nirgends. Atemberaubend schön! Und still. Kein Lärm, keine Autos, kein Telefongebimmel. Nur Stille, Ruhe, Weite. Und „prickles“!! Verd……dorniges, stacheliges Unkraut, Kletten und was weiss ich. Hängen sofort überall an Schuhen, Socken, Hosen und pieksen erbärmlich.

Am kommenden Morgen sind wir alle schon vor Sonnenaufgang auf den Beinen. Es ist ziemlich kühl und ich freue mich, dass Len schon den Tee fertig hat als ich mich mühsam aus meinem Zelt quäle. Viel Zeit zum Aufwachen habe ich allerdings nicht, denn es heisst zack zack frühstücken und dann alles in und auf das Auto packen. Ich muss also noch halb schlafend dieses Pop-up Zelt wieder zusammenfalten und in seiner Tasche verstauen. Ich weiss nicht, ob du mit diesen Zelten irgendwelche Erfahrung hast – ich nicht. Und Len hat mir schon ausführlich erzählt wie er und andere eewig herumgemacht haben, bis das Ding wieder eingepackt war. Erstaunlicherweise krieg ich das auf Anhieb hin, keine halbe Minute und fertig. Len ist völlig geplättet und lobt wieder einmal die deutsche Arbeitsweise. Hahaha……
Wir werden auch heute wieder stundenlang fahren bis in eine berühmte Stadt namens Birdsville, von wo aus wir unseren eigentlichen Trip starten.

Weiter geht es also durch das Outback. Wir sehen eine Menge Känguruhs und Emus, manchmal ganze Familien dieser grossen straussähnlichen Vögel. Kühe grasen überall, was beweist, dass das Land, durch das wir seit Stunden fahren als Farmland genutzt wird. Und die Tiere sehen sogar gut aus, wohlgenährt und gesund. Mir ist schleierhaft, wie das geht, denn es gibt hier kaum Grass sondern bloss Gestrüpp und Dornen. Aber anscheinend ist das eine genügsame Rasse. Die Farmen sind übrigens riesig hier und die Farmer treiben ihre Rinder meist per Motorrad und per Hubschrauber, „Heli-Mastering“ wird das genannt.

Zu Mittag halten wir kurz in einer niedlichen kleinen Stadt namens Wyndora und essen einen typische australischen Hamburger. Das australische daran ist übrigens die Rote Beete. Aussies essen soo viel Rote Beete! Am liebsten gegrillt oder gebacken. Und im Hamburger. 😉 Dieses raodhouse ist wirklich überhaupt gar nichts Besonderes, es gibt Sprit und einen Werkstattservice, einen Minishop für das Lebensnot-wendigste (wie Marmelade, Zigaretten, Glitzerthongs, Postkarten und Dörrfleisch) und die Hamburgerbraterei. Aber das Geschäft scheint zu laufen, da mehr oder weniger alle Leute, die in die Wüste fahren hier einen Stopp einlegen und meine Aussie-Reisegefährten sind super glücklich mit ihren Burgern. Es gibt auch einen vegetarischen für mich (mit extra Rote Beete!) und er schmeckt sogar gut!

Am späten Nachmittag kommen wir in Birdsville an, eine kleine Stadt mitten im Nirgendwo. Hier ist der Start- und Endpunkt für Touren durch die Simpson Desert und einmal im Jahr findet ein kontinentweit berühmtes Pferderennen statt. Dann wird die Stadt von Australiern aus dem ganzen Land überschwemmt, die hier für ein paar Tage einen drauf machen (schau mal genau auf das Ortsschild!). Jetzt präsentiert sich das Städtchen allerdings eher verschlafen. Wir fahren auf den Campingplatz, wo wir die Nacht verbringen werden und bauen unser Lager auf.

Dann spaziere ich ein wenig herum und schaue mir an, wie die Aussies so zum Camping fahren. Viele haben umgebaute Landrover und es ist sehr interessant zu sehen, wie diese Autos bis viel Sachverstand um- und ausgebaut wurden und wie sinnvoll gepackt wird. Natürlich haben auch viele einen richtigen Offroad-Camper und das sind mal Geschosse! Richtige Häuser auf Rädern, aber eben offroad tauglich und mit dem ganzen extra Equipment, das man hier eben so braucht. Mir fällt übrigens auf, dass die meisten Leute hier schon deutlich jenseits der Fünfzig sind. Alle sind aufgeschlossen und jeder redet mit jedem, das gefällt mir.

Nach der letzten Nacht unter freiem Himmel und zwei vollen Tagen im Auto – wir sind gerade mal schlappe 1.580km gefahren, in zwei Tagen! – geniesse ich in vollen Zügen die heisse Dusche, wahrscheinlich die letzte für die nächsten Tage. Dann gibts Abendessen und ab in’s Zelt.

Heute nacht ist es mal richtig kalt! Warum hab ich bloss meine schöne warme Winterjacke nach Hause geschickt??? Ich ziehe alle meine Klamotten übereinander an und fühle mich wie eine Presswurst. Trotzdem ist mir noch immer kalt. Am schlimmsten ist es am morgen, wenn ich aus dem Schlafsack raus muss. Aber Len lockt mich mit einer Tasse dampfend heissem Earl Grey Tea und wer mich kennt, weiss, dass das das ultimative morgentliche  Lockmittel ist. 😉

Das Zusammenfalten des Pop-up Zeltes ist heute ein einziger Kampf. Ich krieg dieses blöde Ding einfach nicht so geklappt, dass es in die Tasche passt. Len scheint zufrieden zu sein – sein Weltbild ist wieder gerade gerückt. 🙂 Irgendwann hab ich es geschafft und gleichzeitig den Kniff entschlüsselt, sodass ich es von nun an hinkriegen sollte. Und alle sind jetzt gut gelaunt, da ich als Gruppenclown die Stimmung der gesamten Bande angehoben habe und runderherum fettes Grinsen auf den Gesichtern zu sehen ist.  Grrmpff. Klar, die rollen ja auch bloss ihre swags zusammen oder kurbeln ihre Zelte rauf und runter……. aber morgen bin ich es, die lacht! 😉

Nach dem Frühstück stellen wir uns alle vor dem landesweit berühmten Birdsville Pub auf für ein Gruppenfotos von uns und den Autos. Vollgepackt, die Positionsflaggen angebracht, die Benzinkanister voll und die Ersatzreifen aufgepumpt so stehen die Karossen da und scheinen bereit für das grosse Abenteuer. Eine gewisse aufgekratzte Stimmung macht sich breit, Witze fliegen hin und her, Lachen kommt auf – keine Frage: die Aussies sind gut drauf und da ich ja sowieso gar keine Ahnung habe, was in den kommenden Tagen auf mich zukommt, lasse mich einfach anstecken.

Noch ganz schnell einen Coffee-to-go und wir sind auf der Piste! Auf den ersten paar Kilometern ändert sich eigentlich nichts, die Strasse ist asphaltiert und rundherum ist rötlicher Sand mit ein bisschen niedrigem Buschwerk bewachsen. Kurz bevor die Strasse endet und in eine unbefestigte Sandpiste übergeht halten wir noch einmal an, um eine Menge Luft aus den Reifen zu lassen. Alle Autos laufen nun auf Plattfüssen herum (wenn ich das richtig verstanden habe nur noch rund 1,3 statt 2,2 Bar oder so ähnlich…) und das ist auch gut so, denn sonst gäbe es kein Vorwärtskommen im Sand.

Zu unserer Rechten wächst plötzlich eine riesengrosse, rote Düne aus der sonst platten Landschaft. Das ist die höchste Düne der Tour „Big Red“ genannt und eine Herausforderung für die Fahrer. Wir werden Big Red allerdings erst auf der Rückfahrt bezwingen und so fahren wir weiter nach Westen auf die ersten Dünen zu. Len führt den Konvoi an, was für uns total super ist, denn wir müssen nicht den Staub voranfahrender Fahrzeuge schlucken und haben immer freie Sicht. Herrlich! Damit hat er auch die Pflicht des Funkens übernommen und seine Durchsage „Convoi of four vehicles travelling west on the French Line, xx km east of ……..“ ertönt regelmässig und bildet die tonale Untermalung für grosses Kino.

Doch erstmal gibts gleich Probleme an der allerersten Düne! Daniel mit seinem Campertrailer schafft es nicht ganz bis hoch und bleibt stecken. Das bedeutet, er muss mit seinem grossen Trailer wieder rückwärts hinunterfahren (bist du schon mal rückwärts gefahren mit einem grossen Anhänger? Schwierig, sag ich dir und dann bergab und auf einer unbefestigten Sandpiste! Nix für Anfänger!), neu Anlauf nehmen und das Beste hoffen. Beim zweiten Anlauf klappt es gut und so geht es weiter zur zweiten Düne. Und hier gibt es eine weitere Wiederholung – eventuell war es doch keine so gute Idee, einen Campertrailer durch die Wüste fahren zu wollen?! Alle möglichen Leute haben Daniel anscheinend für verrückt erklärt ob dieses Unternehmens, was ihn natürlich nur noch in seiner Entscheidung bestärkt hat . frei nach dem Motto „Jetzt erst recht“. (Vielleicht wollte er aber auch seiner Frau ein bisschen Komfort bieten?)

Doch im zweiten Anlauf schafft er auch diese Düne und dann alle weiteren gut 1.100 weiteren Dünen (pro Strecke!!) schon im allerersten Versuch. Sein Monsternissan kämpft sich einfach durch und nimmt den Anhänger mit. Auch die anderen Autos kommen gut mit dem Sand klar, was natürlich zum ganz grossen Teil an den routinierten Fahrern liegt. Man muss genau abschätzen können, wieviel Gas man geben muss und wann. Und wann man wie stark wohin gegenlenken muss. Und das allerwichtigste ist: niemals am Berg, also an der Düne stehen bleiben, denn das Auto sinkt sofort ein. Hast du nicht genügend Schwung drauf, dann schaffst du es nicht über die Düne, aber hast du zuviel, dann fliegst du quasi oben drüber wie über eine Schanze und das ist gar nicht gut für das Auto (autsch!!!)

Du kannst dir das so vorstellen: eine einspurige Piste aus rotem Sand, mal fest und  mal weich, meist ziemlich tief mit Löchern, Verwehungen, Untiefen und natürlich jeder Menge Kurven, bergauf und bergab, Auswaschungen, Querrillen und Sandhaufen wechseln sich unregelmässig ab – das ist die „Strasse“. Es ist ein Geschüttel und Gewackel im Auto, da machst du dir keinen Begriff! Ganz langsam dämmert es mir, worauf ich mich eingelassen habe…..o je o je o je! Wir fahren volle sechs Tage durch die Wüste! Und ich sitze hinten! Und werde doch reisekrank! Nicht gut. Gar nicht gut. Kleines Video aus dem Inneren des Autos gefällig?

Aber ich muss zugeben, es macht auch grossen Spass und ich kriege eine Menge Adrenalinkicks. Len fährt super sicher und souverän, sodass ich echt keine Angst habe. Und wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, mich irgendwo festzuhalten, weil das Auto durch die Gegend hüpft wie ein Flummi dann schaue ich mir die grandiose Landschaft an. Denn hier ist das Australien, das wir aus Filmen kennen: gross, weit, rot.

Jetzt denkst du vielleicht, dass das auf die Dauer von sechs Tagen vielleicht doch ein wenig eintönig ist. Doch das stimmt nicht! Zum einen ist es so, dass sich die Farbe des Sandes ständig verändert, mal fast gelb, dann wieder hell orange über ziegelrot bis hin zu richtig sattem dunkelrot. Und dann wächst hier richtig viel, was mich total erstaunt. Jede Menge Gestrüpp, Büsche, halbhohes Gras und manchmal sogar Bäume! Es ist sogar richtig spannend, denn nach jeder Düne sieht die Landschaft wieder anders aus. Dann gibt es da auch noch die grossen Salzpfannen, dazu später mehr und hin und wieder ausgewaschene Flussbetten. Anscheinend kommt hier alle 15-20 Jahre eine Art Flut an, nämlich dann wenn im Norden des Kontinents (also viele hundert km weit weg) besonders viel Regen gefallen ist, der dann in Richtung Simpson Desert und Umgebung abläuft. Vorstellen kann ich mir das ehrlich gesagt nicht, aber immer wieder stehen Schilder am Strassenrand, die das Gebiet als Flutungszone ausweisen und auch Markierungen für Wasserstände finden sich. Unglaublich….

Julia hält fleissig Ausschau nach Kamelen. Einst  von Afghanistan eingeführt und als Arbeitstiere beim Bau der Eisenbahntrasse eingesetzt wurden sie, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan hatten, einfach ins outback frei gelassen. Dort fanden die genügsamen Tiere einen idealen Lebensraum vor und begannen sich stark zu vermehren. Mittlerweile ist Australien das Land mit den meisten Kamelen weltweit. Sie werden exportiert und oft sogar gejagt, damit sie nicht überhand nehmen. Kamelfleisch steht vor allem im outback oft auf der Speisekarte. Wir sehen viele Kamelspuren, doch die Tiere selber bekommen wir nicht zu Gesicht.

Wir fahren den ganzen Tag, das Mittagessen wird quasi im Stehen kurz heruntergewürgt (wir haben aber frische wraps und meistens kann ich sogar noch eine Tasse Tee herausholen mit einem kleinen Stückchen Früchtekuchen – Luxus pur!) und schon geht es weiter. Kurz vor Sonnenuntergang suchen wir uns einen ebenen Platz und schlagen unser Lager auf. Abendessen wird gekocht, Bierdosen geleert und jede Menge Autofachsimpelei versüsst den Autofreaks den Abend. Wir haben an diesem ersten Abend bloss ein mickrig kleines Lagerfeuer, das diesen Namen kaum verdient aber trotzdem ist die Stimmung gut und es wird eine Menge gelacht.

Am nächsten Morgen stehen wir schon kurz vor Sonnenaufgang auf. Es ist wunderschön, zu erleben wie der neue Tag erwacht. Ganz langsam schleicht sich das Licht an, erst ist es nur eine Ahnung, nur ein bisschen weniger dunkles Schwarz, das dann immer schneller und unaufhaltsam zu Dunkelblau wechselt, zu fast farblosem Grau verblasst, immer heller und heller daherkommt bis ganz plötzlich die Sonne orangefarben und mit gleissenden Strahlen über die Dünen steigt. Innerhalb weniger Minuten wird aus der Dämmerung strahlendste Helligkeit und der Himmel zieht sein azurblaues Kleid an, ein wunderschöner Kontrast übrigens zum Rot des Sandes.

Einen klitzekleinen Punktabzug gibt es für die frostigen Temperaturen bei Nacht (sorry, aber da bin ich Püppy). Frühmorgens herrschen gerade mal null bis vier Grad Celsius!! Es dauert gefühlte Stunden bis endlich das Teewasser kocht, denn die kleinen Gasflaschen frieren bei diesen arktischen Temperaturen ein und müssen durch heftiges Schütteln aufgetaut werden, nur um nach kurzer Zeit wieder einzufrieren. Hab ich schon erwähnt, dass der frühe Morgen vor sagen wir mal acht eher nicht so meins ist? Und dass das Verlassen meines kuscheligen Schlafsacks – ich hab übrigens jetzt zwei (Len hat sich erbarmt und mir ausgeholfen) übereinander – eine echte Herausforderung für mich darstellt? Und dass ich ohne Tee am Morgen sowieso unausstehlich und zu nichts zu gebrauchen bin? …….. 😉

Allerdings muss ich zugeben, dass  diese Kälte  auch einen Riesenvorteil hat! Len hat mir nämlich ungefähr zwei Monate lang erzählt, wie schrecklich die Fliegen in der Simpson Desert seien und dass diese Millionen Fliegen einfach überall seien und man nicht ohne Fliegennetz um den Kopf herumlaufen könne. Und was ist? Keine einzige Fliege!! Julia war zwei komplette Tage lang fassungslos, „no flies, there are no flies!“ hörte man sie immer wieder ungläubig murmeln. Und das haben wir nur der nächtlichen Kälte zu verdanken! Also….irgendwie liegt in allem doch auch etwas Gutes verborgen. Gell?! 😉

Mal abgesehen davon, dass wir jeden Tag von  Sonnenaufgang bis kurz vor Sonnenuntergang fahren gibt es natürlich auch mal tolle Stops zwischendurch. Unser erster Halt ist am sogenannten Poeppel’s Corner. Das ist eigentlich nur eine Landmarke, aber in Ermangelung von anderen spektakulären Orten eine echter Publikumsmagnet. Das besondere an Poeppel’s Corner ist, dass hier drei australische Staaten an einem Punkt  zusammenkommen: Northern Territories, Queensland und South Australia. Schon mal ein Foto wert.

Am zweiten Tag machen wir Halt an den Dalhousie Hot Springs. Ja, du hast richtig gelesen! Heisse Quellen in der Wüste! Und das ist jetzt mal ein echter Hammer! Da ist nämlich mitten in der Wüste ein kleiner, muschelig warmer See mit Bäumen drumherum und Vögeln und so recht idyllisch. Das Wasser ist sehr angenehme 38º warm und genau das Richtige um gemütlich herum zu planschen. Ein grosser Schwarm weisser Vögel beobachtet uns und ich kann mich nicht entscheiden, ob die sich nun von uns gestört fühlen und meckern oder ob sie uns auslachen, wie wir da rumdümpeln. Egal, es ist einfach ganz, ganz grossartig. Es liegen sogar ein paar Schwimmnudeln herum, sodass man sich überhaupt nicht anstrengen muss – hach, herrlich! (Video)

Grossen Spass macht auch das Durchfahren der grossen Salzpfannen, denn hier kann eine Geschwindigkeit von schwindel-erregenden 60 km/h gefahren werden! Das ist bei der sonst erreichten Schrittgeschwindigkeit eine atemberaubende Steigerung. Diese teilweise ausgedehnten Salzpfannen stammen noch aus der längst vergangenen Zeit als diese Wüste ein Meer war – das muss man sich mal so vorstellen! Meer – Wüste…..eigentlich ja die extremen Gegensätze. Und alles was dazwischen liegt ist Zeit….. wie auch immer, die Jungs haben eine Supergaudi in den Salzpfannen, denn hier können sie mal Kreise fahren und Figuren und so richtig rumtun (weil sie ja sonst den ganzen lieben langen Tag immer der Piste folgen müssen, oohhhhh……), was sie auch ausgiebig und mit röhrenden Motoren machen.

Insgesamt muss ich an dieser Stelle mal alle Fahrer loben! Diese Jungs können echt alle miteinander richtig, richtig gut Autofahren! Klar, hier und da bleibt mal einer an einer Düne hängen und braucht einen zweiten Anlauf, aber ansonsten klappt das echt reibungslos. Und es ist wirklich sehr anspruchsvoll, hier zu fahren! Der Sand ist völlig unberechenbar, mal fester und dann wieder ganz weich und tief, Querrillen sind auch sehr eklig, teilweise ziemlich enge Kurven und die Dünen sind schon auch ganz schön steil, das kann man auf den Fotos gar nicht so erkennen. Hier trotzdem ein kleines Video.

Mein persönliches highlight des Tages ist der Sonnenuntergang. Wenn wir einen geeigneten Platz zum Campen gefunden haben, dann werden die diversen Schlafgelegenheiten aufgebaut, wir verteilen uns zum Holzsammeln (an Tag Zwei habe ich auf gut deutsche Art die gesamte Mannschaft „motiviert“ ;-), Len hat meinen Antrag unterstützt, nun haben wir jeden Abend ein richtiges, schönes Lagerfeuer und Matt entpuppt sich als wahrer Feuerwächter) und wenn die anderen sich zum Biertrinken versammeln dann verschwinde ich in die Dünen. Ich muss mich bewegen! Man kann doch nicht den ganzen Tag im Auto sitzen, am Lagerfeuer sitzen, schlafen und dann wieder im Auto sitzen! Also ich kann das nicht. Ich muss auch mal laufen. Und dann brauch ich halt auch ein bisschen Raum und Ruhe, Zeit für mich. So plötzlich quasi 24 Stunden lang Leute um mich zu haben…..hmmm! Ausserdem möchte ich auch ein paar Fotos von dieser absolut grandiosen Landschaft machen (wenn es auch bloss mit dem Handy ist) und tagsüber kommt man ja zu nix! Manchmal fährt Len ein wenig voraus, dann kann ich kurz aus dem Auto springen, ein/ zwei Fotos machen, um dann sofort wieder, quasi mit Kopfsprung in den Wagen zu hechten, der schon gleich wieder weiterfährt. Warum haben wir es eigentlich so eilig? Irgendwie passt das für mich gar nicht zur Wüste…..

Na ja, wie auch immer, die Aussies sind halt echte Automenschen und stehen sowohl meinem Bewegungsdrang, als auch meinem Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein mit völligem Unverständnis gegenüber. Gutmütiger Spott wird täglich über mich ausgeschüttet, aber das stört mich gar nicht! Ich fühle mich super wohl, wenn ich mutterseelenallein auf meiner Sanddüne sitze und in diese riesige Welt blicke. Diese Weite – das gibt’s in Europa gar nicht! Also ich hab das so jedenfalls noch nie erlebt. Du schaust 360º rundherum und siehst einfach nur Weite! Nichts unterbricht den fernen Horizont. Erstaunlicherweise empfinde ich die Wüste weder als gefährlich, noch als unwirtlich oder gar tot. Es gibt viel Leben hier! Also erstmal eine relativ grosse Menge und sogar Vielfalt an Vegetation – ich dachte bisher immer, Wüste, das ist Sand und Steine, fertig.

Das Klima hier ist im Sommer natürlich möderisch; die angenehmen rund 20 Grad (tagsüber), die wir im Moment geniessen steigen dann auf weit über 50 Grad an und im ganzen Jahr regnet es kaum 200mm (zum Vergleich: in Deutschland regnet es rund 750l) pro qm. Eigentlich ein totales Wunder, dass unter diesen Bedingungen überhaupt etwas wächst. Und dann gibt es auch noch jede Menge nette Tierchen wie Schlangen, Spinnen und Skorpione aber auch ein paar Vögel und Dingos. Und Kamele. Von denen sehen wir allerdings weiterhin nur die Spuren. Von allen anderen Tieren glücklicherweise auch. Mir ist schon manchmal ein bisschen mulmig wenn ich da so durch die Gegend stapfe, besonders wenn es schon dunkel ist. Meine buscherfahrenen Reisegefährten sehen das allerdings locker. Sie laufen weiterhin alle barfuss oder mit Flip Flops durch die Gegend und nehmen das Thema giftige Tiere schulterzuckend mal gar nicht ernst. Hmmm….ich behalte meine langen Hosen und auch meine Wanderschuhe an – fühl ich mich viel besser damit.

Am Ende des dritten Tages kommen wir in Mount Dare an. Das ist ein roadhouse mit Tankstelle und Campingplatz und markiert gleichzeitig den  Umkehrpunkt für uns. Hier habe ich nun wirklich das Gefühl in einem Filmset zu sein! Alles sieht irgendwie so aus, als sei es extra aufgebaut worden, um „echt australisch“ zu wirken. Und gleichzeitig ist es super authentisch. Da steht dieses Windrad und ein grosser Wassertank auf Stelzen, die Benzinpumpanlage scheint aus dem letzten Jahrhundert zu sein und im Gastraum hängen Hüte, Stubbieholder, T-Shirts und Autokennzeichen als Deko herum. Männer sitzen an den Tischen, trinken Bier und hauen sich gegenseitig auf die Schulter. Das ist irgendwie alles so unwirklich wirklich……und natürlich darf auch hier der aussie Humor nicht fehlen!

Wir bekommen hier nicht nur Benzin für die Autos sondern auch hervorragendes Essen und eine Menge verschiedene Biersorten. Das animiert meine treuen Reisegefährten dazu, eine Bierprobe mit mir zu machen. Alle haben ’ne Menge Spass und ich ziemlich schnell ein Räuschchen. Aus mir wird wohl nie ein richtiger Biertrinker, also disqualifiziert in der Anwartschaft ein Aussie zu werden, hahaha!

Von Mount Dare aus sind es „nur“ noch 500km bis Alice Springs und ein paar aus der Gruppe juckt es mächtig, dort noch „schnell“ mal  hinzufahren, aber die Vernunft siegt dann doch. Die meisten müssen zu bestimmten Tagen wieder zurück sein und 500km hin und wieder zurück sind kein Zuckerschlecken in der Wüste, auch wenn die Strasse nach Alice Springs besser ist. Wir kehren also alle gemeinsam um und machen uns auf den Rückweg über unsere 1.100 Dünen.

Vielleicht erzähle ich dir mal noch ein bisschen, wie das mit dem Kochen so vor sich geht? Also bei uns ist das recht easy, denn wir haben einiges zuhause schon vorbereitet. Zum Früstück gibt es Toast, der über dem Gasofen geröstet wird oder Müsli. Mittags gibt es meistens wraps, die wir jeden Tag ein bisschen anders füllen. Abends essen Julia und Len meistens Steak und ich habe vegetarische „paddies“, dazu gibt es Salat oder Gemüse. Auch frisches Obst haben wir dabei, Nüsse und sogar Kuchen. Also ich finde, wir haben super Essen. Unsere outback-Mitfahrer sind da ein wenig anders gepolt! Zum Früstück gibt es zwei Duzend Eier und ein Kilo Speck, zum Mittagessen meist ein Steaksandwich oder Hot Dogs und zum Abendessen legen sie dann richtig los: kiloweise wird da das Fleisch gegrillt, Maiskolben dazu und natürlich rote Beete, gerne auch öfter mal Hamburger und ein oder zweimal kochen sie auch im „campoven“. Das ist ein grosser gusseiserner Topf mit Deckel. In den wird alles hineingegeben und der Topf kommt ins Feuer, Deckel drauf und Kohlen oben auf den Deckel. Nach ein paar Stunden ist das Essen fertig. Wie du dir sicher schon denken kannst besteht es hauptsächlich aus Fleisch und Speck, hahaha. Zum Nachtisch gibt es „Custard and fruit“, das ist Fertigpudding aus dem Tetrapack mit Dosenobst. Sie haben einen grossen Kühlschrank für frischen Fleisch, einen Tiefkühlschrank für Fleisch und einen Kühlschrank für Bier. Das einzige Frische, das sie dabei haben sind ein paar Maiskolben und ein Päckchen mit sechs eingeschweissten Äpfeln. Die sind übrigens auch am letzten Tag noch eingeschweisst! 😉 Hahaha, so weit können Reisegefährten beim Essen auseinander sein.

Bisher sind wir mit Unfällen und Schäden grossteils verschont geblieben. Ein verbogenes „dashplate“ (irgendeine Schutzplatte am Unterboden), ein paar verlorene Schrauben, Blinklichter und andere Kleinigkeiten, die alle miteinander in kürzester Zeit und mithilfe von Hammer, Kabelbindern und duct tape repariert werden konnten. Nood liegt allerdings auch jede Pause unter irgendeinem Auto und schraubt und kontrolliert und repariert.

Doch dann klappert es plötzlich am Pathfinder! Len fährt links ran und wir begeben uns auf die Suche nach der Ursache. Nach längerem Suchen, nachdenklichem Am-Kopf-Kratzen und viel Hmm Hmmm fällt irgendjemandem auf, dass der Dachträger komisch aussieht. Und tatsächlich, durch den ständigen Widerstand und das hohe Gewicht hat sich eine der Halterungen gelöst und der ganze Träger ist jetzt ein wenig wackelig und hat dadurch schon eine fette Delle ins Dach gedrückt. Mist! Wir packen erstmal alles runter vom Dach und die Jungs montieren den Träger soweit hinten wie möglich. Dann versuchen wir so viel wie irgend geht in das eh schon volle Auto zu packen, um das Gewicht auf dem Dach so gering wie möglich zu halten. Dann heisst es Daumen drücken und das Beste hoffen.

Und noch am selben Tag gibt es ein weiteres Missgeschick! Daniel bittet um einen Stop, da er ein Problem mit dem Anhänger hat. Die Männer begutachten, was es zu begutachten gibt und die einhellige Diagnose lautet: Achsbruch des Anhängers! Au weia, das ist böse! Wir schlagen heute also schon früh unser Lager auf, denn an eine Weiterfahrt ist vorläufig nicht zu denken – eines der Räder steht in einem ganz unnatürlichen Winkel. Solange wir anderen die Zelte aufbauen, Holz sammeln und so weiter machen sich Nood und Daniel an die Arbeit.

Der Trailer wird aufgebockt, das Rad abmontiert und dann die Achse ausgebaut. Zwei Bruchstellen kommen zum Vorschein. Die Jungs sind bester Laune – endlich haben sie was zum rumfummeln! Und los gehts! Da werden Autobatterien ausgepackt und in Reihe geschlossen, jede Menge Werkzeug, Metallstangen, ein grosser Vorschlaghammer und ein portables Schweissgerät (!!!!) kommen zum Vorschein. Und da hocken die beiden mitten in der Wüste im Sand und reparieren einen Achsbruch! Sie hämmern und schweissen was das Zeug hält, trinken Bier und haben einen Riesenspass (hab ich erwähnt, dass sie alle Autobastler sind und am liebsten irgendwelche „gear boxes“, „suspensions“ und was weiss ich, was noch alles ein- und ausbauen?) Was soll ich dir sagen? Noch vor dem Abendessen sind sie fertig! Kaum drei Stunden und der Anhänger steht wieder gerade auf seinen Rädern. Ich bin echt und ehrlich beeindruckt!

Auch anderen Fahrern und Autos wird unterwegs geholfen. In Mount Dare kam einer an, dem die Ladefläche seines Pick-ups abgebrochen war, also ganz buchstäblich gemeint und die Jungs haben das mit ein paar Riemen, Kabelbindern und ’ner Menge duct tape repariert. Der Mann ist danach bis nach Melbourne gefahren!! Einmal fungieren wir als Abschleppwagen und ziehen einen Wagen aus der Düne. Und jede Menge Ratschläge gibt’s auch umsonst für alle, die sie brauchen. Einmal treffen wir allerdings auf einen grossen Campertruck, der auch einen Achsbruch hat. Die Jungs juckt es ganz offensichtlich in den Fingern, aber schliesslich entscheiden sie sich schweren Herzens zur Weiterfahrt, da wir eh schon im Zeitplan hinterher sind.

An Tag vier kommen wir plötzlich und unerwartet in eine ziemlich gefährliche Situation. Irgendjemand aus dem Team sieht einen Lichtreflex weit voraus, Len funkt, was das Zeug hält, um heraus zu finden, wer oder was uns da entgegen kommt. Grosses Schweigen auf dem Kanal (alle müssen den gleichen Kanal benutzen und periodisch den Standort bekanntgeben, um Unfälle zu vermeiden). Wir fahren extrem vorsichtig weiter und plötzlich sehen wir Motorräder auf uns zufliegen!! Boah, die schanzen über die Dünen ohne irgendwas zu sehen. Wenn da jetzt ein Auto hochkommt, dann ist der Motorradfahrer tot. Es sind insgesamt sieben Motorräder, einer der Fahrer hält an und Len erklärt ihm freundlich – bestimmt, dass er gefälligst seinen Funk benutzen soll. Der Bikefahrer wird mal kurz blass um die Nase und schnauzt den Fahrer seines Begleitautos mal so was von an – hui!! Glücklicherweise ist ja alles gut gegangen und niemand kam zu Schaden. Bei den Autofahrern gibt es auch hin und wieder welche, die ohne Funk fahren und da ist nicht immer Einsicht da.

Natürlich machen wir auch auf dem Rückweg Station bei den Dalhousie Hot Springs und geniessen ein ausgiebiges Bad. Es ist herrlich, sich den Sand abzuwaschen!

Am letzten Tag kommen wir am späten Nachmittag bei „Big Red“an, pünktlich zum Sonnenuntergang. Es bleibt auch noch genügend Zeit zum Spielen. Es gibt mehrere verschieden schwierige Auffahrten auf diese höchste Düne. Daniel versucht es erstmal ohne Trailer, nachdem er aber sieht, dass sein Monsterauto das mal ganz locker packt hängt er den Anhänger wieder dran und schafft alle Auffahrten bis auf die ganz steile mit Bravour. Auch die anderen Jungs fahren mehrmals hoch und runter und haben jede Menge Spass. Natürlich sind wir nicht alleine auf der Düne und jede Auffahrt wird von einem interessierten Publikum beobachtet, kommentiert und im Erfolgsfall auch beklatscht. Es ist ein Spektakel! 😀 😀  Irgendwann muss ich mich dann absetzen und den Sonnenuntergang und seine Farben auf der Düne einfangen. Was für ein Naturschauspiel! Die Wüste fährt nochmal alles auf und es ist zum Herz-zerspringen schön. Unbeschreiblich. Grossartig.

Am Abend in Birdsville sind wir alle ein bisschen aufgedreht – was für ein tolles Abenteuer das war! Alle sind hochzufrieden, denn niemand ist zu Schaden gekommen, alle Autos sind noch heil und sogar Daniels Trailer hat durchgehalten. Und was für ein Spass, die Dünen hoch- und runter zu fahren! Und die Verwehungen! Und die Löcher! Und Big Red erst! Und überhaupt….die besten Momente werden nochmal erzählt und obwohl wie heute kein Lagerfeuer haben können ist es eine gemütliche Runde.

Am nächsten Morgen machen wir uns bereits früh auf den Weg, denn es liegen ja wieder 1.580km vor uns, die in zwei Tagen gefahren werden wollen. Wir kommen von der Wüste ins outback und hier sieht es eigentlich fast kahler aus, als im Zentrum der Wüste. Aber offensichtlich täusche ich mich da, denn je weiter wir kommen, desto mehr Vieh steht wieder herum. Leider laufen auch immer wieder Rinder auf oder über die Strasse und werden dabei von den vorbeirauschenden roadtrains getötet. Die Kadaver säumen dann den highway bis diverse Aasfresser, darunter auch viele grosse Keilschwanzadler, aufgeräumt haben.

Die raodtrains sind lange Truck-Züge, die durch das outback brettern, die Könige der Strasse, die für nichts und (fast) niemanden bremsen, sondern mit Bleifuss ihre Fahrpläne einhalten müssen. Die riesigen Zugmaschinen ziehen meist vier, machmal aber auch fünf oder sogar sechs grosse Anhänger und haben damit die Durchschlagkraft eines Tornados. Die Bremswege sind so lang, dass sie, selbst wenn sie wollten nicht rechtzeitig zum Stehen kämen, um einer Kuh das gefahrlose Überqueren des highway zu ermöglichen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Wyndora geht es einfach immer weiter nach Osten. Der Tag geht vorbei und die Dämmerung setzt ein. Wir müssen allerdings noch so kanpp zwei Stunden fahren, um an den Campingplatz zu kommen, der als Nachtquartier geplant ist. Das Fahren in der Dämmerung und in der Nacht ist überaus gefährlich, zumal in dieser Gegend, denn hier gibt es unglaublich viele Wallabies und Känguruhs.

Wir können nur noch ganz langsam fahren und Matt übernimmt die Führung, da er sehr helle Strahler auf seinem Wagen hat, die die Strasse fast taghell erleuchten. Das Blöde ist, dass die Känguruhs völlig unberechenbar sind. Manchmal bleiben sie am Strassenrand sitzen und starren bewegungslos ins Licht. Aber manchmal springen sie plötzlich los, direkt vor das Auto oder auch in das Auto hinein. Oder sie sind schon drüben auf der anderen Seite und kommen dann plötzlich zurück. Oder sie bleiben erstarrt mitten auf der Strasse stehen.

Und auf eimal sind diese Biester überall! Eigentlich mag ich sie ja und freue mich immer, wenn ich welche zu Gesicht bekomme, aber jetzt gerade sind sie eine echte Plage für uns. Wir fahren kreuz und quer über die Strasse und das grossteils kaum schneller als Schrittgeschwindigkeit. Es ist super anstrengend für die Fahrer, die ja auch schon seit fast zwölf Stunden hinterm Steuer sitzen. Wir sind schon fast da, da springt uns doch tatsächlich noch so ein Viech seitlich in die Autotür! Leider können wir dem Tier nicht helfen und müssen es den Krähen überlassen. Wir sind alle traurig, dass wir ein Tier getötet haben und gleichzeitig auch wiederum glücklich, dass es nur eins war von den Hunderten, die wir am Strassenrand und auf der Strasse ausgemacht hatten.

Meine Güte, was sind wir alle froh, als wir endlich an diesem Campingplatz ankommen!! Endlich raus aus der Kiste! Der Platz ist knüppeldicke voll und wir bekommen nur noch zwei Stellplätze für alle Mann. Das wird richtig eng, aber irgendwie kriegen wir es hin, in kürzester Zeit unser Lagen aufzuschlagen und das Abendessen auf den Kochern zu haben. Heute ist niemand mehr sehr gesprächig, wir sind alle fertig und so kriechen wir auch recht schnell nach dem Essen in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen geht es für uns schon  früh los, da wir die längste Farht haben. Die anderen können es etwas ruhiger angehen lassen und werden daher erst später starten. Es gibt noch ein paar kameradschaftliche Umarmungen und schon sind wir wieder auf der Strasse. Im Laufe des Vormittag werden aus den winzigen outback cities mit ihren drei bis fünf Häusern wieder richtige kleine Städte. Riesengrosse Gemüse-, Mais- und Baumwollfelder dehnen sich aus, Und dann sehen wir noch etwas ganz Tolles: eine Gruppe „drovers“ mit ihren Tieren. Das sind die letzten freien cowboys von Australien! Sie treiben mit Pferden riesengrosse Rinderherden quer durchs Land. Auf den Landstreifen, die entlang der Strassen verlaufen und damit dem Staat gehören darf jeder kostenlos sein Vieh grasen lassen. Das nutzen diese drovers (umgangssprachlich auch Jackaroos genannt) und treiben ihre Herden entlang der highways. Es gibt nicht mehr viele und daher ist es eine tolle Sache, dass wir diese Männer und ihre Herde hier treffen. Es sind mehrere hundert Rinder und sicher rund zwanzig Pferde dabei. Grossartig!

Den Rest der Fahrt versüssen wir uns mit „Was wäre wenn – Spielen“. Len liebt besonders die Version von „Nicole, was wäre wenn du in Australien leben würdest?“, dicht gefolgt von „Nicole, was wäre wenn du XY (Australier) heiraten würdest? 😉

Mann, was bin ich froh als wir am späten Nachmittag endlich zuhause auf den Hof fahren! So als reisekranke Europäerin empfand ich diese Reise schon als strapaziös. Kein Europäer käme auf die Idee mehr oder weniger nonstop 1.000 km durchzufahren, oder? Aber die Australier haben eine völlig andere Auffassung von Distanz als wir und da sie generell alles immer viel lockerer sehen als wir nehmen sie auch solche Anstrengungen gelassener hin. Schliesslich war es doch „Big Fun“ und das war es tatsächlich!

Ich durfte in den letzten Tagen nicht nur tolle Menschen kennenlernen und ungewöhnliche Situationen erleben, sondern ich konnte unbeschreiblich schöne Landschaft geniessen, Stille und Weite erleben, Licht- und Schatenspiele sowie Farben bestaunen, die ich so noch nie  gesehen habe. Wüste erleben ist etwas ganz Spezielles und ich bin randvoll von all diesen Bildern, und Erlebnissen. Unvergesslich, grossartig und unbeschreiblich – das sind die Adjektive, die mir so einfallen.

Ich bin Julia und Len so dankbar, dass sie mir diese einmalige Reise ermöglicht haben! Da fehlen mir fast die Worte…. Len wischt das einfach beiseite und sagt, „wir sind so froh, dass du dabei warst! Schau, dass du bei unserer nächsten Tour auch wieder mitkommst!“

Tatsächlich habe ich grossen Gefallen daran gefunden, draussen zu schlafen, Toast über einem Campingkocher zu rösten, meinen Tag nach der Sonne auszurichten und den ganzen Tag draussen zu sein. Ich glaube, die Campergemeinde hat ein neues Mitglied……(Obwohl ich tausende Kilometer weit weg bin als ich diese Worte schreibe höre ich Len jauchzen!) 😉

Ich bleibe nun erst einmal eine ganze Weile hier in Minyama und erhole mich, hahaha, aber natürlich ist auch hier einiges los. Weiter geht’s im nächsten Artikel…. aber zum Abschied hier noch ein paar Impressionen aus der Wüste.

 

 

Lost in Paradise – Bora Bora

Der kurze Flug nach Bora Bora verläuft problemlos und sogar beim Check-in des Gepäcks ging alles glatt (eigentlich dürfte ich nur zehn Kilo mitnehmen, alles zusammen und natürlich habe ich mehr, da ich ja meine gesamten Besitztümer mit mir herumschleppe). Da ich dieses Mal einen Tagflug habe kann ich mir die Inseln ganz genüsslich von oben anschauen. Erst versinkt Moorea langsam unter mir und meine Vorfreude steigt. Als dann endlich das „Illes sous le Vent“ Archipel unter mir in Sicht kommt, klopft mein Herz schneller und ich hab ein Dauergrinsen im Gesicht. Bora Bora!! Mensch!! 😀 😀 

Der Flughafen von Bora Bora liegt auf einer kleinen Insel, sodass man mit dem Boot zur Hauptinsel, bzw. zu seinem jeweiligen Resort fahren muss. Zum besseren Verständnis: es gibt eine Hauptinsel Bora Bora und drumherum viele kleine motus (Inselchen) auf denen all diese superteuren, supertollen Resorts sind. Für Backpacker wie mich gibt es überraschender-weise auf der Hauptsinsel auch einigermassen günstige Übernachtungs-möglichkeiten. Ich habe mich dieses Mal für ein AirBnB Zimmer entschieden und darauf freue ich mich schon – es hat toll ausgeschaut in der Beschreibung! Aber zurück zum Flughafen!

In der Ankunftshalle stehen diverse Begrüssungskommitées von den grossen internationalen Hotelketten und holen ihre Gäste mit Blumenkränzen und Privatboot ab. Es duftet nach Frangipani. Ich nehme das Schnellboot zur Hauptinsel und da ich noch ein bisschen warten muss bis zur Abfahrt kann ich mich schon mal in dieses unglaubliche Türkis des Wassers versenken. Ohne Witz, andere Urlaubs-destinationen würden morden für diese Wasserfarbe! Direkt am Rollfeld beginnt ein strahlendweisser Strand, es ist einfach unglaublich. Am Horizont ballen sich allerdings auch hier dunkle Wolken zusammen. (So langsam nehme ich das persönich! Ständig dieser Regen!!) Diese lassen dann auch tatsächlich ein bisschen was fallen solange ich auf dem Boot bin, aber es ist nicht wirklich dramatisch.
Die Bootsfahrt verläuft ein ganzes Stück längs der Hauptinsel und so kann ich schon sehen, dass es ein paar mit  dichtem Dschungel bewachsene Vulkane gibt, alles recht hügelig ausschaut und die Küste ziemlich dicht bebaut ist. Strände kann ich kaum welche entdecken. Auf der anderen Seite des Bootes allerdings kann ich die verschiedenen motus mit den berühmten Over Water Bungalows sehen und dort strahlen mir die weissen Strände geradezu entgegen. Die Farben des Wassers sind trotz des Nieselregens strahlend und leuchtend türkis – blau.

Am Hafen angekommen stehe ich erstmal wieder herum, aber das kenne ich ja mittlerweile schon und fast beginne ich mich daran zu gewöhnen. Als allerdings nach einer dreiviertel Stunde noch immer keine Menschenseele nach mir schaut beginne ich doch, etwas unruhig zu werden. Ich gehe ein paar Schritte bis zur Touristeninformation und bitte die Dame dort, einmal kurz bei meinen Vermietern anzurufen, was sie auch umgehend macht. Und jetzt kommt der Hammer! Das Zimmer, das ich gebucht habe befindet sich auf der Nachbarinsel Raiatea! Waaas????? Das kann nicht sein!!! Ich weiss genau, dass ich Bora Bora in die Suchleiste eingegeben habe.  Aber es stimmt anscheinend. Die freundliche Dame auf Raiatea meint, ich solle mir keine Sorgen machen und ich könne das Zimmer kostenlos stornieren. Die Buchungsgebühr muss ich zwar trotzdem bezahlen aber immer hin. Bloss……jetzt stehe ich hier auf Bora Bora und habe kein Bett! Ach du meine Güte!

Die freundliche Angestellte der Touristeninformation, die mein Telefonat interessiert verfolgt hat sieht mich nun einigermassen fassungslos. Sie bietet an, ein bisschen herum zu telefonieren, um eine günstige Unterkunft für mich zu finden. Und siehe da, schon nach kurzer Zeit wird sie fündig und eine Dame Rosina wird in Kürze kommen und mich abholen. So ist das vordergründigste Problem erst einmal gelöst und ich atme erleichtert auf. (Aber ich werde das bei AirBnB nachprüfen! Gibt’s doch gar nicht….)

Ich habe es mir kaum ein bisschen gemütlich gemacht, da hupt es schon vor der Tür und eine etwas ältere Polinesierin in einem roten Jeep stellt sich als Rosina vor, verfrachtet mich und meinen Rucksack ins Auto und übernimmt freundlich-resolut das Kommando. Zuerst fährt sie mit mir zum Supermarkt, wo ich das Nötigste einkaufen soll und dann gehts nach Hause. Ein einstöckiges Haus in einem Garten, rund 50 Meter vom Meer entfernt erwartet mich. Es werden hier mehrere einfache Zimmer mit Bad vermietet und ich bin positiv überrascht, als sie mir meines zeigt. Abgesehen von der fürchterlichen Blümchen-Bettwäsche ist alles zweckmässig eingerichtet und schön sauber. Es gibt heisses Wasser und in der Küche bekomme ich meinen Teil vom Kühlschrank zugeteilt. Es scheint hier eine ganze Grossfamilie zu leben und ich bin froh, dass mein Französich mittlerweile schon ein wenig aufpoliert ist, denn nur die älteste Tochter spricht leidlich englisch. Allerdings ist die sehr zurückhaltend und scheint wenig Lust zu haben, sich mit mir zu unterhalten. Rosina selbst redet ständig (französisch) auf mich ein, aber sie ist so freundlich und so rührend besorgt, dass mich diese Bemutterung einfach nur zum Schmunzeln bringt.
Ganz offenichtlich führt sie hier einen relativ strengen Oberbefehl als Matriarchin der Familie. Ihr Mann wird jedenfall liebevoll umsorgt, hat aber sonst wohl nicht viel zu sagen. Er nimmt das  mit einem schiefen Grinsen und der Weisheit des Alters gelassen hin. Die beiden haben offensichtlich in vielen Ehejahren ihren Modus Operandi gefunden und scheinen beide sehr gut damit klar zu kommen.

Ich werde schlicht und einfach in die Familie eingebaut und Rosina achtet darauf, dass ich auch ja genug esse! 😉 Sie schenkt mir Mangos und das Baguette liegt immer griffbereit in der Küche und ist für alle.

Das Meer ist nur 50m von meinem Haus entfernt, aber es gibt hier keinen Strand sondern bloss eine kleine Mauer und Steine. Ein paar Boote hängen in einem seltsamen Gestell herum (bei Ebbe übrigens in der Luft) und die Aussicht kann ich nur als malerisch bezeichnen! Besonders zum Sonnenuntergang!

Unternehmungslustig schnappe ich mir mein Badezeugs und will mich zu Fuss in Richtung Strand aufmachen. „Ach komm, ich fahr dich schnell“ sagt Rosina und schwupps, schon sitze ich wieder im Auto. Unterwegs erklärt sie mir noch ein bisschen was hier und da, nimmt ein Pärchen Touristen mit und lässt uns dann alle mit einem flotten „Bonne journée“  und dem Hinweis, ich solle doch per Autostopp wieder heim kommen, am Strand aussteigen.

Und hier pflanze ich mich jetzt erstmal in den warmen Sand und schaue über’s Meer. Was gibt es beruhigenderes als das? Es ist einfach herrlich und anscheinend kriege ich auch nicht genug davon. Ich hab nicht genau mitgekriegt, wann ich mich (als waschechte Schwarzwälderin) in das Meer verliebt habe…..vielleicht ist das der mallorquinische Teil in mir? Ich vertrödele den gesamten restlichen Tag am Strand, lasse mich von der Strömung hierhin und dahin treiben und geniesse einfach nur die Sonne, das Meer und das Nichtstun. (Es ist übrigens nicht voll, also gemessen an den spanischen Stränden)

Bevor es dunkel wird mache ich mich auf den Heimweg und das per Anhalter Fahren ist hier fast genauso einfach wie auf Rarotonga. Es dauert keine zwei Minuten bis jemand anhält. Diesmal ein Pick-up, auf der Ladefläche lauter junge Leute, die offensichtlich von der Arbeit kommen. Dieses Fahren auf der Ladefläche eines Pick-up finde ich immer wieder cool, einfach weil es bei uns undenkbar wäre, in anderen Teilen der Welt aber völlig normal ist. Zuhause angekommen mache ich mich ans Abendessen kochen und lerne hierbei gleich noch den gesamten Rest der Familie kennen. Leider muss ich sagen, dass ich schnell den Überblick verloren habe, denn es gibt jede Menge Tanten und Cousins, die auch hier oder im Nachbarhaus wohnen und einen Stall voll Kinder aller Alterstufen.  Ich halte mich einfach an den Boss und die englischsprechende Tochter, das muss reichen! Sorry, aber da bin ich pragmatisch. Alle anderen werden angelächelt und gut ist’s.

Für den kommenden Tag hat Rosina für mich eine Bootsfahrt organisiert. Ja, ich weiss, was du jetzt denkst! Schon wieder Boot fahren…..aber hey, ich bin auf Bora Bora und ich MUSS auch einmal auf diese einmaligen motus kommen. Und das geht halt nur mit dem Boot. Ausserdem habe ich in einer Apotheke auf Moorea neue „Seabands“ bekommen (Mann, war ich happy!!!) und das Meer (diese Farben!!!! 😀 😀 ) sieht ruhig und friedlich aus – da kann gar nichts schief gehen.

Ich werde am Morgen pünktlich abgeholt, bekomme meine Schnorchel-ausrüstung und lerne den Rest der Truppe kennen. Wir sind insgesamt zehn Leute aus aller Welt, das ist noch völlig ok, finde ich. Gut gelaunt machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg.

Am ersten Schnorchelstopp können wir im flachen Wasser mit Stachelrochen und Schwarzspitzhaien schwimmen. Und obwohl ich das ja gerade erst letze Woche auf Moorea gemacht habe bin ich trotzdem wieder total fasziniert und beeindruckt. Es ist einfach der Oberhammer, wenn diese grossen Tiere um dich herumschwimmen!!

Dann fahren wir nur ein ganz kleines Stückchen weiter und gesellen uns zu ein paar anderen Schnorchlern, die alle mehr oder weniger auf einem Haufen herum schwimmen. Das Wasser ist hier sehr tief und ich weiss gar nicht, was wir hier sollen. Und dann seh ich es!!

Ein Mantarochen (!!!!!) kommt direkt auf mich zugeschwommen!! Boah ist der riesig! Er bewegt sich ganz langsam und majestätisch. Und auf mich zu. Ähm ja, und immer noch auf mich zu! Das ist jetzt ein bisschen unheimlich! Da dreht er gemächlich ab und lässt sich wieder in tieferes Wasser sinken. Aufatmen meinerseits. Natürlich war er immer noch weit weg von mir und das war nicht gefährlich, aber hey! So ein Mantarochen ist schon echt gross!! Was für ein Erlebnis!

Wir stoppen noch mehrmals und bewundern schöne Korallen, schwimmen in riesigen Schwärmen von kleinen und grossen bunten Fischen und geniessen mit allen Sinnen diesen wundervollen Ausflug. Es ist als ob man in einem riesengrossen Aquarium herumschwimmen würde! Tatsächlich schwimmen hier diese ganzen bunten Tropenfische überall herum, gelbe, blaue, gesteifte, welche mit Stacheln oder Punkten, grüne, kunterbunte – ich kann mich gar nicht satt sehen. Hier findest du ein kleines Video, was allerdings die unglaubliche Vielfalt und die schiere Menge an Leben unter Wasser auch nicht ansatzweise wiedergeben kann.

Beim Bootfahren mache ich ausserdem ständig Fotos von den verschiedenen Blautönen es Meeres. Es ist unglaublich, wie intenstiv dieses Blau und Türkis ist und wieviele verschiedene Schattierungen und Abstufungen es gibt. Ich kann mich auch über Wasser nicht satt sehen.

Zum Mittagessen machen wir an einer kleinen motu fest. Hier steht eine einfache  Bambushütte in der nun fleissig gewerkelt und gekocht wird. Uns interessiert das natürlich erstmal nicht die Bohne, denn wir stürzen uns schon wieder in dieses unglaublich wundervolle Wasser und spazieren den Sandstrand hinauf und hinunter. Das hier bedient einfach jedes einzelne Klischée, das ich vielleicht jemals über die Südsee gehabt habe. Ich wähne mich quasi in einer Postkarte so unwirklich schön ist es hier.

Bora Bora Beach 3

Ein Stückchen weiter den Strand entlang befindet sich ein kleines Restaurant und dort stehen die Tische im Wasser!! Ein Restaurant im Ozean – hast du das schon mal gesehen? Also ich nicht! Neid- und hemmumgslos schaue den Leuten beim Geniessen zu. Hier und da schaukelt eine teure Yacht im Wasser, aber von „Massentourismus“ kann überhaupt keine Rede sein. Und es ist auch nicht so snobistisch-dekadent wie oft an anderen mondänen Orten. Hier ist jeder entspannt und gut gelaunt und geniesst die Schönheit der Natur und das macht Spass.

Das Mittagessen wird auch hier auf Naturtellern serviert. Einer unserer guides ist kurz in den Wald verschwunden, hat ein paar Palmwedel geschnitten, diese schnell zu Tellern zusammengeflochten und schwupps – schon ist das Geschirr fertig! Es gibt eine hiesige Spezialität, nämlich „Poisson Cru“,  rohen Fisch mit Zitrone mariniert in Kokosmilch (ganz ähnlich wie Ceviche), ausserdem frittierte Yams und Maniokwurzeln, einen super leckeren Salat, gegrillte und gebackenene Bananen, sowie gegrillten Fisch. Zum Nachtisch einen süssen Kuchen und Obst. Jeder wird satt und es ist soo lecker. Wen wundert’s, dass wir nach diesem feudalen Mahl alle faul werden und so ist es ganz gut, dass wir jetzt „bloss“ noch Boot fahren.

Insgesamt haben wir auf unserer Tour die Hauptinsel Bora Bora einmal komplett umrundet und tuckern nun ganz gemütlich unserem Endpunkt zu. Ich bin so voll von wunderschönen Bildern und unvergesslichen Eindrücken – hach, ich könnte gerade mal die ganze Welt umarmen! 😀 😀 😀

 

Rosina lächelt nachsichtig über meinen Überschwang und ist sichtlich stolz auf ihre Insel.

 

 

 

 

 

Nachdem ich gestern die Insel vom Boot aus gesehen habe möchte ich sie heute per Fahrrad erkunden. Und so miete ich mir einen Drahtesel und strample los. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es jetzt nicht so wahnsinnig viel zu entdecken gibt. Hier und da ein hübscher Aussichtspunkt, das Dörfchen Vaitapé, wo auch die Fähre angelegt hat mit ein paar Geschäften und Restaurants, etwas abseits noch einen weiteren Hafen für grosse Fähr- und Containerschiffe und jede Menge Grün. Auch hier führt eine einzige Strasse einmal um die Insel herum, verfahren kann ich mich also nicht. Es gibt nur zwei oder drei schöne Strände, der Rest ist steinig oder mit Mauern eingefasst. Die Vulkane sehen interessant aus, aber Trekking hat sich hier wohl nocht nicht so herumgesprochen – ich kann keinerlei Hinweisschilder finden, Karten gibts auch keine und eeeeiiiiigentlich bin ich eh auch viel zu faul!

Ich komme am berühmtesten Lokal der Insel vorbei. Hierher pilgern seit Jahren alle möglichen Promis und damit ist der Laden natürlich auch für Touristen interessant. Es ist heller Nachmittag als ich hier vorbei komme und kein Promi weit und breit, trotzdem mach ich ein Foto. Kannst ja mal richtig nah heranzoomen und auf den Holzschildern lesen, wer schon alles hier war! Eindrucksvolle Liste.

Als ich am Abend nach Hause komme hat Rosina eine überraschende Nachricht für mich. Mein Flug nach Huahine am kommenden Tag ist gestrichen worden. Die Flughafenfeuer-wehr auf den Inseln streikt und daher können nur wenige Flüge abgefertigt werden und gar keine nach Huahine. Hmm, na so was! Rosina sagt, ich könne gerne noch einen Tag bleiben und so schicke ich mich drein – Festhängen auf Bora Bora! Könnte schlimmer sein….

Allerdings hätte ich Huahine schon sehr gerne besucht! Sie soll die am wenigsten erschlossene Insel des Gesellschaftsinsel-Archipels (Illes de la Societé) sein. Und natürlich habe ich auch dort eine Unterkuft gebucht und bezahlt, die ich nun nicht nutzen kann. 🙁

Mit tatkräftiger Unterstützung von Rosina’s Familie versuche ich eine Schiffspassage nach Huahine zu bekommen, sogar bei einem Containerschiff fragen wir an, aber es ist nichts zu machen. Und ein Ende des Streiks ist nicht in Sicht. Da ich in ein paar Tagen von Pape’ete aus nach Australien fliege und Rosina ab dem kommenden Tag ausgebucht ist entschliesse ich mich schweren Herzens, auf direktem Weg nach Tahiti zurückzukehren.

So kehre ich am Nachmittag noch einmal zum Strand zurück und geniesse meine letzten Stunden auf Bora Bora. Wie ich so im Wasser herumtreibe und meinen letzten Sonnen-untergang hier geniesse spricht mich ein Einheimischer an und bietet mir etwas von seiner Kokosnuss an. Er taucht seine Stückchen immer erst ins Meer und mit so einem Hauch Salzwasser schmeckt sie tatsächlich noch besser. Wir unterhalten uns ziemlich lange (auf französich wohlgemerkt!) und er erzählt mir von einem grossen Kanurennen, das die gesamte Inselwelt auf den Kopf stellt. Ich hab natürlich noch nie davon gehört, so als Landratte weiss man ja über die maritimen Megaevents auf der anderen Seite der Kugel auch nicht so Bescheid, was ihm ein ungläubiges Kopfschütteln entlockt. Wie auch immer, das Rennen heisst „Hawaiki Nui Va’a“ und gilt als das härteste Paddelrennen der Welt. In drei Tagen paddeln die Athleten in sogenannten Va’as (6-Mann Auslegerpiroggen) von Huahine über Raiatea und Taha’a nach Bora Bora (129km) und der Pazifik ist hier wild und die Sonne heiss! Er meint, ich solle unbedingt zum Rennen wiederkommen, denn das wäre wirklich ein Grossereignis – big party natürlich inklusive.

Als ich heute schon recht spät nach Hause komme fängt Rosina mich erneut ab. Ich solle doch heute abend zu ihnen kommen, sie hätten Freunde da und würden irgendeine Zeremonie machen, ich sei eingeladen. Und sie hätte extra Ananaskuchen gebacken! Na klar, Ich bin dabei! Hab zwar nicht verstanden, um was für eine Zeremonie es geht, aber das werde ich schon herausfinden.

Tatsächlich scheint es sich um eine Art Gebetskreis zu handeln. Es sind rund zwölf Personen da, es wird auf französisch und polinesisch gesprochen, gesungen und gebetet. Einen Rosenkranz kann ich erkennen aber mehr auch nicht. Die Stimmung ist familiär und auch die Jüngsten gestalten schon einen Teil der Zeremonie. Nachdem der geistigen Gesundheit Genüge getan ist gibt es Ananaskuchen und Cola für Alle, mich eingeschlossen. Wieder eine neue Facette an religiöser Kultur, ich freue mich, dass ich dem beiwohnen durfte und ich freue mich, dass die Menschen hier so offen mit ihrer Religion umgehen.

Am kommenden Morgen heisst es Abschied nehmen. Ich werde zum Pier gebracht, wo das Flughafenboot ablegt. Zum Abschied bekomme ich eine polinesische Muschelkette geschenkt!! Hurra, hurra, so ein tolles Souvenir!

Auf Tahiti kann ich glücklichereweise wieder in meine französische WG einziehen, Adrien, mein Engel holt mich ab und die WGler freuen sich, dass ich wieder da bin.

Die nächsten drei Tage sind ziemlich angefüllt mit Aktivitäten. Einen Tag fahren wir (fast) alle zusammen an den Strand und verbringen den ganzen Tag mit Surfen, Baden, Quatschen und Faulenzen. Ein paar Leute haben ein tolles Picknick vorbereitet und ich bin diesmal bloss ein Anhängsel, will sagen, ich kümmere mich mal um goar nüscht, sondern mach bloss mit. Herrlich!

Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung auf einen der tahitianischen Berge

 

 

und auch das ist ein super Tag, unwesentlich (hahaha) anstrengender als das Herumgeliege am Strand, aber genau das richtige Kontrastprogramm!

An einem Abend gehen wir dann noch richtig chic aus. Erst essen wir in einem sogenannten „Roulotte“ zu abend (das ist eine Art stationärer Food Truck mit ein paar Tischen). Es gibt leckeres Thaifood und tatsächlich mutet das Ganze eher asiatisch an, denn die kleinen einheimischen Restaurants, die es überall in Asien zuhauf gibt sehen genau so aus.

Nach dem Essen machen wir uns auf ins noble Intercontinental Hotel, wo es heute abend eine Ma’hori Show gibt. Bei edlen  Drinks und ein bisschen underdressed (also ich zumindest) geniessen wir die wirklich gute Show. Abenteuerliche Kostüme und mitreissende Musik, dröhnende Trommeln und natürlich schöne Tänzer/innen verbinden sich zu einer wundervollen Mischung und mir kommt es so vor, als wolle sich Tahiti nochmal von seiner besten Seite zeigen – zum Abschied sozusagen. Auf jeden Fall ist es ein sehr schöner Abend und es macht Spass, auch mal abends und mit Leuten, die man schon etwas länger kennt, etwas zu unternehmen. Ich glaube, wir Mädels sind sogar ein bisschen angeschickert als wir ziemlich spät nach Hause kommen. Auf der Terrasse der Villa lassen wir den Abend noch ausklingen, denn keiner möchte jetzt schon schlafen gehen.

Am nächsten Tag besuche ich morgens noch die Stadt, um mein restliches Geld in unnütze Souvenirs zu investieren und natürlich auch, um zu guter Letzt noch ein klein bisschen was von Pape’ete mitzukriegen. Ein paar schöne Eindrücke kann ich auch tatsächlich mit nehmen und am nachmittag kann ich dann ganz gemütlich noch einmal die Villa, den Pool geniessen und chillen, doch irgendwann heisst es dann eben doch Abschied nehmen.

Noch ein Gruppenfoto, ein paar Umarmungen, ein letztes Winken und ab geht´s zum Flughafen. Ich habe eine anstrengende Nacht vor mir: von Pape’ete fliege ich nach Auckland und von dort weiter nach Brisbane (Ja, es geht zurück nach Australien!), was bedeutet, dass ich mir die komplette Nacht um die Ohren schlage. Aber das macht mir gar nichts, denn nun wartet ein richtig super tolles Abenteuer auf mich!

Ich werde nämlich mit Len und Julia in die Wüste fahren! Australisches Outback vom Feinsten.