Mit Fritz über die Südinsel – Te Anau, Milford Sounds, Invercargill und Bluff

Tja, nachdem Queenstown also im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen ist fahre ich eben gleich weiter zu meinem nächsten Etappenziel Te Anau, einem kleinen Städtchen, malerisch (wen erstaunt’s??) an einem See gelegen. Dennoch könnten Wanaka, Queenstown und Te Anau kaum unterschiedlicher sein.

Während es in Wanaka recht gemütlich zugeht und viele Wanderer und Camper ihren Urlaub hier verbringen steppt in Queenstown schon der Bär. Hier wurde das Bungee-Jumping erfunden und bis heute können sich Adrenalinjunkies von der Brücke stürzen. Ausserdem werden hier rund um’s Jahr alle möglichen Extremsportarten angeboten, sei es Fallschirmspringen, Paragliding, Wildwasser-Rafting, Canyoning, Snowboarding……Daher sind hier hauptsächlich junge Urlauber unterwegs auf der Suche nach dem Kick. (In der Wintersaison treffen sich hier übrigens alle Schneebegeisterten der südlichen Hemisphäre). Te Anau ist nun ganz ruhig, hierher verschlägt es hauptsächlich Hiker und Naturliebhaber. Ausserdem gilt das Städtchen als Ausgangspunkt für verschiedene mehrtägige Hikingtracks, sowie Touren in die berühmten Milford Sounds.

Ich bin von der relativ langen Fahrt heute einigermassen erschöpft und begnüge mich daher damit, erst einmal anzukommen und mich über die Möglichkeiten hier zu informieren.

Da ich nicht über die nötige Ausrüstung verfüge, einen mehrtägigen Track zu laufen muss ich mich mit Tagestouren begnügen.                   Meine Entdcheidung fällt auf den ersten Abschnitt des ziemlich bekannten Kepler-Tracks. Ich starte schon früh morgens und werde mit diesen Impressionen des See dafür belohnt. Das ist doch wirklich wunderschön, oder? Es ist auch noch kaum jemand unterwegs heute morgen und ich habe den See und den Wald quasi für mich alleine. Der Anstieg ist relativ steil und so komme ich schon schnell ins Schwitzen. Das ändert sich allerdings schlagartig als ich den Wald hinter mir lasse und auf eine Art Hochebene hinaustrete. Ein eisekalter Wind pfeift hier über die kurzgeschorenen Gräser und ich bin sehr, sehr froh, dass ich Ohrstöpsel dabei habe, eine dicke Jacke mir Kapuze und Taschen! So stapfe ich mit eingezogenem Kopf über dieses grandiose Plateau. Ein Teil des Weges führt über Holzstege, damit wir Wanderer nicht die sehr empfindliche Flora zertrampeln. Die Aussicht über die angrenzenden Berge, hinunter ins Tal und auf den Fluss sind mal wieder gigantisch, und daran können auch die dicken, grauen Wolken am Himmel nichts ändern!

Nach einem ziemlich strammen Marsch und ordentlich durchgepustet und -gefroren erreiche ich die Station der ersten Tagesetappe. Diese einfachen Schutzhäuser werden den Wanderern (kostenpflichtig) zur Verfügung gestellt. Man findet hier Gasherde, Tische und Stühle, eine Toilette, sowie eine Matratze vor. Alles andere muss man selbst mitbringen. Ich hätte was dafür gegeben, mir jetzt einen heissen Tee zubereiten zu können! In Ermangelung eines Topfes und eines Teebeutels muss ich allerdings mit dem mitgebrachten kalten Wasser und einem belegten Brot vorlieb nehmen. Dennoch kann ich mir sehr gut vorstellen, dass einem diese einfache Unterkunft wie der Himmel vorkommen kann, wenn man aus einem Unwetter oder bei richtig kalten Temperaturen hierher kommt. (Im Winter sind diese Tracks glaube ich geschlossen, bzw. nur unter Lebensgefahr zu erleben.)

Die nächste Tagesstation liegt bereits ausserhalb meiner heutigen Reichweite, sodass ich mich bald auf den Rückweg mache. Welch ein Genuss, als ich aus dem immer noch heftigen Wind wieder in den schützenden Wald komme! Der Abstieg erscheint mir total easy und so mache ich mich fröhlich daran.

„Zuhause“ in meinem Hostel angekommen geniesse ich eine heisse Dusche und gehe dann in die Küche, um mir mein Abendessen zu kochen. Vielleicht interessiert es dich ja, einmal zu erfahren, wie es in einem Backpacker Hostel so zugeht? (Solltest du selber ein traveller sein, dann überspringe diesen Abschnit einfach! ;-))

Natürlich gibt es immer kleine Unterschiede, beispielsweise ob das Hostel in den Bergen liegt oder am Strand, in einer grossen Stadt oder irgendwo in der Pampa, ob die Besitzer selber vor Ort sind und sich kümmern oder ob der Laden von anderen backpackern gewuppt wird, usw. Generell ist es so, dass es diverse Mehrbettzimmer gibt (2-10 Personen pro Zimmer) meist mit Stockbetten, Waschräume sind auf dem Gang und werden gemeinschaftlich genutzt, eine mehr oder weniger grosse Küche und eine Art Gemeinschaftsraum/ Ess- und Wohnzimmer stehen zur allgemeinen Verfügung, ganz ähnlich einer Jugendherberge. Es gibt natürlich ganz tolle Hostels, sauber und gemütlich mit einer freundlichen Betreuung, einer gut ausgestatteten sauberen Küche, oft gibt es ein Bücherregal, wo man sein ausgelesenes Exemplar für ein anderes austauschen kann, Brett- und Kartenspiele sowie DVD’s können kostenlos benützt werden. Manchmal gibt es einen Garten mit Loungecke, Hängematten und selten sogar einem Pool. Je nach Atmosphäre ist es besonders leicht mit den anderen Reisenden in Kontakt zu kommen oder eben auch gar nicht. Vor allem die sehr grossen Hostels werden zunehmend anonymer, was zum Teil auch am exzessiven Konsum des Internet liegt. Und selbstverständlich gibt es auch die anderen Etablissements, wo in der Küche nur ein Topf und eine Pfanne für zwanzig Leute zur Verfügung stehen, das W-Lan noch mal extra kostet und das Personal völlig abgenervt ist. Schmuddelige, fensterlose oder total vollgestopfte Schlafräume, miefende Waschgelegenheiten….naja, sicher kannst du dir ein Bild machen! Glücklicherweise überwiegen die guten!! 😀 😀

Nach diesem kleinen Exkurs in den Backpackeralltag wieder zurück nach Te Anau und zum kommenden Tag. Es steht ein Besuch in den Milford Sounds an. Vielleicht hast du schon einmal von den neuseeländischen Fjordlands gehört, aber wahrscheinlich hast du keine genaue Vorstellung davon. So ging es mir auch. Ich mache diese Reise ja bisher komplett unvorbereitet, d.h. ich weiss nicht, was mir begegnen wird oder welche Besonderheit es zu bestaunen gibt. Ich lasse mich von den Einheimischen inspirieren oder von den Touristeninformationen beraten. Und bisher bin ich damit ziemlich gut gefahren.

Die Milford Sound also waren für mich erstmal nur Berge und Wasser. Ich hab die angebotene Schifffahrt gebucht, meine beiden Mitbewohnerinnen ins Auto gepackt und gemeinsam sind wir die wunderschöne Strecke zu den Sounds gefahren. (Der Milford Walking Track gehört übrigens zu den weltweit schönsten Langstecken Wanderwegen!)

Die Strasse führt uns durch kilometerlange Wälder und lang-gezogene Täler in Richtung der Berge. Bald schon steigen diese steil und felsig am Strassenrand auf und entführen uns in eine alpenländisch anmutende Landschaft. Die Sonne strahlt von einem blitzeblauen Himmel und bringt die weiter entfernten schneegepuderten Gipfel zum Glitzern. Je höher wir hinauf kommen desto unwirtlicher wird es. Die anfangs noch üppigen Wälder werden weniger und grosse, graue Felsmassive schieben sich in den Vordergrund. Dann irgendwann geht es wieder hinunter und wir nähern uns den Sounds.

Hier ist natürlich ganz schön was los, trotzdem finden wir problemlos einen Parkplatz und haben sogar noch Zeit, gemütlich einen Kaffee zu geniessen, bevor unser Schiff startet. Gut organisiert werden die Urlauber zu ihren jeweiligen Schiffen dirigiert und dann geht es los.

Und ich sage dir, das hier ist einfach gran-di-os! Du kannst dir eine Art Berglandschaft vorstellen, wo die Täler komplett von Wasser bedeckt sind. Auf beiden Seiten des Schiffes ragen die grünen Buckel riesenhaft in den Himmel, graue und braune Felsschuppen unterbrechen das Grün der Pflanzen. Überall rauscht und plätschert es, denn jede Menge Wasserfälle stürzen über die steilen Kanten. Es gibt hoch aufragende fast senkrechte Felswände, die schroff über uns aufragen und einem ein Gefühl von der eigenen unwissenden Unwichtigkeit vermitteln im Anblick dieser vielleicht Millionen Jahre alten Beständigkeit.

Wir haben ja nun einen der ganz wenigen sonnigen Tagen erwischt (in den Sounds regnet es rund 300 Tage im Jahr) und darüber freue ich mich riesig. Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass es hier im Regen unbeschreiblich ist. Dann gibt es nämlich hunderte Wasserfälle und Dunst und Nebel umschliessen alles mit unwirklichem, mystischem Wabern. Sicher auch sehr, sehr speziell. Aber wir haben nun heute die Sonne und so kann ich mich im Anblick Millionen glitzernder Diamanten verlieren, die auf der Wasseroberfläche tanzen und von den Bergen herab-stürzen. Ich kann mir die strahlenden Farben der Natur anschauen, das tiefe Blau und mystische Grün des Wassers, das unvergleichliche Spiel von Licht und Schatten geniessen. Ich bin total hin und weg. Wir fahren die gesamten Sounds entlang bis ganz nach vorne, wo sie in das offene Meer münden. Jemand erzählt über Lautsprecher irgendwas von James Cook (der Knabe hat hier einfach mal alles entdeckt, besetzt, besiedelt) aber ich höre gar nicht hin. Zu sehr nimmt mich diese Schönheit gefangen, keine Sekunde möchte ich meine Aufmerksamkeit ablenken lassen. Auf dem Rückweg fahren wir ganz nahe an einen der grossen Wasserfälle heran und da ich ganz vorne im Bug des Schiffes stehe bekomme ich eine gehörige Gischtdusche ab.

Und dann treffen wir auch noch diese süssen, kleinen, pelzigen Tierchen! Die hier heimischen Seelöwen, die in der Sonne herumliegen und sich den Pelz wärmen lassen sind für mich irgendwie das i-Tüpfelchen auf diesem wundervollen Tag!

  

Mehr tolle Fotos von den Milford Sounds findest du hier……. (klick)

Am kommenden Tag geht meine Fahrt weiter nach Süden. Ich komme durch fettes, grünes, leicht hügeliges Weideland, die typischen langen Neuseeland – Wolken am strahlend blauen Himmel vervoll-ständigen eine Postkartenlandschaft. Nachdem ich gestern in den Milford Sounds irgendwie eher in Ehrfurcht und Stauenen still geworden war singt es heute wieder in mir. Es ist einfach soo schön rundherum.

Plötzlich steht da ein Schild zu den „Wetlands“ rechts ab – und schon rattere ich wieder eine Schotterpiste entlang, um zu erkunden, was es damit denn wohl auf sich hat. Ich lasse Fritz einsam auf dem kleinen Parkplatz zurück und folge ein paar Minuten einem schmalen Pfad. Bald stehe ich inmitten einer Art Flussaue, Gräser und Schilfe rahmen ein kleines Flüsschen ein, das in mehrere Teiche mündet. Ein paar Enten fühlen sich von mir gestört und stieben schnatternd auf als ich vorbei laufe. Ein kleines Brückchen führt über das kristallklare Wasser. Etwas weiter entfernt kann ich grüne Wiesen erkennen und noch weiter weg erheben sich die Berge. Eine Landschaft wie ein Gemälde! Plus Vogelgezwitscher, Insektengesumm und Freudengesang (in mir). Ich kann mich kaum von diesem Anblick losreissen….

Das ist einfach so was von toll in Neuseeland: du fährst einfach irgendeine schmale Strasse rein und dann – schwupps – findest du so was! 😀 😀

Ich fühle mich so was von entspannt heute, Die vielen Schafe auf den Weiden entlang meiner Strasse bringen mich zum Lächeln. Und die Sonne bringt mich zum Lächeln. Und der Bauer mit seinen fünf Hunden auf dem Pickup bringt mich zum Lächeln…..

Haushohe Windschutz-hecken (eine neuseeländische Besonderheit) verbergen kleine Farmen und machen Obstbäumen und Gemüse-gärten das Überleben leichter. Kühe grasen vereinzelt auf den grossen Wiesen. Heute ist Neuseeland fast schon kitschig schön – genauso wie ich es mir immer vorgestellt habe. Viel Grün, viele Schafe, ein paar Kühe und wenige Menschen, ein Fluss oder See und Berge im Hintergrund, darüber ein (meistens) blau-weisser Himmel – voilá, und genau so ist es. Ein paar Farmer fahren mit ihren Pick-ups zu den Weiden, hier und da ein Camper. Sonst nichts. Stille. Weite. Ruhe.

Die Berge bleiben irgendwann hinter mir zurück und die Landschaft wird erst ganz flach und dann wieder hügelig. Ein kalter Wind kommt auf und je näher ich dem Meer komme, desto stürmischer wird es. Und endlich! Da ist er wieder, der Ozean! Wild und laut und herrlich! Salzige, kalte Luft, hartes, struppiges Gras, das hier ist nichts für Weicheier! Heute ist ja ein schöner sonniger Sommertag und trotzdem ist das Klima hart und die Landschaft fast karg zu nennen. Ich will gar nicht wissen, wie es hier wohl im Winter ist! Man sieht der Natur deutlich an, dass hier die Elemente kämpfen. Die wenigen Bäume sind krüppelig klein und vom ständigen Wind zurecht gestutzt. Was ich total faszinierend finde: die Rinder- und Schafweiden erstrecken sich bis ganz nach vorne direkt ans Meer! Man sollte meinen, dass die ständige Beregnung mit Salzwasser kein richtiges Gras wachsen lässt, aber offensichtlich gibt es genügend Vieh, das sich sogar diesen rauhen Gegeben-heiten anpassen kann! Und diese Rindviecher hier sind keinesfalls mager zu nennen.

Zu Beginn kann ich noch an Aussichtspunkten und kleinen Buchten anhalten und die Aussicht geniessen, doch irgendwann wird der Wind so stark, dass ich kaum mehr die Tür aufbekomme und der Wind mich beinahe umwirft. Am Strand werde ich sandgestrahlt und es ist inzwischen schneidend kalt. Die Wellen peitschen ans Ufer und der Ozean macht einen rechten Lärm. Hier merke ich zum ersten Mal so richtig, dass die Antarktis nicht mehr so weit weg ist!

In dem winzigen Städtchen Riverton mache ich Halt, besuche das Museum und erlebe eine positive Überraschung! Eine sehr interessante Ausstellung über Neuseeland und seine Geschichte wird gezeigt. Sowohl Maori, als auch die europäischen Siedler werden mir lebensechten Modellen, Artefakten, interaktiven Schautafeln und kreativen Dekorationen erklärt und dem Betrachter nahe gebracht. Man kann zuschauen, wie die Maori gejagt haben und erfährt einiges über den frühen Walfang der Weissen, sowie die aufkommende Holzindustrie und die Transportwege. Einige Bilder runden die Ausstellung ab und ich finde, das ist eines der interessantesten Museen, die ich bisher in Neuseeland besucht habe.

Über die Stadt Invercargill, meine nächste Station, kann ich eigentlich gar nichts schreiben, da ich erst am späten Nachmittag hier ankomme und bereits am kommenden Morgen wieder früh weiterfahre nach Bluff.

Hier in Bluff ist nun der südlichste Punkt der Südinsel Neuseelands (nur die kleine vorgelagerte Stewart Island ist noch näher an der Antarktis!) Das Örtchen selbst scheint seine besten Tage bereits hinter sich zu haben und wirkt etwas heruntergekommen. Aber der Leuchtturm und dieses Schild (sicher eines der meist fotografierten Schilder des Landes) sind ja auch der Grund meines Hierseins. Und hier bitte: nur noch 4.810km bis zum Südpol oder 2.550km bis zur nördlichen Küste der Antarktis – sozusagen ein Katzensprung. Bevor du mich jetzt fragst: nein, ich werde mich NICHT auf ein Schiff begeben und dorthin reisen!!!! Trotzdem zur Info, du kannst mit dem Schiff von Bluff aus zur Antarktis und zurück reisen, Dauer rund einen Monat, Kostenpunkt rund 20.000 US$. Nicht zu empfehlen für Seekränkler wie mich!! 😉

Nachdem ich nun viele Tage lang nach Süden gefahren bin muss ich heute die Himmelsrichtung ändern, haha – und ich fahre nach Osten. Ich möchte eine Gegend erkunden, die sich „Catlins“ nennt. Viele Kiwis haben mir geraten, hierher zu kommen, also sind meine Erwartungen hoch. Leider wird aus dem grauen Himmel bald schon ein tiefgrauer Himmel, aus dem dann eben auch naturgemäss eine Menge Wasser fällt. Kurz – es beginnt zu giessen. Ich veruche immer wieder an interessanten Orten zu halten, um wenigsten einen kleinen Eindruck von der Schönheit dieser Gegend zu bekommen. So finde ich beispielsweise diesen kleinen See, der inmitten des Waldes ganz still da liegt, sodass sich die umgebenden Bäume in dem dunklen Wasser spiegeln.

Ein bisschen weiter erreiche ich nach einem halbstündigen Marsch diesen wunderschönen Wasserfall. 

Eine Höhle, die ich gerne besuchen würde (bietet sich ja an bei dem Wetter!) ist leider heute geschlossen. Und so fahre ich immer weiter und weiter und ehe ich mich versehe bin ich schon wieder raus aus den Catlins! Ups. Na ja, für einen ersten Eindruck hat’s gereicht – Prädikat: wiederkommen lohnt sich! Bei besserem Wetter. 😉

Da es inzwischen schon relativ spät geworden ist muss ich mich langsam mal um eine Unterkunft für heute nacht kümmern. Trotzdem fahre ich noch einen ziemlichen Umweg nach Nugget Points.  Windumtoste Klippen und ganz vorne, über dem Meer  ein Leuchtturm. Es ist bloss ein kleiner Spaziergang und der Rundumblick ist wunderschön. Der Boden der Aussichtsplattform besteht aus einem Gitter, sodass man -zig Meter weit direkt nach unten in das tosende Meer schauen kann. Nix für schwache Neven!

Im benachbarten Kaka Point beginne ich mit meiner Suche nach einer Unterkunft. Doch das ist leichter gesagt als getan! Hier ist offensichtlich ein richtiger Urlaubsspot ( wobei im Moment  niemand gross zu sehen ist), sodass die Zimmerpreise weit ausserhalb dessen liegen, was ich zu zahlen bereit bin. Also weiter fahren! Weder auf telefonische Anfrage, noch im Vorbeifahren lässt sich etwas finden. Ausgebucht, vorübergehend geschlossen oder viel zu teuer……hmmm. Einmal biege ich auf gut Glück an einem Schild B&B ab und fahre einen steilen Hügel hinauf. Ganz oben steht ein Haus, das ganze Tal überblickend, wunderschön. Eine riesige Schafherde blökt rund um das Haus, Hinterlassenschaften all überall, aber das Haus selber sieht einladend aus. Und leer. Ich klopfe und schaue und warte – kein Mensch ist da. Ich rufe und gehe rein (nicht abgeschlossen!) Tatsächlich keiner da. Es ist eindeutig eine Ferienunterkunft. Drei Schlafzimmer mit Bädern, Wohnzimmer und eine grosse Küche. Alles hübsch eingerichtet und wie auf mich wartend. Ein Zettel neben der Eingangstür informiert mich darüber, dass ich doch bitte im Bedarfsfalle die Betreiber anrufen solle. Was ich blöderweise auch mache. Natürlich ist es völlig ausserhalb meines Budgets, hier zu übernachten! Wäre ich nicht so ein ehrliches Mädchen, dann hätte ich einfach hier gecampt und wäre morgen früh (nach einer kleinen Spende) wieder abgefahren. Aber so wissen die Besitzer ja, dass ich da bin und kommen vielleicht gucken…… Das bring ich dann doch nicht, also muss ich halt weiter fahren.

Und dann kommt diese Umleitung. Wegen Bauarbeiten an einer Brücke muss ich eine Umleitung von rund 10km über Schotter fahren. Grrr……zugegeben, die Landschaft ist traumhaft schön und ich komme durch winzige Weiler, nur eine Handvoll Häuser, die ich sonst nicht gesehen hätte. Das ist schön. Trotzdem bin ich froh, nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf eine richtige Strasse einbiegen zu können. (Der überbrückte Streckenaschnitt ist ungefähr 200 m lang!)

Die Dörfer werden immer kleiner, Hostels oder B&B’s gibt es keine mehr. Es wird dunkel und ich beginne mich mit dem Gedanken zu befassen, heute nacht eventuell im Auto zu schlafen. Es regnet übrigens schon wieder. Um halb neun, ich bin hungrig und müde und ein ganz kleines bisschen übellaunig, verspreche ich mir selbst, noch bis zum nächsten Dorf zu fahren und wenn es da nichts gibt, einfach einen Parkplatz oder so zu finden, wo ich übernachten kann. Und siehe da! Ich komme in ein kleines Städtchen namens Milton, finde ein Schild „Backpacker’s“ und auf mein zaghaftes Anklopfen wird mir aufgetan. 😉

Die Tür geht auf, gemütliches Licht und angenehme Wärme schlagen mir entgegen. Ein freundlich lächelnder Mann, bereits nach dem „Hello! How are you?“ als Schweizer identifiziert bittet mich herein. Aber ja, er hat noch ein Bett frei! Hurra, hurra, hurra!

Ich trete ein und befinde mich in einem Wohnzimmer, ein Freuer brennt im Ofen, ein junger Mann sitzt auf der Couch und trinkt Tee – es sieht hier irgendwie aus, wie in einem Privathaus, gar nicht wie ein Hostel. Und es ist warm! Hach, herrlich! ich fühl mich gleich (fast) wie zuhause.

Am nächsten Morgen regnet es immer noch Bindfäden und ich beschliesse, einfach einen Ruhetag zu machen und hier zu bleiben. Es ist warm und gemütlich und mein schweizer Gastgeber ist zwar völlig schräg drauf, aber trotzdem (oder deswegen?) ein interessanter Gesprächspartner. Er bietet an, am Abend seine selbstgebaute Sauna anzuheizen, was bei uns Gästen (mittlerweile 5!) auf grosse Begeisterung stösst. Und ich sage dir, das ist die skurrilste Saune, in der ich je war!

Der alte Wassertank von einer Dampfmaschine mit einem Holzofen drin, zwei selbstgezimmerte Bretterbänke, fertig ist die Sauna. Du glaubst mir nicht? Bitte sehr, hier ein Foto des Ganzen: 

Am nächsten Morgen, es hat aufgehört zu regnen!, fahre ich weiter nach Dunedin. Eigentlich wollte ich hier durchfahren, aber meine Lesebrille hat ein Beinchen verloren und so muss ich zum Optiker und eine neue Schraube einsetzen lassen. Zum Glück, kann ich nur sagen, denn Dunedin ist ein kleines Juwel.

 

 

 

 

 

Mit Fritz über die Südinsel – Haast Pass, Wanaka, Rob Roy Glacier und Queenstown

Ausgeruht und neugierig mache ich mich wieder auf den Weg. Mein heutiges Ziel heisst Wanaka und alle Neuseeländer schwärmen von dieser kleinen Stadt.

Die Fahrt dorthin ist wieder mal wunderschön, aber da ich mich nicht immer wiederholen möchte überspringe ich das jetzt mal. Nur so viel: ich würde das hier gerne malen können!

Ich fahre durch den Mount Aspiring Nationalpark, ausgedehnte Waldgebiete, tief ausgewaschene Flussbetten mit blitzeblauem Gletscherwasser und grossen grauen Felsbrocken wechseln sich ab mit Wasserfällen und natürlich schauen in der Ferne immer wieder auch teilweise schneebedeckte Bergspitzen hervor.

 Auch heute muss ich immer wieder anhalten und finde manchmal solche Plätze wie beispielsweise dieses Flussufer, wo Leute ganz viele Steinmännchen gebaut haben. Und wie das immer so ist, einer fängt das an und alle machen mit 😀 (ich bau natürlich auch eins).

 

 

 

 

 

Der Himmel ist heute leider meist bedeckt und verschluckt die strahlenden farben, die die neuseeländische Landschaft im Sonnenlicht so kennzeichnet. Es ist sehr erstaunlich, zu sehen, welchen Unterschied Licht doch machen kann. Es ist immer noch schön, aber nicht so atemberaubend wie an den vorangegangenen Tagen.

Als ich über die Berge komme verändert sich die Landschaft dramatisch. Wo eben (auf der Westseite der Berge) noch sattes Grün, saftige Wiesen und stolze Wälder vorherrschten sehe ich nun nur noch vertrocktete Gräser, struppige kleine Büsche und Gestrüpp. Was für ein Wechsel!

Und dann komme ich an diesen See! Plötzlich strahlt die Sonne wieder vom Himmel und vor mir liegt Lake Wanaka. Tiefblau strahlt er mir entgegen, gerade so als wolle er mich willkommen heissen. Mal wieder stehe ich und staune. Der See ist riesig, von Bergen umrahmt und einfach wunderschön.

Ich kann mich kaum satt sehen, aber irgendwann knipst der Himmel einfach das Licht wieder aus und aus dem strahlend lapislazuliblauen See wird wieder ein ganz normales Gewässer. So fahre ich also weiter, immer an der Längsseite des Sees entland bis ich irgendwann links über einen kleinen Berg fahren muss. 

Und gleich voll in die Bremse. Ein weiterer See liegt vor mir und am gegenüber- liegenden Ufer beginnt Mordor. (Mordor aus den „Herr der Ringe“ Filmen).                       Der Vergleich drängt sich mir geradezu auf und ich bin total fasziniert von den dunklen, scharfkantig scheinenden Felsformationen der Berge. Nach einer Weile reisst die Wolkendecke wieder auf, der düstere, bedrückende Eindruck löst sich schlagartig auf und der See erscheint strahlend und glitzerndschön.

Noch einige Kilometer weit fahre ich durch vertrocknetes Grasland und flache Hügel. Nach der schieren Opulenz der letzten Tage empfinde ich die Landschaft als langweilig bis trostlos und frage mich insgeheim, was an Wanaka wohl so toll sein wird.

Wanaka entpuppt sich als kleines Städtchen, malerisch am See gelegen mit einer Menge hübscher Cafés, Restaurants und ein paar Läden. Es ist alles schön hergerichtet für die Urlauber, darunter durchaus auch viele Kiwis. Ich kann grundsätzlich mit dieser „Reissbrett-Schönheit“ nicht so viel anfangen, aber die Atmosphäre hier ist sehr angenehm und der rundherum von Bergen gerahmte See ist schön.  Alle sind irgendwie in Urlaubsstimmung, sitzen am Seeufer oder in den Cafés und lassen es sich gut gehen. Ich mache einen kleinen Spaziergang am See entlang, schaue den Leuten zu und finde reisen mal wieder klasse.

Am nächsten Tag mache ich mich auf John’s Empfehlung hin auf den Weg zum Rob Roy Glacier. Dieser ist in einer erträglichen Entfernung von rund 30km zu finden. Was ich bisher allerdings nicht wusste: 20km davon sind eine geriffelte Schotterpiste, die meinem armen, kleinen Auto schwer zusetzen. Hätte mich John nicht quasi genötigt, dorthin zu fahren, ich glaube, ich wäre umgekehrt.

Die Fahrt führt mich zwischen zwei Bergrücken in ein sehr langes Tag. Dort gibt es einige grosse Rinderfarmen, „Stations“ genannt, und eine riesige Hirschfarm. Ja Hirschfarm! Hirsche werden hier auf Weiden gehalten wie bei uns Kühe. Als ich für ein Foto an den Weidezaun trete kommt die gesamte Herde neugierig herangetrabt. Irre! Also so viele Hirsche hab ich noch nie gesehen 😀

Der geriffelte und geschotterte Weg rüttelt und schüttelt mich gehörig durch und geht mir auch ein bisschen auf die Nerven. Hoffentlich ist der Gletscher dieses Gemache auch wert! Hmpf….. das arme Auto! Aufmunternd klopfe ich dem Kleinen auf’s Amaturenbrett, der nimmt’s gelassen und rumpelt und rattert einfach weiter. Ich sollte ihm vielleicht einen Namen geben……           (also echt jetzt?! Wirklich?? Das ist ein Auto!!) Na und?! Darf ich vorstellen? Das ist Fritz:

(und damit wäre das Rätsel gelöst! Who the **** is Fritz?) 😉

Richtig aufregend wird es als plötzlich kleine Bäche quer über die Strasse laufen. Beziehungsweise die Strasse führt durch kleine Bachbetten. Das Wasser ist glücklicherweise nur 10cm oder so tief, da zuckt Fritz nicht mal, sondern pflügt sich vergnügt hindurch. Kleiner Wortwitz dazu: diese Fluss- oder Bachdurchfahrten heissen auf englisch „Ford“, wie auf dem Schild zu lesen steht und Fritz ist ein Ford. Der Ford im Ford sozusagen……..

Am Ende der Strasse angekommen befinden sich eine gute Handvoll Autos auf dem Parkplatz und ich freue mich auf eine schöne Wanderung. Los geht es wieder einmal über eine „swingbridge“ über einen sprudelnden Gletscherfluss und dann immer bergauf. Obwohl die tatsächliche Temperatur mit jedem gewonnenen Höhenmeter sinkt wird es mir ganz schön warm. Als der Gletscher dann schon in Sichtweite kommt muss ich allerdings trotzdem Schicht für Schicht mehr Kleidung überziehen, denn es wird empfindlich kalt. Eisiger Wind fegt vom Gletscher herunter und beisst mich in die Backen.

Der direkte Blick auf die dicken Einschichten des Gletschers wird meist ganz oder teilweise von Wolken verdeckt. Trotzdem ist die Landschaft hier ein Kracher!
Schroffe Felswände steigen fast senkrecht vor mir auf und hier und da stürzt nebelsprühend Wasser herunter. Es ist hier  so richtig hochgebirgig, kaum mehr Bäume, sondern nur noch niedrige, vom ständigen Wind verkrüppelte Büsche, struppiges, hartes Gras und jede Menge Steine.
Der eigentliche Gletscherfluss ist im Moment trocken und verleitet mich natürlich zu Klettertouren über die Brocken und Steine. Ich liebe das! Dierekt hinter mir fängt dann gleich der Wald an, durch den ich hier hochgewandert bin und auf der anderen Seite wieder eine schroffe, steile Felswand. Hier scheint ab und zu die Sonne drauf und es sieht einfach wunderschön aus. Ich stehe und schaue und freu mich so lange es geht, aber irgendwann wird es mir einfach zu kalt und ich mache mich auf den Rückweg. Und so schön es auch ist wenn man einen Rundweg laufen kann, manchmal finde ich es auch super, den gleichen Weg zurück zu gehen. Plötzlich sieht man ganz andere Dinge und hier ist die Aussicht auch auf dem Rückweg grandios! Schau doch mal, wie dieser Fluss durch das Tal mäandert! Das ist doch einfach grossartig, oder nicht?!

Auch auf meiner Rückfahrt über die Schüttelpiste finde ich noch einige sehr schöne Ausblicke, besonders jetzt, da der Nachmittag schon weit fortgeschritten ist und dieses besondere Licht die Landschaft quasi weichzeichnet. Und das Spiel von Licht und Schatten ist ja eh immer faszinierend. Auch heute   bin ich wieder rundherum zufrieden mit meinem Tag und John zutiefst dankbar für den Tip mit dem Rob Roy Glacier. Hier durfte ich wieder einmal ein ganz wundervolles Stückchen Neuseeland kennen lernen. Es geht halt doch nix über die Empfehlungen der „locals“ 😀

Am kommenden Morgen packe ich meinen ganzen Krempel wieder ins Auto und los geht es in Richtung Queenstown. Das erste „Highlight“ begegnet mir kurz nachdem ich Wanaka verlassen habe:

Was ist das denn? 😀

Ein ganzer Zaun, sicher 100 m lang, voller BH’s?! Was auf den ersten Blick lustig erscheint hat einen ernsten Hintergrund. Der „Bra Fence“ in Cardrona wurde von der New Zealand Breast Cancer Foundation (NZ Brustkrebs Stiftung) gegründet und ist natürlich recht schnell zur Attraktion geworden. Es gibt eine Spendenbox und so werden die Besucher freundlich eingeladen, ihre Fotos zu machen und gleichzeitig mit einer kleinen Spende die Forschung zum Thema Brustkrebs zu unterstützen. Natürlich darf jede Dame einen Bra hinterlassen, wenn sie das möchte. Ein ernstes Thema mit Humor den Menschen näher gebracht – find ich gut – und ausserdem ziemlich erfolgreich im Sammeln!

Schon nach kurzer Weiterfahrt komme ich am Cardrona Hotel vorbei und da mir gerade nach einem schönen Käffchen ist halt ich kurzentschlossen. Was für ein Glück! Ich bin hier gleich mal hundert Jahre zurückversetzt und ausser einem sehr guten Kaffee, serviert in einem schönen Garten bekomme ich gleich noch eine gute Portion Geschichte dazu!

Das Cardrona Hotel ist eines der ältesten in Neuseeland, um 1863 erbaut während der Goldrausch diesen Teil des Landes mit einer Menge Glücksritter versorgte. Cardrona war eine richtige Stadt mit mehreren Hotels/ Pubs, Läden und einer Postkutschenstation. Heute gibt es nur noch das Hotel und die Poststation, in der sich ein Museum befindet. Im Inneren der Gaststube führt ein original Schacht im Fussboden in das Innere der Erde, wo die Digger ihr Gold schürften. Einige Werkzeuge gibt es zu bestaunen und an den Wänden hängen vergilbte Fotos und Zeitungsausschnitte aus der guten alten Zeit. Ein Teil der Gaststube ist noch immer authentisch, die Dachbalken sind noch aus dieser Zeit, der gemauerte Kamin (in dem übrigens ein hübsches kleines Feuerchen prasselt) und sogar ein Teil des Mobiliars! Ganz ganz klasse.

Eine weitere Besonderheit gibt es an der Decke zu bestaunen: Dort hängen lauter verschiedene Geldscheine! Aus aller Herren Länder haben die Reisenden ihre Scheinchen an die Decke gepinnt.

Die Weiterfahrt nach Queenstown geht über die Crown Range und ich fahre hier auf dem höchsten, geteerten Highway der Südinsel (die Desertroad auf der Nordinsel hatte ich ja auch schon befahren!). Die Strasse windet sich in vielen Kurven und Serpentinen den Berg hinauf und ich muss ziemlich aufpassen beim Fahren. Die Hügel und Berge um mich herum sind nur wenig bewachsen, ein bisschen Grass, ein bisschen Gestrüpp, das Ganze mutet fast wie eine Wüste an. Tatsächlich soll es im Frühjahr hier schön grün sein und im Winter hat es meist Schnee und man braucht Ketten für die Fahrt über die Range.

Es ist atemberaubend hier oben. Obwohl es mehr oder weniger kahl ist hat diese Landschaft etwas Grosses  an sich. Und die Aussicht von ganz oben braucht sowieso mal gar keine Worte!  

Als ich auf der anderen Seite wieder hinunterfahre kommt der Regen. Dicke, tiefhängende, schwarze Wolken verdecken das letzte Fitzelchen Blau des Himmels und der Regen strömt nur so.

Von den berühmten „Remarkables“ bei Queenstown ist nichts zu sehen. Der See , an dem die Stadt liegt ist bleigrau und wirkt wenig einladend. Die Stadt selber ist laut und voll. Voller Autos und voller Menschen. Auf den Bürgersteigen schieben sich die Massen, in dicke Jacken gemummelt von einem Café ins nächste. Ich fahre bis hinunter an den See, parke, ziehe den Schlüssel ab………

……starte den Wagen und fahre wieder hinaus aus der Stadt. Das Wetter soll für die nächsten Tage sehr schlecht bleiben, sodass die Berge rund um die Stadt nicht zu sehen, geschweige denn zu erwandern sein werden. Und ich will nicht in einer völlig überfüllten Stadt bleiben. Sorry, Queenstown, beim nächsten Mal! (Denn eigentlich ist es hier unglaublich schön, hab ich gehört! Und hier soll es den besten Burger Neuseelands geben! Das müsste man sich als Vegetarier doch schon mal geben, oder?!)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Fritz über die Südinsel – Die Westküste

Ich kann nicht widerstehen – ich möchte die Pancake Rocks auch noch bei hellem Tageslicht sehen! Also fahre ich wieder zurück, belohne mich mit einem extra leckeren Frühstück im Café und spaziere noch einmal zu diesen besonderen Felsformationen.

Gestern waren realtiv viele Menschen hier, aber heute morgen sind nur wenige Frühaufsteher unterwegs. Und tatsächlich sehen die Felsen heute ganz anders aus, denn gestern abend waren sie orange – braun und heute sind sie grau. 😉

Irgendwann reisse ich mich aber dann doch los und mache mich auf den Weg nach Süden, den Highway 6 wieder hinunter – ist immer noch sagenhaft schön und sieht im Morgenlicht wieder anders aus – über Greymouth nach Hokitika. Mir wurde ein Besuch dieses kleinen Städtchens, das die inoffizielle Hauptstadt der Jadeschnitzerei ist, angeraten und ausserdem sollte ich unbedingt den Hokitika Gorge besuchen. Ich beschliesse, zuerst die Schlucht zu besuchen und mir den Besuch der Stadt für später aufzuheben. Zu meinem Schreck stellt sich heraus, dass dieser Gorge kanpp vierzig Kilometer im Inland ist. Kleines Zögern meinerseits…..ob sich das wohl lohnt? Ganz schön fetter Umweg für eine Schlucht…… letztendlich fahre ich aber doch.

Eine schmale Strasse führt kreuz und quer durch Weideland, immer wieder links herum und rechts herum und schon nach kurzer Zeit bin ich verwirrt 😉 Das Fahren durch saftiges Grün, immer auf die entfernten Berggifel zu macht mir aber grossen Spass und so geniesse ich die Fahrt und dass ich mir einfach so viel Zeit nehmen kann, wie ich möchte.

Vom Parkplatz zum eigentlichen Gorge ist es nur ein kleiner Spaziergang. Ich habe keine Ahnung, was mich hier erwartet und bin darum erstmal völlig und absolut geflasht. Schau dir das an! (Kein Photoshop!! Das Wasser hat WIRKLICH diese Farbe!). Ich stehe eine Ewigkeit auf dieser Brücke und trinke die Aussicht in mich hinein. Erst als ich sicher sein kann, dass ich dieses Bild nicht so schnell vergessen werde kann ich hinuntergehen und mir alles aus der Nähe anschauen. Und es singt wieder in mir. Die Natur ist hier in Neuseeland so grossartig, dass ich aus dem Staunen und Freuen gar nicht mehr herauskomme. Wahrscheinlich kann man mir diese Freude am Gesicht ablesen, denn als ich mich schliesslich lösen kann und zum Auto zurück gehe, findet folgende lustige Bebegnung statt:

An der Hängebrücke über die Schlucht werden von zwei Männern Reparaturen durchgeführt. Einer sitzt auf der Brücke und der andere hängt in einem Sicherheitsgeschirr davor und macht irgendwas (was ist das bitte für ein mega Arbeitsplatz?!!) Sie schauen auf, als ich langsam über die Brücke auf sie zukomme und winken mir aufmunternd zu. Als ich sie erreiche strahlen sie mich an und fragen „do you like it?“ und sind dabei so offensichtlich sicher, welche Antwort sie bekommen werden, dass ich nicht widerstehen kann. „ehm, yeah, guess it’s all right“ antworte ich schulterzuckend und mit ernstem Gesichtsausdruck. Dem einen fällt vor Schreck fast das Werkzeug aus der Hand und beide starren mich völlig fassungslos an. Ich fange schallend an zu lachen und so kommen sie darauf, dass sie mir voll auf den Leim gegangen sind. Gutmütig stimmen sie in mein Gelächter ein und wir unterhalten uns sicher zehn Minuten über die Schönheit der Natur im Allgemeinen und „ihrer“ Schlucht im Besonderen.

Die beiden Männer haben mir sehr ans Herz gelegt, auch noch den benachbarten See zu besuchen. Auch in Neuseeland bedeutet dieses benachbart keinesfalls, dass der See wirklich in der Nähe ist! Dennoch nehme ich auch diesen Umweg noch mit und bereue es keinen Moment, denn was ich entdecke ist einfach nur wunderschön! Der Frieden und die Ruhe nehmen mich auf und ich fühle mich völlig eins und im Einklag mit mir selbst und meiner Umgebung. Manchmal findet man „durch Zufall“ diese Orte und erlebt etwas so Ausser- gewöhnliches, das es mit Worten nicht zu beschreiben ist. So geht es mir jetzt und hier.

Es ist bereits Nachmittag als ich mich hier losreissen kann und mich wieder auf die Strecke begebe. Den Besuch in Hokitika lasse ich ausfallen; ich hab jetzt keine Lust auf Shops und Touristenrummel. Weiter nach Süden auf dem Highway 6, immer noch grandiose Landschaft und inzwischen nun auch die ersten wirklich schneebedeckten Gipfel. Das ganz Besondere daran ist, dass sich diese Gipfel in unmittelbarer Nähe des Ozeans befinden. Leider sind mittlerweile dicke Wolken aufgezogen, sodass ich davon kein Foto habe. Aber stell die vor du fährst auf einer Strasse und hast rechts neben dir den Ozean. Wellen rollen heran und brechen sich gischtspritzend und grollend am Ufer. Wenn du nun geradeaus schaust, dann siehst du in der Ferne einen hohen Gebirgszug, der sich von links nach rechts erstreckt; spitze, hohe Gipfel, Felsen, Schnee und Wolken bis direkt ans Meer. Ich hab das noch nie gesehen! Schnee und Gebirge und Meer ganz dicht beeinander.

Langsam beginne ich damit, mich nach einer Unterkunft für heute nacht umzuschauen. Dabei komme ich hieran vorbei! Spassiges Völkchen, diese Kiwis, oder?! 😀  Ein weiteres spassiges Exemplar begegnet mir in Form eines Wirtes. Ich halte in einer kleinen Ortschaft, ein paar Kilometer vor den berühmten Gletschern weil ich denke, dass ich hier vielleicht leichter und günstiger ein Zimmer bekomme als direkt dort, wo alle sind. Ich frage also im Pub und ja, sie hätten ein Zimmer frei. Ob ich denn mit eigener Dusche oder mit Gangdusche wolle, werde ich gefragt. Ich möchte gerne beide Zimmer sehen. Das erste ist gleich nebenan und ist ungefähr 2,5x2m gross, darin steht ein Metallbett mit fadenscheinigen, schmuddeligen Bezügen. Ende. Siebzig Dollar (kanpp 50 Euro) will der Wirt dafür haben. Ich schaue ihn erst ungläubig an und fange dann  an zu lachen, im Glauben er mache einen Scherz. Er wartet bis ich mich beruhigt habe und setzt noch obendrauf: Frühstück und Wifi inklusive! Ich verlasse fluchtartig das ungastliche Etablissement und fahre bis zum Franz-Josef-Glacier durch, wo ich ein Bett in einem ganz normalen Hostel mit ganz normalen Leuten für fünfundzwanzig Dollar bekomme.

Am Morgen fahre ich gleich nach dem Frühstück zum Gletscher. Leider ist der Himmel dick bewölkt, sodass ich wohl nicht allzuviel sehen werde. Aber einen Versuch will ich auf jeden Fall starten.
Gerade als ich aus dem Auto klettere fängt es an zu nieseln. Spassverderber! Also Regenjacke an, Kapuze überstülpen und auf geht’s den Berg hoch!

Als erstes komme ich an einem hübschen kleinen Lookout vorbei und kann tatsächlich kurz einen beeindruckenden Blick auf den Gletscher erhaschen, bevor sich das Wolkenloch wieder schliesst. Obwohl ich relativ weit weg bin finde ich das jetzt doch extrem schön und so wandere ich mit neuem Mut – da positives Vorzeichen, du verstehst? – beran. Ich werde mit einem wunderschönen bushwalk belohnt! Schau dir diese Reflektion in einem stillen kleinen Teich an: Der Weg ist schmal und ziemlich steil, immer wieder mit kleinen Kletter- partien bestückt und fordert meine Aufmerksamkeit. Ich liebe es, wenn nicht alles eingeebnet und super einfach ist. 😉 Das Tosen des Gletscherflusses tief unten und die teilweise beeindruckenden Aussichten sind klasse, aber mein persönliches Highlight heute ist diese Hängebrücke! Bei verschiedenen Wanderung bin ich inzwischen schon über so manche „swingbridge“ gelaufen, aber diese hier ist der Hammer! Nur eine einzige Planke breit und keine Ahnung wie lang – 150m vielleicht? und mal noch richtig hoch! Natürlich verdienst sie ihren Namen und schwingt ganz gehörig. Aber schliesslich will ich kein Hasenfuss sein und so wage ich mich über die Brücke. Glücklich drüben angelangt und mächtig stolz auf mich selber werde ich doch gleich schon wieder herausgefordert! Ein ziemlich grosser bunter Vogel setzt sich auf’s Brückengeländer und schaut so richtig auffordernd zu mir her. Na, traust du dich? scheint er mir zuzurufen. Dieses Foto beweist, ich hab mich getraut. 😉
Nach ungefähr zweieinhalb Stunden komme ich an einen schönen Aussichtspunkt und kann mir nun wieder einen Überblick über die Wetterlage verschaffen. Es hatte inzwischen zwar aufgehört zu nieseln, aber die Wolken türmen sich dick und träge und erlauben keinerlei Sicht mehr. Kein Fetzelchen Blau lässt auf ein Aufreissen hoffen und so beschliesse ich schweren Herzens, dass ein weiterer Aufstieg keinen grossen Sinn ergibt und kehre zu meinem Wagen zurück.

Den benachbarten Fox Glacier schenke ich mit gleich komplett, denn hier ist die Suppe noch dicker und es regnet Bindfäden.

So fahre ich also weiter die Westküste entlang, halte so oft ich will, also Aussichtspunkten, Stränden, Brücken, Flussläufen……immer wenn es irgendwie schön aussieht. Vielleicht kannst du es dir denken – ich komme nicht wirklich flott voran. Aber es gibt doch auch soo viel zu sehen, ich bin ganz aufgeregt! Und ich habe bereits enge Bekanntschaft mit den gefrässigsten Bewohnern Neuseelands geschlossen. Die hundsgemeine Sandfliege ist hier zuhause und macht Urlaubern und Einheimischen das Leben schwer. Einer alten Maorilegende nach wurde die Sandfliege von einer wunderschönen Maoriprinzessin damit beauftragt, die schönsten Strände und Landschaften Neuseelands zu beschützen und gegen Eindringlinge zu verteidigen. Und das tut sie bis auf den heutigen Tag! Glaub mir, du möchtest nicht lange an einem Strand mit Sandfliegen bleiben! Glücklicherweise haben mich Sally und John gewarnt und so gehe ich nur komplett angezogen (Schuhe, Socken, lange Hose, Pullover, Jacke mit Kapuze, Sonnenbrille) aus dem Auto. Manchmal kriegen mich die Biester zwar trotzdem noch, aber eben nur mal ein vereinzelter Biss.

Mittlerweile ist es schon später Nachmittag geworden, die Sonne steht bereits tief und ich sollte mich langsam mal um ein Quartier kümmern. Aber diese eine Beach hier, die schau ich mir noch an…..und schau mal, was für eine Schönheit sie ist! Da hier die Flut immer so hoch ist findet man an vielen Stränden kleine oder grössere natürliche „pools“, die das Meer bei Ebbe zurück lässt. So auch hier. Spiegelglatt und glänzend steht das Wasser und der mittlerweile blitzblaue Himmel spiegelt sich ganz klar darin. Manukas (tea trees) haben mit ihrem Extrakt das Wasser dunkel gefärbt und so ergibt sich das schönste Farbenspiel. Herrlich!!
Weiter geht’s am Strand entlang, die Wellen schlagen spielerisch an den Strand, der helle Sand stiebt manchmal ein bisschen auf im leichten Wind und ich bin schon wieder einmal restlos glücklich.
Und dann kommt es sogar noch besser!! Ganz plötzlich sehe ich sie. Delphine!!! Ganz nah am Ufer – vielleicht sechs dieser Meeressäuger spielen hier direkt vor meiner Nase. Ich stehe und staune und schaue ihnen zu bis sie ausser Sichtweite sind. Und es stört mich kein bisschen, dass die Sandfliegen ein fettes Abendessen an mir haben.

Im nächsten Dörfchen angekommen – Hass Township – finde ich ein Bett in einem netten Hostel und noch immer aufgeregt muss ich sofort meinen Zimmernachbarinnen von den Delphinen berichten. Hahaha, sie waren eventuell ein klein bisschen überfordert mit meiner überschäumenden Euphorie, aber ich musste das einfach jemandem erzählen. 😉

Nach dem Abendessen schnappe ich mir kurzentschlossen die Autoschlüssel noch einmal und fahre die 10 Minuten von meiner Unterkunft bis an den Strand zum Sonnenuntergang. Ich kann mich heute einfach nicht dazu bringen, im Hostel herum zu hocken, sondern ich muss nochmal raus und den Tag verabschieden. Call me crazy, but…..

Und was soll ich dir sagen? Als hätte er mich gerufen, der Sonnenuntergang – zum Weinen schön! Ich stehe und staune und sauge diese Farben in mich auf und werde ganz still und klein und gross und……kann man eigentlich soviel Schönheit, Grandiosität und Überwältigendes an einem einzelnen Tag überhaupt aushalten?
Reich beschenkt falle ich heute in mein Bett und quasi bevor mein Kopf das Kissen berührt schlafe ich bereits.

Lust auf mehr Fotos? Finde hier eine kleine Slideshow vom bushwalk am Franz-Josef-Glacier und meiner Begegnung mit der Hängebrücke (Klick hier)

Mit Fritz über die Südinsel – Castle Rock, Arthur’s Pass und Pancake Rocks

Frisch durchgecheckt, repariert und vollgedankt präsentiert sich der kleine grüne Ford, nimmt willig mein Gepäck und mich auf und los geht’s, um gemeinsam ein weiteres Stück Neuseeland zu erkunden!

Es ist immer aufregend, einen neuen Reiseabschnitt zu beginnen. Jedes Mal ist es wieder ganz anders, ich muss mich immer wieder ganz neu einstellen, Vergangenes bewusst hinter mir lassen und mich dem Neuen öffnen. Heute steht der Beginn eines roadtrips an, ich bin zum ersten Mal ganz alleine mit dem Auto unterwegs und habe bis auf Weiteres keine Reisebegleitung, kein „Zuhause“ und auch keinen richtigen Plan, wie wo was jetzt ansteht. Für heute weiss ich lediglich, das ich in Richtung Westen zur Küste fahre. Spannend!

Ich fahre lange Zeit durch Weideland, Rinder, Schafe und viele Pferde, die Farmen werden grösser, liegen weiter auseinander, die Städtchen werden kleiner.

Die Berge, die ich von meinem Zimmerfenster aus sehen konnte kommen nun näher. Vor ein paar Tagen hatte es dort geschneit (!!) und die obersten Bergspitzen sind immer noch weiss betupft. Am Wegesrand finde ich „Perlen“ wie diese hier:

 

 

Dann geht es bergauf. Eine kurvige aber gut ausgebaute Strasse führt mich hinauf und hinter jeder zweiten Kurve muss ich anhalten und ein Foto machen, so schön ist die Landschaft. Meinen ersten richtingen Stopp mache ich bei den Castle Hills. Hier gibt es wunderschöne Kalksteinformationen zu bewundern und zu bewandern. Ein Foto kann leider die Grandiosität dieser Landschaft auch nicht annähernd wiedergeben, hier hab ich aber dennoch ein paar Eindrücke für dich:

Ich könnte den ganzen Tag hier herumwandern, auf die einzelnen Steinbrocken klettern und mir die Welt von da aus anschauen. Und die Aussicht ist rundherum so schön! Ich finde Berge einfach toll. Die Weite im Flachland ist zwar auch schön und hat durchaus etwas Faszinierendes, aber die Berge sind doch noch schöner!

Ich fühle mich herrlich entspannt und……. na ja, irgendwie – frei. Ich kann hier bleiben oder weiterfahren. Ich kann anhalten, wo immer es mir passt. Ich kann Musik hören solange und so laut ich will oder ich kann einfach leise und still sein. Es ist herrlich!! 😀

Ich fühle mich beim Weiterfahren ein bisschen an in die europäischen Alpen erinnert. Das Bergpanorama, die Föhnwolken (die heissen übrigens hier auch so, also Föhn Clouds!!)……, das wird noch verstärkt als ich in ein klitzekleines Dörfchen komme, das aus lauter Ferienhäusern besteht. Und die sehen zum Beispiel so aus:

Die Weiterfahrt ist ein echtes Highlight an Landschaft. Bereits wenige Kilometer weiter komme ich schon wieder an eine interessante Stelle. Hier wurden Teile der Narniafilme gedreht und ich bleibe glücklicherweise auch hier eine Weile und wandere herum, geniesse die warme Sonne und die immer noch grandiose Aussicht.

Inzwischen bin ich schon mittendrin im Arthur’s Pass National Park. Hier würde normalerweise auch ein Zug fahren, der TraNZalpin aber leider wurden durch ein verheerendes Buschfeuer mehrere Brücken und Gleisabschnitte extrem in Mitleidenschaft gezogen oder sogar zerstört, daher fährt der Zug von Christchurch über Arthur’s Pass nach Greymouth im Moment nicht. Allerdings ein echter Knaller für Eisenbahnfans! Ich glaube, ich komm irgendwann nochmal her und mach diese Fahrt. Es ist einfach unglaublich schön hier in den sogenannten „Südlichen Alpen“. Vielleicht sogar im Winter? Im Sonnenschein durch diese Berge zu fahren und das Schneeglitzern im Blick……..atemberaubende Vorstellung!

Im Bergdorf von Arthur’s Pass mache ich Mittagspause. Eigentlich bin ich schon randvoll mit Eindrücken und schönen Bildern und doch ist es erst kurz nach Mittag. Der frühe Vogel … 😀 😀

Ich spaziere ein bisschen im Dorf herum, sitze eine Weile am Fluss und erwandere dann diesen grandiosen Wasserfall am Talausgang. Es geht steil bergauf und ich komm ganz gut ins Schwitzen. Aber es ist ein wunderschöner Weg und nach dem ganzen Autofahren eine wahre Wonne. Irgendwo  unterwegs komme ich an diesem lustigen Schild vorbei (zur Erklärung: Kiwi ist ein in Neuseeland beheimateter einzigartiger Vogel. Er hat keine Flügel, ist unscheinbar braun und nachtaktiv. Das heisst, man bekommt ihn praktisch nie zu sehen. Dennoch haben die Neuseeländer ihre Kiwis lieb und diese sogar zu ihrem Wappentier erkoren. Die bei uns so beliebte Kiwi (Frucht) heisst hier richtigerweise Kiwifruit. Also auch die neuseeländischen Hunde killen keine Kiwifrüchte, sondern nur Kiwivögel) 😉

Ich verschone dich jetzt mal mit weiteren Fotos von Grün und Bergen und Aussicht, sonder präsentiere ein Stück aufregender neuseeländischer Ingenieurskunst, den Otira Viadukt! (Mit Aussicht, hihi). Das ist mal eine Riesenbrücke, sehr hoch und sehr freistehend! 440 m lang und rund 40 m hoch und ich ganz alleine auf dieser grossen Brücke. Ziemlich mulmiges Gefühl wenn man da darüber fährt.

Eine weitere verkehrstechnische Besonderheit sind die sogenannten „one lane bridges“, also Brücken mit nur einer Fahrbahn. Das kann eine Minibrücke über irgendeinen kleinen Bach sein oder auch eine superlange Brücke über einen breiten Fluss. Es gibt nur eine Fahrspur und du kannst dir sicher sein, dass du seit dreissig Minuten kein Auto gesehen hast aber trotzdem an der nächsten Brücke mit Sicherheit Gegenverkehr hast! Ist kein grosses Problem, denn die Vorfahrt ist geregelt, das Verkehrsaufkommen mehr als übersichtlich und schliesslich hat man ja auch keine Eile, sondern kann schnell noch ein paar Fotos schiessen während man wartet. 😉 Aber speziell ist es auf alle Fälle, zumal es tausende dieser Brücken im ganzen Land gibt. (Genauer gesagt, es gibt so gut wie keine anderen ausser in den richtig grossen Städten.)

Beim Schiessen des Viadukt Fotos bekomme ich Besuch von einem Kea (Vogel). Ich bin ganz aufgeregt und fange sofort an, Fotos zu machen. Diese Vögel sind nicht besonders scheu, sondern bereits sehr an Menschen gewöhnt. Sie kommen mit Vorliebe zu Park- und Picknickplätzen, wo sie leider oft gefüttert werden oder im Müll nach Futter suchen. (Das Fressen der ungewohnten Nahrung führt in sehr vielen Fällen zum Tod des Tieres). Mein Exemplar hier hat noch zwei Freunde mitgebracht und gemeinsam machen sie sich daran, die Gummis an meinen Autoscheiben abzuknabbern. Einer versucht ernsthaft in das Innere des Wagens zu kommmen. Frech wie Oskar, die Biester!

Es ist schon ziemlich spät am Nachmittag als ich an der westlichen Küste ankomme. An der Kumara Junction muss ich eine Entscheidung treffen: nördlich zu den Pancake Rocks (eine weitere Kalksteinformation) oder gleich südlich in die eigentliche Fahrtrichtung? Dreimal darfst du raten! Pancake Rocks ich komme!! Die Fahrt dauert rund zwei Stunden und geht fast die ganze Zeit an der Küste entlang. Ich bin auf dem berühmten Highway 6, dem längsten Highway der Südinsel. Ganz ehrlich? Dieser Abschnitt hier (er heisst Great Coast Road) steht der berühmten Great Ocean Road in Australien in Nichts nach! Es ist eine wunderschöne Fahrt. Die Sonne steht schon recht tief über dem Meer und taucht die Natur in satte Farben. Glänzende, sattgrüne Blätter, Gräser und Bäume auf der einen Seite und den tiefblauen, glitzernden Osean auf der anderen – das ist ein Schauspiel, das ich so schnell nicht vergessen werde. So was von einer richtigen Entscheidung!

Kurz vor Sonnenuntergang komme ich an den Pancake Rocks an. Du kannst gleich selber schauen, warum die so heissen, wie sie heissen, nämlich Pfannkuchenfelsen.

Der Kalkstein ist in Schichten waagerecht übereinander abgelagert, das macht diese Felsen echt zu etwas Besonderem. Ich hab sowas jedenfalls noch nie gesehen. Das Schattenspiel der untergehenden Sonne macht es noch einmal spezieller und ich bin völlig verloren im Anblick dieses Naturschauspiels. Als die Sonne letztendlich untergegangen ist bin ich rechtschaffen müde und hungrig. Bis zum nächsten Dorf sind es nur ein paar Minuten Fahrt. Das Hostel hat gleich mal ein „no vacancy“ Schild draussen und so fahre ich direkt weiter zum Pub. Ich frage nach einer Unterkunft und der sehr hilfsbereite Kellner telefoniert ein bisschen herum und findet ein günstiges Zimmer für mich. Glücklich bestelle ich mir ein Abendessen und falle geschafft auf einen Stuhl. Was für ein Tag!!

Nach rund fünfzehn Minuten Fahrt erreiche ich das Dörfchen, wo mein Hostel sein soll. Ich fahre die zwei Strassen hoch und runter (es ist stockdunkel und natürlich ist kein Mensch auf der Strasse) und das einzige einem Hotel ähnelnde Gebäude ist verschlossen und dunkel. Ich halte trotzdem und gehe zum Hintereingang des Hauses, wo ich Licht sehe. Tatsächlich! Auf mein Klopfen kommt eine ältere Dame angewackelt, die schon auf mich gewartet hatte. Das Hotel sei wegen Umbauarbeiten geschlossen, aber sie würden ein paar Backpackerzimmer und Zeltplätze vermieten. erzählt sie mir. Aha! Oje! Na ja, für eine Nacht….. erfreulicherweise ist das Zimmer einigermassen okay, das Wasser in der Dusche heiss und das Bett gemütlich.

Das war ein langer Tag heute! Ich hab mich kaum ins Bett gekuschelt da bin ich auch schon weggeschlummert. Entsprechend früh bin ich auch am kommenden Morgen wieder wach. Ich spaziere an den nahegelegenen Strand und werde friedvoll, leise und so schön begrüsst. So eine frühe Morgenstimmung hat ja schon auch was! Ganz alleine schlendere ich am Strand entlang, lausche dem plätschernden Flüstern des Ozeans und schaue dem jungen Tag beim Aufwachen zu. Der Dunst verzieht sich, die Farben kehren zurück. Noch ist es kühl und schattig, da die Sonne es noch nicht bis über die Berge geschafft hat, aber der Tag ist da und damit ein neues, noch leeres Blatt in meinem Buch……