Abenteuer Outback – offroad durch die Simpson Desert

Mein Flug von Tahiti geht erst mal nach Auckland, wo ein paar Stunden „schlafen“ am Flughafen angesagt sind (warum muss es eigentlich auf Flughäfen immer so verflixt kalt sein???)  und früh morgens weiter nach Brisbane. Vom Flughafen aus mit dem Bus weiter zur Sunshine Coast und endlich, endlich komme ich in Minyama an.

Es ist ganz toll, wieder in Australien zu sein! Schon erstaunlich, denn eigentlich hab ich Australien nur gemacht weil es quasi auf dem Weg nach Neuseeland liegt. Und jetzt hat mich dieser Kontinent voll gepackt!

Julia und Len sind ganz aus dem Häuschen, dass ich wieder da bin und ich selber bin auch total happy. Es ist so schön, wieder hier zu sein! (Zur Erinnerung: die beiden sind meine ersten Workaway-Hosts gewesen). Eine Umarmerei ist das, fast wie wenn eine Tochter nach Hause kommt. Da kann einem grad mal das Herz aufgehen!
Bei einer schönen Tasse Earl Grey (seufz….) verplaudern wir den Rest des Nachmittags und den Abend. Aber gleich am kommenden Morgen legen wir los. Viel Zeit bleibt uns nämlich nicht bis zu unserem grossen Trip in die Simpson Desert: in zwei Tagen muss alles organisiert, verpackt und verstaut sein!

Für mich bedeutet das eine Art Kulturschock: von den winzigen tropischen Inseln in die riesige Wüste, von üppriger Vegetation zu Sand und Steinen, von übersichtlicher Infrastruktur zu unfassbarer Weite – kurz von einem Extrem ins Andere. Spannend!
Der Pathfinder ist zum Generalcheck in der Werkstatt und muss abgeholt werden, letztes Campingequipment muss besorgt und die nötigen Lebensmittel eingekauft werden.
Wir haben bloss eine Kühltruhe für die frischen Sachen, für drei Leute und neun Tage! Das ist eine hausfrauliche Herausforderung, aber glücklicherweise haben die beiden die Tour vor ein paar Jahren schon einmal gemacht und wissen daher ziemlich genau, was auf sie zukommt. Ausserdem sind sie Profi-Camper, was mir als Anfängerin natürlich sehr zugute kommt.

Trotzdem überlegen wir uns genau, wer wann was isst (Frühstück, Mittag- und Abendessen), wann wir in einem Roadhouse essen können, wann wir voraussichtlich ein Feuer haben werden und noch vieles mehr. Im Supermarkt gehen mir fast die Augen über, was Julia alles einkauft! Ich weiss ja schon, dass sie ein Hamsterer ist, aber unsere beiden Einkaufswagen laufen fast über und noch immer hat sie nicht alles, was sie für notwenig erachtet. Sie kauft unter anderem auch sehr viele Konserven aller Art. Auf Nachfrage erklärt sie mir, dass das die Notfallrationen sind, also falls wir aus irgendwelchen Gründen eben länger als die vorgesehenen Tage in der Wüste sein müssen (Unfall, Autoschaden oder ähnliches). Hm, macht Sinn irgendwie.

Len kümmert sich in der Zwischenzeit um solche Dinge wie Werkzeug, Ausrüstung, Ersatzreifen, Bezinkanister, Wassertank und den Wagen. Irgendwann haben wir vermeintlich alles beieinander – Berge an Zeugs, ich sag’s dir! Und dann schlägt meine grosse Stunde, hahaha. Es geht darum, alles so im und auf dem Auto zu verstauen, dass a) die Dinge, die wir tagsüber brauchen immer griffbereit sind, b) nichts klappert oder durch die Gegend fliegt und c) wir noch alle drei ins Auto passen. Ich bin ziemlich gut in solchen Sachen (meine Kinder ziehen mich immer damit auf, wenn ich vom Markt komme und versuche, alles in den Kühlschrank zu bekommen: „Mama, spielst du wieder Tetris??“ Wie auch immer, jetzt kommt mir das zugute und wir haben in relativ kurzer Zeit das komplette Auto gepackt.

Die Aufgabenteilung ist klar: Len fährt und macht morgens das Frühstück, Julia ist für die restliche Verpflegung zuständig und ich für das Packen des Wagens.

Frühmorgens um drei fahren wir los. Es geht für Stunden in Richtung Westen und Julia und ich machen bald die Augen wieder zu. Gegen neun kommen wir in einer Stadt namens Chinchilla an. Hier treffen wir auf den Rest der Wüstentruppe, so dass wir insgesamt zu zehnt sind. Lauter waschechte Aussies und ich! Die Chinchilla – Outback – Leute sind Daniel, der hier unglaublicherweise ein Multi-Millionen- Computergeschäft führt und seine winzige Frau Terry auf einem nigelnagelneuen, riesigen Nissan mit einem Campertrailer, also einem Anhänger; dann Ben, ein stiller Nerd, der bei Daniel in der Firma arbeitet und seine kräftige, eher maskuline Freundin Sami, sowie Matt, ein noch sehr junger Mann auf einem Mitsubishi; den dritten Wagen, ein Ford Maverick fährt Nood, ein grosser, stiller Farmerssohn, der wahrscheinlich hilfsbereiteste Mensch der Welt und mit ihm fährt Brett, frisch geschieden, depressiv, ein bisschen ungepflegt, schlechte Zähne im Mund und immer barfuss.

Wir sind also vier Frauen und sechs Männer, alle ausser mir sind offroad-, camping-, und wüstenerfahren. Ausserdem sprechen sie schweren Aussie-Slang…..huch, da bin ich jetzt aber schon ein bisschen unsicher….

Und dann merke ich, dass ich meine Kamera zuhause vergessen habe! Sie liegt noch im Wohnzimmer auf dem Tisch……aaaahhhhh, grrrrrmpfffff!!!!!! Jetzt komm ich schon mal in die Wüste und dann hab ich keine Kamera dabei!!! Da muss halt das Handy herhalten (sorry dafür!)

Nach einem schnellen Frühstück machen wir uns im Konvoi auf den Weg. Wir haben CB-Funk im Auto! Cool! Ich hab das noch nie so in echt gesehen, bloss immer im Fernsehen. Noch benutzen wir ihn bloss zum Spass, doch in der Wüste werden wir ihn tatsächlich brauchen.
Wir fahren den ganzen Tag durch’s Outback. Die Strasse ist gut und wir kommen zügig voran, aber nach fast fünfzehn Stunden Fahrt will ich nur noch eins: raus aus der verd…..Blechkiste!! Len ist die gesamte Strecke gefahren, obwohl ich  mehrmalsangeboten habe, ein Stück zu übernehmen. Hammer! Wir schlagen unser Lager irgendwo in der Pampa neben der Strasse auf. Julia und Len haben ein normales Zelt und für mich ein Pop-up Zelt, Ben, Sami, Matt und Brett schlafen in sogenannten „swags“ (very aussie), das ist so eine Art Biwakzelt, sieht aus wie ein halbes Rohr aus wasserdichtem, festem Canvas in militärgrün mit einer Matratze drin; Nood hat ein rooftop-Zelt auf seinem Auto (sehr cool!) und Terry und Daniel haben es ganz komfortionös und kurbeln einfach ein Luxuszelt aus ihrem Campinganhänger.

Auf mehreren Campingkochern wird nun das Abendessen gekocht und ausser Julia, Len und mir trinken alle eine Menge Bier. Aussies halt – hier werden einige Vorurteile bestätigt: sie laufen barfuss oder höchstens in „thongs“ (Flip Flops) herum, reden laut und viel, lachen laut, trinken viel, hauptsächlich Bier und essen viel, hauptsächlich Fleisch. Eier und Bacon.
Ich bin ehrlich gesagt ganz schön groggy und daher gar nicht böse, dass wir uns nach dem Essen relativ schnell zurückziehen. Bei einer Tasse Tee sitzen wir drei aber doch noch einen Moment vor unseren Zelten und starren in den Himmel hinauf. Millionen von Sternen blinken über uns und da im Umkreis von zig Kilometern einfach nichts ist kann man so viele Sterne sehen wie sonst nirgends. Atemberaubend schön! Und still. Kein Lärm, keine Autos, kein Telefongebimmel. Nur Stille, Ruhe, Weite. Und „prickles“!! Verd……dorniges, stacheliges Unkraut, Kletten und was weiss ich. Hängen sofort überall an Schuhen, Socken, Hosen und pieksen erbärmlich.

Am kommenden Morgen sind wir alle schon vor Sonnenaufgang auf den Beinen. Es ist ziemlich kühl und ich freue mich, dass Len schon den Tee fertig hat als ich mich mühsam aus meinem Zelt quäle. Viel Zeit zum Aufwachen habe ich allerdings nicht, denn es heisst zack zack frühstücken und dann alles in und auf das Auto packen. Ich muss also noch halb schlafend dieses Pop-up Zelt wieder zusammenfalten und in seiner Tasche verstauen. Ich weiss nicht, ob du mit diesen Zelten irgendwelche Erfahrung hast – ich nicht. Und Len hat mir schon ausführlich erzählt wie er und andere eewig herumgemacht haben, bis das Ding wieder eingepackt war. Erstaunlicherweise krieg ich das auf Anhieb hin, keine halbe Minute und fertig. Len ist völlig geplättet und lobt wieder einmal die deutsche Arbeitsweise. Hahaha……
Wir werden auch heute wieder stundenlang fahren bis in eine berühmte Stadt namens Birdsville, von wo aus wir unseren eigentlichen Trip starten.

Weiter geht es also durch das Outback. Wir sehen eine Menge Känguruhs und Emus, manchmal ganze Familien dieser grossen straussähnlichen Vögel. Kühe grasen überall, was beweist, dass das Land, durch das wir seit Stunden fahren als Farmland genutzt wird. Und die Tiere sehen sogar gut aus, wohlgenährt und gesund. Mir ist schleierhaft, wie das geht, denn es gibt hier kaum Grass sondern bloss Gestrüpp und Dornen. Aber anscheinend ist das eine genügsame Rasse. Die Farmen sind übrigens riesig hier und die Farmer treiben ihre Rinder meist per Motorrad und per Hubschrauber, „Heli-Mastering“ wird das genannt.

Zu Mittag halten wir kurz in einer niedlichen kleinen Stadt namens Wyndora und essen einen typische australischen Hamburger. Das australische daran ist übrigens die Rote Beete. Aussies essen soo viel Rote Beete! Am liebsten gegrillt oder gebacken. Und im Hamburger. 😉 Dieses raodhouse ist wirklich überhaupt gar nichts Besonderes, es gibt Sprit und einen Werkstattservice, einen Minishop für das Lebensnot-wendigste (wie Marmelade, Zigaretten, Glitzerthongs, Postkarten und Dörrfleisch) und die Hamburgerbraterei. Aber das Geschäft scheint zu laufen, da mehr oder weniger alle Leute, die in die Wüste fahren hier einen Stopp einlegen und meine Aussie-Reisegefährten sind super glücklich mit ihren Burgern. Es gibt auch einen vegetarischen für mich (mit extra Rote Beete!) und er schmeckt sogar gut!

Am späten Nachmittag kommen wir in Birdsville an, eine kleine Stadt mitten im Nirgendwo. Hier ist der Start- und Endpunkt für Touren durch die Simpson Desert und einmal im Jahr findet ein kontinentweit berühmtes Pferderennen statt. Dann wird die Stadt von Australiern aus dem ganzen Land überschwemmt, die hier für ein paar Tage einen drauf machen (schau mal genau auf das Ortsschild!). Jetzt präsentiert sich das Städtchen allerdings eher verschlafen. Wir fahren auf den Campingplatz, wo wir die Nacht verbringen werden und bauen unser Lager auf.

Dann spaziere ich ein wenig herum und schaue mir an, wie die Aussies so zum Camping fahren. Viele haben umgebaute Landrover und es ist sehr interessant zu sehen, wie diese Autos bis viel Sachverstand um- und ausgebaut wurden und wie sinnvoll gepackt wird. Natürlich haben auch viele einen richtigen Offroad-Camper und das sind mal Geschosse! Richtige Häuser auf Rädern, aber eben offroad tauglich und mit dem ganzen extra Equipment, das man hier eben so braucht. Mir fällt übrigens auf, dass die meisten Leute hier schon deutlich jenseits der Fünfzig sind. Alle sind aufgeschlossen und jeder redet mit jedem, das gefällt mir.

Nach der letzten Nacht unter freiem Himmel und zwei vollen Tagen im Auto – wir sind gerade mal schlappe 1.580km gefahren, in zwei Tagen! – geniesse ich in vollen Zügen die heisse Dusche, wahrscheinlich die letzte für die nächsten Tage. Dann gibts Abendessen und ab in’s Zelt.

Heute nacht ist es mal richtig kalt! Warum hab ich bloss meine schöne warme Winterjacke nach Hause geschickt??? Ich ziehe alle meine Klamotten übereinander an und fühle mich wie eine Presswurst. Trotzdem ist mir noch immer kalt. Am schlimmsten ist es am morgen, wenn ich aus dem Schlafsack raus muss. Aber Len lockt mich mit einer Tasse dampfend heissem Earl Grey Tea und wer mich kennt, weiss, dass das das ultimative morgentliche  Lockmittel ist. 😉

Das Zusammenfalten des Pop-up Zeltes ist heute ein einziger Kampf. Ich krieg dieses blöde Ding einfach nicht so geklappt, dass es in die Tasche passt. Len scheint zufrieden zu sein – sein Weltbild ist wieder gerade gerückt. 🙂 Irgendwann hab ich es geschafft und gleichzeitig den Kniff entschlüsselt, sodass ich es von nun an hinkriegen sollte. Und alle sind jetzt gut gelaunt, da ich als Gruppenclown die Stimmung der gesamten Bande angehoben habe und runderherum fettes Grinsen auf den Gesichtern zu sehen ist.  Grrmpff. Klar, die rollen ja auch bloss ihre swags zusammen oder kurbeln ihre Zelte rauf und runter……. aber morgen bin ich es, die lacht! 😉

Nach dem Frühstück stellen wir uns alle vor dem landesweit berühmten Birdsville Pub auf für ein Gruppenfotos von uns und den Autos. Vollgepackt, die Positionsflaggen angebracht, die Benzinkanister voll und die Ersatzreifen aufgepumpt so stehen die Karossen da und scheinen bereit für das grosse Abenteuer. Eine gewisse aufgekratzte Stimmung macht sich breit, Witze fliegen hin und her, Lachen kommt auf – keine Frage: die Aussies sind gut drauf und da ich ja sowieso gar keine Ahnung habe, was in den kommenden Tagen auf mich zukommt, lasse mich einfach anstecken.

Noch ganz schnell einen Coffee-to-go und wir sind auf der Piste! Auf den ersten paar Kilometern ändert sich eigentlich nichts, die Strasse ist asphaltiert und rundherum ist rötlicher Sand mit ein bisschen niedrigem Buschwerk bewachsen. Kurz bevor die Strasse endet und in eine unbefestigte Sandpiste übergeht halten wir noch einmal an, um eine Menge Luft aus den Reifen zu lassen. Alle Autos laufen nun auf Plattfüssen herum (wenn ich das richtig verstanden habe nur noch rund 1,3 statt 2,2 Bar oder so ähnlich…) und das ist auch gut so, denn sonst gäbe es kein Vorwärtskommen im Sand.

Zu unserer Rechten wächst plötzlich eine riesengrosse, rote Düne aus der sonst platten Landschaft. Das ist die höchste Düne der Tour „Big Red“ genannt und eine Herausforderung für die Fahrer. Wir werden Big Red allerdings erst auf der Rückfahrt bezwingen und so fahren wir weiter nach Westen auf die ersten Dünen zu. Len führt den Konvoi an, was für uns total super ist, denn wir müssen nicht den Staub voranfahrender Fahrzeuge schlucken und haben immer freie Sicht. Herrlich! Damit hat er auch die Pflicht des Funkens übernommen und seine Durchsage „Convoi of four vehicles travelling west on the French Line, xx km east of ……..“ ertönt regelmässig und bildet die tonale Untermalung für grosses Kino.

Doch erstmal gibts gleich Probleme an der allerersten Düne! Daniel mit seinem Campertrailer schafft es nicht ganz bis hoch und bleibt stecken. Das bedeutet, er muss mit seinem grossen Trailer wieder rückwärts hinunterfahren (bist du schon mal rückwärts gefahren mit einem grossen Anhänger? Schwierig, sag ich dir und dann bergab und auf einer unbefestigten Sandpiste! Nix für Anfänger!), neu Anlauf nehmen und das Beste hoffen. Beim zweiten Anlauf klappt es gut und so geht es weiter zur zweiten Düne. Und hier gibt es eine weitere Wiederholung – eventuell war es doch keine so gute Idee, einen Campertrailer durch die Wüste fahren zu wollen?! Alle möglichen Leute haben Daniel anscheinend für verrückt erklärt ob dieses Unternehmens, was ihn natürlich nur noch in seiner Entscheidung bestärkt hat . frei nach dem Motto „Jetzt erst recht“. (Vielleicht wollte er aber auch seiner Frau ein bisschen Komfort bieten?)

Doch im zweiten Anlauf schafft er auch diese Düne und dann alle weiteren gut 1.100 weiteren Dünen (pro Strecke!!) schon im allerersten Versuch. Sein Monsternissan kämpft sich einfach durch und nimmt den Anhänger mit. Auch die anderen Autos kommen gut mit dem Sand klar, was natürlich zum ganz grossen Teil an den routinierten Fahrern liegt. Man muss genau abschätzen können, wieviel Gas man geben muss und wann. Und wann man wie stark wohin gegenlenken muss. Und das allerwichtigste ist: niemals am Berg, also an der Düne stehen bleiben, denn das Auto sinkt sofort ein. Hast du nicht genügend Schwung drauf, dann schaffst du es nicht über die Düne, aber hast du zuviel, dann fliegst du quasi oben drüber wie über eine Schanze und das ist gar nicht gut für das Auto (autsch!!!)

Du kannst dir das so vorstellen: eine einspurige Piste aus rotem Sand, mal fest und  mal weich, meist ziemlich tief mit Löchern, Verwehungen, Untiefen und natürlich jeder Menge Kurven, bergauf und bergab, Auswaschungen, Querrillen und Sandhaufen wechseln sich unregelmässig ab – das ist die „Strasse“. Es ist ein Geschüttel und Gewackel im Auto, da machst du dir keinen Begriff! Ganz langsam dämmert es mir, worauf ich mich eingelassen habe…..o je o je o je! Wir fahren volle sechs Tage durch die Wüste! Und ich sitze hinten! Und werde doch reisekrank! Nicht gut. Gar nicht gut. Kleines Video aus dem Inneren des Autos gefällig?

Aber ich muss zugeben, es macht auch grossen Spass und ich kriege eine Menge Adrenalinkicks. Len fährt super sicher und souverän, sodass ich echt keine Angst habe. Und wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, mich irgendwo festzuhalten, weil das Auto durch die Gegend hüpft wie ein Flummi dann schaue ich mir die grandiose Landschaft an. Denn hier ist das Australien, das wir aus Filmen kennen: gross, weit, rot.

Jetzt denkst du vielleicht, dass das auf die Dauer von sechs Tagen vielleicht doch ein wenig eintönig ist. Doch das stimmt nicht! Zum einen ist es so, dass sich die Farbe des Sandes ständig verändert, mal fast gelb, dann wieder hell orange über ziegelrot bis hin zu richtig sattem dunkelrot. Und dann wächst hier richtig viel, was mich total erstaunt. Jede Menge Gestrüpp, Büsche, halbhohes Gras und manchmal sogar Bäume! Es ist sogar richtig spannend, denn nach jeder Düne sieht die Landschaft wieder anders aus. Dann gibt es da auch noch die grossen Salzpfannen, dazu später mehr und hin und wieder ausgewaschene Flussbetten. Anscheinend kommt hier alle 15-20 Jahre eine Art Flut an, nämlich dann wenn im Norden des Kontinents (also viele hundert km weit weg) besonders viel Regen gefallen ist, der dann in Richtung Simpson Desert und Umgebung abläuft. Vorstellen kann ich mir das ehrlich gesagt nicht, aber immer wieder stehen Schilder am Strassenrand, die das Gebiet als Flutungszone ausweisen und auch Markierungen für Wasserstände finden sich. Unglaublich….

Julia hält fleissig Ausschau nach Kamelen. Einst  von Afghanistan eingeführt und als Arbeitstiere beim Bau der Eisenbahntrasse eingesetzt wurden sie, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan hatten, einfach ins outback frei gelassen. Dort fanden die genügsamen Tiere einen idealen Lebensraum vor und begannen sich stark zu vermehren. Mittlerweile ist Australien das Land mit den meisten Kamelen weltweit. Sie werden exportiert und oft sogar gejagt, damit sie nicht überhand nehmen. Kamelfleisch steht vor allem im outback oft auf der Speisekarte. Wir sehen viele Kamelspuren, doch die Tiere selber bekommen wir nicht zu Gesicht.

Wir fahren den ganzen Tag, das Mittagessen wird quasi im Stehen kurz heruntergewürgt (wir haben aber frische wraps und meistens kann ich sogar noch eine Tasse Tee herausholen mit einem kleinen Stückchen Früchtekuchen – Luxus pur!) und schon geht es weiter. Kurz vor Sonnenuntergang suchen wir uns einen ebenen Platz und schlagen unser Lager auf. Abendessen wird gekocht, Bierdosen geleert und jede Menge Autofachsimpelei versüsst den Autofreaks den Abend. Wir haben an diesem ersten Abend bloss ein mickrig kleines Lagerfeuer, das diesen Namen kaum verdient aber trotzdem ist die Stimmung gut und es wird eine Menge gelacht.

Am nächsten Morgen stehen wir schon kurz vor Sonnenaufgang auf. Es ist wunderschön, zu erleben wie der neue Tag erwacht. Ganz langsam schleicht sich das Licht an, erst ist es nur eine Ahnung, nur ein bisschen weniger dunkles Schwarz, das dann immer schneller und unaufhaltsam zu Dunkelblau wechselt, zu fast farblosem Grau verblasst, immer heller und heller daherkommt bis ganz plötzlich die Sonne orangefarben und mit gleissenden Strahlen über die Dünen steigt. Innerhalb weniger Minuten wird aus der Dämmerung strahlendste Helligkeit und der Himmel zieht sein azurblaues Kleid an, ein wunderschöner Kontrast übrigens zum Rot des Sandes.

Einen klitzekleinen Punktabzug gibt es für die frostigen Temperaturen bei Nacht (sorry, aber da bin ich Püppy). Frühmorgens herrschen gerade mal null bis vier Grad Celsius!! Es dauert gefühlte Stunden bis endlich das Teewasser kocht, denn die kleinen Gasflaschen frieren bei diesen arktischen Temperaturen ein und müssen durch heftiges Schütteln aufgetaut werden, nur um nach kurzer Zeit wieder einzufrieren. Hab ich schon erwähnt, dass der frühe Morgen vor sagen wir mal acht eher nicht so meins ist? Und dass das Verlassen meines kuscheligen Schlafsacks – ich hab übrigens jetzt zwei (Len hat sich erbarmt und mir ausgeholfen) übereinander – eine echte Herausforderung für mich darstellt? Und dass ich ohne Tee am Morgen sowieso unausstehlich und zu nichts zu gebrauchen bin? …….. 😉

Allerdings muss ich zugeben, dass  diese Kälte  auch einen Riesenvorteil hat! Len hat mir nämlich ungefähr zwei Monate lang erzählt, wie schrecklich die Fliegen in der Simpson Desert seien und dass diese Millionen Fliegen einfach überall seien und man nicht ohne Fliegennetz um den Kopf herumlaufen könne. Und was ist? Keine einzige Fliege!! Julia war zwei komplette Tage lang fassungslos, „no flies, there are no flies!“ hörte man sie immer wieder ungläubig murmeln. Und das haben wir nur der nächtlichen Kälte zu verdanken! Also….irgendwie liegt in allem doch auch etwas Gutes verborgen. Gell?! 😉

Mal abgesehen davon, dass wir jeden Tag von  Sonnenaufgang bis kurz vor Sonnenuntergang fahren gibt es natürlich auch mal tolle Stops zwischendurch. Unser erster Halt ist am sogenannten Poeppel’s Corner. Das ist eigentlich nur eine Landmarke, aber in Ermangelung von anderen spektakulären Orten eine echter Publikumsmagnet. Das besondere an Poeppel’s Corner ist, dass hier drei australische Staaten an einem Punkt  zusammenkommen: Northern Territories, Queensland und South Australia. Schon mal ein Foto wert.

Am zweiten Tag machen wir Halt an den Dalhousie Hot Springs. Ja, du hast richtig gelesen! Heisse Quellen in der Wüste! Und das ist jetzt mal ein echter Hammer! Da ist nämlich mitten in der Wüste ein kleiner, muschelig warmer See mit Bäumen drumherum und Vögeln und so recht idyllisch. Das Wasser ist sehr angenehme 38º warm und genau das Richtige um gemütlich herum zu planschen. Ein grosser Schwarm weisser Vögel beobachtet uns und ich kann mich nicht entscheiden, ob die sich nun von uns gestört fühlen und meckern oder ob sie uns auslachen, wie wir da rumdümpeln. Egal, es ist einfach ganz, ganz grossartig. Es liegen sogar ein paar Schwimmnudeln herum, sodass man sich überhaupt nicht anstrengen muss – hach, herrlich! (Video)

Grossen Spass macht auch das Durchfahren der grossen Salzpfannen, denn hier kann eine Geschwindigkeit von schwindel-erregenden 60 km/h gefahren werden! Das ist bei der sonst erreichten Schrittgeschwindigkeit eine atemberaubende Steigerung. Diese teilweise ausgedehnten Salzpfannen stammen noch aus der längst vergangenen Zeit als diese Wüste ein Meer war – das muss man sich mal so vorstellen! Meer – Wüste…..eigentlich ja die extremen Gegensätze. Und alles was dazwischen liegt ist Zeit….. wie auch immer, die Jungs haben eine Supergaudi in den Salzpfannen, denn hier können sie mal Kreise fahren und Figuren und so richtig rumtun (weil sie ja sonst den ganzen lieben langen Tag immer der Piste folgen müssen, oohhhhh……), was sie auch ausgiebig und mit röhrenden Motoren machen.

Insgesamt muss ich an dieser Stelle mal alle Fahrer loben! Diese Jungs können echt alle miteinander richtig, richtig gut Autofahren! Klar, hier und da bleibt mal einer an einer Düne hängen und braucht einen zweiten Anlauf, aber ansonsten klappt das echt reibungslos. Und es ist wirklich sehr anspruchsvoll, hier zu fahren! Der Sand ist völlig unberechenbar, mal fester und dann wieder ganz weich und tief, Querrillen sind auch sehr eklig, teilweise ziemlich enge Kurven und die Dünen sind schon auch ganz schön steil, das kann man auf den Fotos gar nicht so erkennen. Hier trotzdem ein kleines Video.

Mein persönliches highlight des Tages ist der Sonnenuntergang. Wenn wir einen geeigneten Platz zum Campen gefunden haben, dann werden die diversen Schlafgelegenheiten aufgebaut, wir verteilen uns zum Holzsammeln (an Tag Zwei habe ich auf gut deutsche Art die gesamte Mannschaft „motiviert“ ;-), Len hat meinen Antrag unterstützt, nun haben wir jeden Abend ein richtiges, schönes Lagerfeuer und Matt entpuppt sich als wahrer Feuerwächter) und wenn die anderen sich zum Biertrinken versammeln dann verschwinde ich in die Dünen. Ich muss mich bewegen! Man kann doch nicht den ganzen Tag im Auto sitzen, am Lagerfeuer sitzen, schlafen und dann wieder im Auto sitzen! Also ich kann das nicht. Ich muss auch mal laufen. Und dann brauch ich halt auch ein bisschen Raum und Ruhe, Zeit für mich. So plötzlich quasi 24 Stunden lang Leute um mich zu haben…..hmmm! Ausserdem möchte ich auch ein paar Fotos von dieser absolut grandiosen Landschaft machen (wenn es auch bloss mit dem Handy ist) und tagsüber kommt man ja zu nix! Manchmal fährt Len ein wenig voraus, dann kann ich kurz aus dem Auto springen, ein/ zwei Fotos machen, um dann sofort wieder, quasi mit Kopfsprung in den Wagen zu hechten, der schon gleich wieder weiterfährt. Warum haben wir es eigentlich so eilig? Irgendwie passt das für mich gar nicht zur Wüste…..

Na ja, wie auch immer, die Aussies sind halt echte Automenschen und stehen sowohl meinem Bewegungsdrang, als auch meinem Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein mit völligem Unverständnis gegenüber. Gutmütiger Spott wird täglich über mich ausgeschüttet, aber das stört mich gar nicht! Ich fühle mich super wohl, wenn ich mutterseelenallein auf meiner Sanddüne sitze und in diese riesige Welt blicke. Diese Weite – das gibt’s in Europa gar nicht! Also ich hab das so jedenfalls noch nie erlebt. Du schaust 360º rundherum und siehst einfach nur Weite! Nichts unterbricht den fernen Horizont. Erstaunlicherweise empfinde ich die Wüste weder als gefährlich, noch als unwirtlich oder gar tot. Es gibt viel Leben hier! Also erstmal eine relativ grosse Menge und sogar Vielfalt an Vegetation – ich dachte bisher immer, Wüste, das ist Sand und Steine, fertig.

Das Klima hier ist im Sommer natürlich möderisch; die angenehmen rund 20 Grad (tagsüber), die wir im Moment geniessen steigen dann auf weit über 50 Grad an und im ganzen Jahr regnet es kaum 200mm (zum Vergleich: in Deutschland regnet es rund 750l) pro qm. Eigentlich ein totales Wunder, dass unter diesen Bedingungen überhaupt etwas wächst. Und dann gibt es auch noch jede Menge nette Tierchen wie Schlangen, Spinnen und Skorpione aber auch ein paar Vögel und Dingos. Und Kamele. Von denen sehen wir allerdings weiterhin nur die Spuren. Von allen anderen Tieren glücklicherweise auch. Mir ist schon manchmal ein bisschen mulmig wenn ich da so durch die Gegend stapfe, besonders wenn es schon dunkel ist. Meine buscherfahrenen Reisegefährten sehen das allerdings locker. Sie laufen weiterhin alle barfuss oder mit Flip Flops durch die Gegend und nehmen das Thema giftige Tiere schulterzuckend mal gar nicht ernst. Hmmm….ich behalte meine langen Hosen und auch meine Wanderschuhe an – fühl ich mich viel besser damit.

Am Ende des dritten Tages kommen wir in Mount Dare an. Das ist ein roadhouse mit Tankstelle und Campingplatz und markiert gleichzeitig den  Umkehrpunkt für uns. Hier habe ich nun wirklich das Gefühl in einem Filmset zu sein! Alles sieht irgendwie so aus, als sei es extra aufgebaut worden, um „echt australisch“ zu wirken. Und gleichzeitig ist es super authentisch. Da steht dieses Windrad und ein grosser Wassertank auf Stelzen, die Benzinpumpanlage scheint aus dem letzten Jahrhundert zu sein und im Gastraum hängen Hüte, Stubbieholder, T-Shirts und Autokennzeichen als Deko herum. Männer sitzen an den Tischen, trinken Bier und hauen sich gegenseitig auf die Schulter. Das ist irgendwie alles so unwirklich wirklich……und natürlich darf auch hier der aussie Humor nicht fehlen!

Wir bekommen hier nicht nur Benzin für die Autos sondern auch hervorragendes Essen und eine Menge verschiedene Biersorten. Das animiert meine treuen Reisegefährten dazu, eine Bierprobe mit mir zu machen. Alle haben ’ne Menge Spass und ich ziemlich schnell ein Räuschchen. Aus mir wird wohl nie ein richtiger Biertrinker, also disqualifiziert in der Anwartschaft ein Aussie zu werden, hahaha!

Von Mount Dare aus sind es „nur“ noch 500km bis Alice Springs und ein paar aus der Gruppe juckt es mächtig, dort noch „schnell“ mal  hinzufahren, aber die Vernunft siegt dann doch. Die meisten müssen zu bestimmten Tagen wieder zurück sein und 500km hin und wieder zurück sind kein Zuckerschlecken in der Wüste, auch wenn die Strasse nach Alice Springs besser ist. Wir kehren also alle gemeinsam um und machen uns auf den Rückweg über unsere 1.100 Dünen.

Vielleicht erzähle ich dir mal noch ein bisschen, wie das mit dem Kochen so vor sich geht? Also bei uns ist das recht easy, denn wir haben einiges zuhause schon vorbereitet. Zum Früstück gibt es Toast, der über dem Gasofen geröstet wird oder Müsli. Mittags gibt es meistens wraps, die wir jeden Tag ein bisschen anders füllen. Abends essen Julia und Len meistens Steak und ich habe vegetarische „paddies“, dazu gibt es Salat oder Gemüse. Auch frisches Obst haben wir dabei, Nüsse und sogar Kuchen. Also ich finde, wir haben super Essen. Unsere outback-Mitfahrer sind da ein wenig anders gepolt! Zum Früstück gibt es zwei Duzend Eier und ein Kilo Speck, zum Mittagessen meist ein Steaksandwich oder Hot Dogs und zum Abendessen legen sie dann richtig los: kiloweise wird da das Fleisch gegrillt, Maiskolben dazu und natürlich rote Beete, gerne auch öfter mal Hamburger und ein oder zweimal kochen sie auch im „campoven“. Das ist ein grosser gusseiserner Topf mit Deckel. In den wird alles hineingegeben und der Topf kommt ins Feuer, Deckel drauf und Kohlen oben auf den Deckel. Nach ein paar Stunden ist das Essen fertig. Wie du dir sicher schon denken kannst besteht es hauptsächlich aus Fleisch und Speck, hahaha. Zum Nachtisch gibt es „Custard and fruit“, das ist Fertigpudding aus dem Tetrapack mit Dosenobst. Sie haben einen grossen Kühlschrank für frischen Fleisch, einen Tiefkühlschrank für Fleisch und einen Kühlschrank für Bier. Das einzige Frische, das sie dabei haben sind ein paar Maiskolben und ein Päckchen mit sechs eingeschweissten Äpfeln. Die sind übrigens auch am letzten Tag noch eingeschweisst! 😉 Hahaha, so weit können Reisegefährten beim Essen auseinander sein.

Bisher sind wir mit Unfällen und Schäden grossteils verschont geblieben. Ein verbogenes „dashplate“ (irgendeine Schutzplatte am Unterboden), ein paar verlorene Schrauben, Blinklichter und andere Kleinigkeiten, die alle miteinander in kürzester Zeit und mithilfe von Hammer, Kabelbindern und duct tape repariert werden konnten. Nood liegt allerdings auch jede Pause unter irgendeinem Auto und schraubt und kontrolliert und repariert.

Doch dann klappert es plötzlich am Pathfinder! Len fährt links ran und wir begeben uns auf die Suche nach der Ursache. Nach längerem Suchen, nachdenklichem Am-Kopf-Kratzen und viel Hmm Hmmm fällt irgendjemandem auf, dass der Dachträger komisch aussieht. Und tatsächlich, durch den ständigen Widerstand und das hohe Gewicht hat sich eine der Halterungen gelöst und der ganze Träger ist jetzt ein wenig wackelig und hat dadurch schon eine fette Delle ins Dach gedrückt. Mist! Wir packen erstmal alles runter vom Dach und die Jungs montieren den Träger soweit hinten wie möglich. Dann versuchen wir so viel wie irgend geht in das eh schon volle Auto zu packen, um das Gewicht auf dem Dach so gering wie möglich zu halten. Dann heisst es Daumen drücken und das Beste hoffen.

Und noch am selben Tag gibt es ein weiteres Missgeschick! Daniel bittet um einen Stop, da er ein Problem mit dem Anhänger hat. Die Männer begutachten, was es zu begutachten gibt und die einhellige Diagnose lautet: Achsbruch des Anhängers! Au weia, das ist böse! Wir schlagen heute also schon früh unser Lager auf, denn an eine Weiterfahrt ist vorläufig nicht zu denken – eines der Räder steht in einem ganz unnatürlichen Winkel. Solange wir anderen die Zelte aufbauen, Holz sammeln und so weiter machen sich Nood und Daniel an die Arbeit.

Der Trailer wird aufgebockt, das Rad abmontiert und dann die Achse ausgebaut. Zwei Bruchstellen kommen zum Vorschein. Die Jungs sind bester Laune – endlich haben sie was zum rumfummeln! Und los gehts! Da werden Autobatterien ausgepackt und in Reihe geschlossen, jede Menge Werkzeug, Metallstangen, ein grosser Vorschlaghammer und ein portables Schweissgerät (!!!!) kommen zum Vorschein. Und da hocken die beiden mitten in der Wüste im Sand und reparieren einen Achsbruch! Sie hämmern und schweissen was das Zeug hält, trinken Bier und haben einen Riesenspass (hab ich erwähnt, dass sie alle Autobastler sind und am liebsten irgendwelche „gear boxes“, „suspensions“ und was weiss ich, was noch alles ein- und ausbauen?) Was soll ich dir sagen? Noch vor dem Abendessen sind sie fertig! Kaum drei Stunden und der Anhänger steht wieder gerade auf seinen Rädern. Ich bin echt und ehrlich beeindruckt!

Auch anderen Fahrern und Autos wird unterwegs geholfen. In Mount Dare kam einer an, dem die Ladefläche seines Pick-ups abgebrochen war, also ganz buchstäblich gemeint und die Jungs haben das mit ein paar Riemen, Kabelbindern und ’ner Menge duct tape repariert. Der Mann ist danach bis nach Melbourne gefahren!! Einmal fungieren wir als Abschleppwagen und ziehen einen Wagen aus der Düne. Und jede Menge Ratschläge gibt’s auch umsonst für alle, die sie brauchen. Einmal treffen wir allerdings auf einen grossen Campertruck, der auch einen Achsbruch hat. Die Jungs juckt es ganz offensichtlich in den Fingern, aber schliesslich entscheiden sie sich schweren Herzens zur Weiterfahrt, da wir eh schon im Zeitplan hinterher sind.

An Tag vier kommen wir plötzlich und unerwartet in eine ziemlich gefährliche Situation. Irgendjemand aus dem Team sieht einen Lichtreflex weit voraus, Len funkt, was das Zeug hält, um heraus zu finden, wer oder was uns da entgegen kommt. Grosses Schweigen auf dem Kanal (alle müssen den gleichen Kanal benutzen und periodisch den Standort bekanntgeben, um Unfälle zu vermeiden). Wir fahren extrem vorsichtig weiter und plötzlich sehen wir Motorräder auf uns zufliegen!! Boah, die schanzen über die Dünen ohne irgendwas zu sehen. Wenn da jetzt ein Auto hochkommt, dann ist der Motorradfahrer tot. Es sind insgesamt sieben Motorräder, einer der Fahrer hält an und Len erklärt ihm freundlich – bestimmt, dass er gefälligst seinen Funk benutzen soll. Der Bikefahrer wird mal kurz blass um die Nase und schnauzt den Fahrer seines Begleitautos mal so was von an – hui!! Glücklicherweise ist ja alles gut gegangen und niemand kam zu Schaden. Bei den Autofahrern gibt es auch hin und wieder welche, die ohne Funk fahren und da ist nicht immer Einsicht da.

Natürlich machen wir auch auf dem Rückweg Station bei den Dalhousie Hot Springs und geniessen ein ausgiebiges Bad. Es ist herrlich, sich den Sand abzuwaschen!

Am letzten Tag kommen wir am späten Nachmittag bei „Big Red“an, pünktlich zum Sonnenuntergang. Es bleibt auch noch genügend Zeit zum Spielen. Es gibt mehrere verschieden schwierige Auffahrten auf diese höchste Düne. Daniel versucht es erstmal ohne Trailer, nachdem er aber sieht, dass sein Monsterauto das mal ganz locker packt hängt er den Anhänger wieder dran und schafft alle Auffahrten bis auf die ganz steile mit Bravour. Auch die anderen Jungs fahren mehrmals hoch und runter und haben jede Menge Spass. Natürlich sind wir nicht alleine auf der Düne und jede Auffahrt wird von einem interessierten Publikum beobachtet, kommentiert und im Erfolgsfall auch beklatscht. Es ist ein Spektakel! 😀 😀  Irgendwann muss ich mich dann absetzen und den Sonnenuntergang und seine Farben auf der Düne einfangen. Was für ein Naturschauspiel! Die Wüste fährt nochmal alles auf und es ist zum Herz-zerspringen schön. Unbeschreiblich. Grossartig.

Am Abend in Birdsville sind wir alle ein bisschen aufgedreht – was für ein tolles Abenteuer das war! Alle sind hochzufrieden, denn niemand ist zu Schaden gekommen, alle Autos sind noch heil und sogar Daniels Trailer hat durchgehalten. Und was für ein Spass, die Dünen hoch- und runter zu fahren! Und die Verwehungen! Und die Löcher! Und Big Red erst! Und überhaupt….die besten Momente werden nochmal erzählt und obwohl wie heute kein Lagerfeuer haben können ist es eine gemütliche Runde.

Am nächsten Morgen machen wir uns bereits früh auf den Weg, denn es liegen ja wieder 1.580km vor uns, die in zwei Tagen gefahren werden wollen. Wir kommen von der Wüste ins outback und hier sieht es eigentlich fast kahler aus, als im Zentrum der Wüste. Aber offensichtlich täusche ich mich da, denn je weiter wir kommen, desto mehr Vieh steht wieder herum. Leider laufen auch immer wieder Rinder auf oder über die Strasse und werden dabei von den vorbeirauschenden roadtrains getötet. Die Kadaver säumen dann den highway bis diverse Aasfresser, darunter auch viele grosse Keilschwanzadler, aufgeräumt haben.

Die raodtrains sind lange Truck-Züge, die durch das outback brettern, die Könige der Strasse, die für nichts und (fast) niemanden bremsen, sondern mit Bleifuss ihre Fahrpläne einhalten müssen. Die riesigen Zugmaschinen ziehen meist vier, machmal aber auch fünf oder sogar sechs grosse Anhänger und haben damit die Durchschlagkraft eines Tornados. Die Bremswege sind so lang, dass sie, selbst wenn sie wollten nicht rechtzeitig zum Stehen kämen, um einer Kuh das gefahrlose Überqueren des highway zu ermöglichen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Wyndora geht es einfach immer weiter nach Osten. Der Tag geht vorbei und die Dämmerung setzt ein. Wir müssen allerdings noch so kanpp zwei Stunden fahren, um an den Campingplatz zu kommen, der als Nachtquartier geplant ist. Das Fahren in der Dämmerung und in der Nacht ist überaus gefährlich, zumal in dieser Gegend, denn hier gibt es unglaublich viele Wallabies und Känguruhs.

Wir können nur noch ganz langsam fahren und Matt übernimmt die Führung, da er sehr helle Strahler auf seinem Wagen hat, die die Strasse fast taghell erleuchten. Das Blöde ist, dass die Känguruhs völlig unberechenbar sind. Manchmal bleiben sie am Strassenrand sitzen und starren bewegungslos ins Licht. Aber manchmal springen sie plötzlich los, direkt vor das Auto oder auch in das Auto hinein. Oder sie sind schon drüben auf der anderen Seite und kommen dann plötzlich zurück. Oder sie bleiben erstarrt mitten auf der Strasse stehen.

Und auf eimal sind diese Biester überall! Eigentlich mag ich sie ja und freue mich immer, wenn ich welche zu Gesicht bekomme, aber jetzt gerade sind sie eine echte Plage für uns. Wir fahren kreuz und quer über die Strasse und das grossteils kaum schneller als Schrittgeschwindigkeit. Es ist super anstrengend für die Fahrer, die ja auch schon seit fast zwölf Stunden hinterm Steuer sitzen. Wir sind schon fast da, da springt uns doch tatsächlich noch so ein Viech seitlich in die Autotür! Leider können wir dem Tier nicht helfen und müssen es den Krähen überlassen. Wir sind alle traurig, dass wir ein Tier getötet haben und gleichzeitig auch wiederum glücklich, dass es nur eins war von den Hunderten, die wir am Strassenrand und auf der Strasse ausgemacht hatten.

Meine Güte, was sind wir alle froh, als wir endlich an diesem Campingplatz ankommen!! Endlich raus aus der Kiste! Der Platz ist knüppeldicke voll und wir bekommen nur noch zwei Stellplätze für alle Mann. Das wird richtig eng, aber irgendwie kriegen wir es hin, in kürzester Zeit unser Lagen aufzuschlagen und das Abendessen auf den Kochern zu haben. Heute ist niemand mehr sehr gesprächig, wir sind alle fertig und so kriechen wir auch recht schnell nach dem Essen in unsere Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen geht es für uns schon  früh los, da wir die längste Farht haben. Die anderen können es etwas ruhiger angehen lassen und werden daher erst später starten. Es gibt noch ein paar kameradschaftliche Umarmungen und schon sind wir wieder auf der Strasse. Im Laufe des Vormittag werden aus den winzigen outback cities mit ihren drei bis fünf Häusern wieder richtige kleine Städte. Riesengrosse Gemüse-, Mais- und Baumwollfelder dehnen sich aus, Und dann sehen wir noch etwas ganz Tolles: eine Gruppe „drovers“ mit ihren Tieren. Das sind die letzten freien cowboys von Australien! Sie treiben mit Pferden riesengrosse Rinderherden quer durchs Land. Auf den Landstreifen, die entlang der Strassen verlaufen und damit dem Staat gehören darf jeder kostenlos sein Vieh grasen lassen. Das nutzen diese drovers (umgangssprachlich auch Jackaroos genannt) und treiben ihre Herden entlang der highways. Es gibt nicht mehr viele und daher ist es eine tolle Sache, dass wir diese Männer und ihre Herde hier treffen. Es sind mehrere hundert Rinder und sicher rund zwanzig Pferde dabei. Grossartig!

Den Rest der Fahrt versüssen wir uns mit „Was wäre wenn – Spielen“. Len liebt besonders die Version von „Nicole, was wäre wenn du in Australien leben würdest?“, dicht gefolgt von „Nicole, was wäre wenn du XY (Australier) heiraten würdest? 😉

Mann, was bin ich froh als wir am späten Nachmittag endlich zuhause auf den Hof fahren! So als reisekranke Europäerin empfand ich diese Reise schon als strapaziös. Kein Europäer käme auf die Idee mehr oder weniger nonstop 1.000 km durchzufahren, oder? Aber die Australier haben eine völlig andere Auffassung von Distanz als wir und da sie generell alles immer viel lockerer sehen als wir nehmen sie auch solche Anstrengungen gelassener hin. Schliesslich war es doch „Big Fun“ und das war es tatsächlich!

Ich durfte in den letzten Tagen nicht nur tolle Menschen kennenlernen und ungewöhnliche Situationen erleben, sondern ich konnte unbeschreiblich schöne Landschaft geniessen, Stille und Weite erleben, Licht- und Schatenspiele sowie Farben bestaunen, die ich so noch nie  gesehen habe. Wüste erleben ist etwas ganz Spezielles und ich bin randvoll von all diesen Bildern, und Erlebnissen. Unvergesslich, grossartig und unbeschreiblich – das sind die Adjektive, die mir so einfallen.

Ich bin Julia und Len so dankbar, dass sie mir diese einmalige Reise ermöglicht haben! Da fehlen mir fast die Worte…. Len wischt das einfach beiseite und sagt, „wir sind so froh, dass du dabei warst! Schau, dass du bei unserer nächsten Tour auch wieder mitkommst!“

Tatsächlich habe ich grossen Gefallen daran gefunden, draussen zu schlafen, Toast über einem Campingkocher zu rösten, meinen Tag nach der Sonne auszurichten und den ganzen Tag draussen zu sein. Ich glaube, die Campergemeinde hat ein neues Mitglied……(Obwohl ich tausende Kilometer weit weg bin als ich diese Worte schreibe höre ich Len jauchzen!) 😉

Ich bleibe nun erst einmal eine ganze Weile hier in Minyama und erhole mich, hahaha, aber natürlich ist auch hier einiges los. Weiter geht’s im nächsten Artikel…. aber zum Abschied hier noch ein paar Impressionen aus der Wüste.

 

 

Lost in Paradise – Bora Bora

Der kurze Flug nach Bora Bora verläuft problemlos und sogar beim Check-in des Gepäcks ging alles glatt (eigentlich dürfte ich nur zehn Kilo mitnehmen, alles zusammen und natürlich habe ich mehr, da ich ja meine gesamten Besitztümer mit mir herumschleppe). Da ich dieses Mal einen Tagflug habe kann ich mir die Inseln ganz genüsslich von oben anschauen. Erst versinkt Moorea langsam unter mir und meine Vorfreude steigt. Als dann endlich das „Illes sous le Vent“ Archipel unter mir in Sicht kommt, klopft mein Herz schneller und ich hab ein Dauergrinsen im Gesicht. Bora Bora!! Mensch!! 😀 😀 

Der Flughafen von Bora Bora liegt auf einer kleinen Insel, sodass man mit dem Boot zur Hauptinsel, bzw. zu seinem jeweiligen Resort fahren muss. Zum besseren Verständnis: es gibt eine Hauptinsel Bora Bora und drumherum viele kleine motus (Inselchen) auf denen all diese superteuren, supertollen Resorts sind. Für Backpacker wie mich gibt es überraschender-weise auf der Hauptsinsel auch einigermassen günstige Übernachtungs-möglichkeiten. Ich habe mich dieses Mal für ein AirBnB Zimmer entschieden und darauf freue ich mich schon – es hat toll ausgeschaut in der Beschreibung! Aber zurück zum Flughafen!

In der Ankunftshalle stehen diverse Begrüssungskommitées von den grossen internationalen Hotelketten und holen ihre Gäste mit Blumenkränzen und Privatboot ab. Es duftet nach Frangipani. Ich nehme das Schnellboot zur Hauptinsel und da ich noch ein bisschen warten muss bis zur Abfahrt kann ich mich schon mal in dieses unglaubliche Türkis des Wassers versenken. Ohne Witz, andere Urlaubs-destinationen würden morden für diese Wasserfarbe! Direkt am Rollfeld beginnt ein strahlendweisser Strand, es ist einfach unglaublich. Am Horizont ballen sich allerdings auch hier dunkle Wolken zusammen. (So langsam nehme ich das persönich! Ständig dieser Regen!!) Diese lassen dann auch tatsächlich ein bisschen was fallen solange ich auf dem Boot bin, aber es ist nicht wirklich dramatisch.
Die Bootsfahrt verläuft ein ganzes Stück längs der Hauptinsel und so kann ich schon sehen, dass es ein paar mit  dichtem Dschungel bewachsene Vulkane gibt, alles recht hügelig ausschaut und die Küste ziemlich dicht bebaut ist. Strände kann ich kaum welche entdecken. Auf der anderen Seite des Bootes allerdings kann ich die verschiedenen motus mit den berühmten Over Water Bungalows sehen und dort strahlen mir die weissen Strände geradezu entgegen. Die Farben des Wassers sind trotz des Nieselregens strahlend und leuchtend türkis – blau.

Am Hafen angekommen stehe ich erstmal wieder herum, aber das kenne ich ja mittlerweile schon und fast beginne ich mich daran zu gewöhnen. Als allerdings nach einer dreiviertel Stunde noch immer keine Menschenseele nach mir schaut beginne ich doch, etwas unruhig zu werden. Ich gehe ein paar Schritte bis zur Touristeninformation und bitte die Dame dort, einmal kurz bei meinen Vermietern anzurufen, was sie auch umgehend macht. Und jetzt kommt der Hammer! Das Zimmer, das ich gebucht habe befindet sich auf der Nachbarinsel Raiatea! Waaas????? Das kann nicht sein!!! Ich weiss genau, dass ich Bora Bora in die Suchleiste eingegeben habe.  Aber es stimmt anscheinend. Die freundliche Dame auf Raiatea meint, ich solle mir keine Sorgen machen und ich könne das Zimmer kostenlos stornieren. Die Buchungsgebühr muss ich zwar trotzdem bezahlen aber immer hin. Bloss……jetzt stehe ich hier auf Bora Bora und habe kein Bett! Ach du meine Güte!

Die freundliche Angestellte der Touristeninformation, die mein Telefonat interessiert verfolgt hat sieht mich nun einigermassen fassungslos. Sie bietet an, ein bisschen herum zu telefonieren, um eine günstige Unterkunft für mich zu finden. Und siehe da, schon nach kurzer Zeit wird sie fündig und eine Dame Rosina wird in Kürze kommen und mich abholen. So ist das vordergründigste Problem erst einmal gelöst und ich atme erleichtert auf. (Aber ich werde das bei AirBnB nachprüfen! Gibt’s doch gar nicht….)

Ich habe es mir kaum ein bisschen gemütlich gemacht, da hupt es schon vor der Tür und eine etwas ältere Polinesierin in einem roten Jeep stellt sich als Rosina vor, verfrachtet mich und meinen Rucksack ins Auto und übernimmt freundlich-resolut das Kommando. Zuerst fährt sie mit mir zum Supermarkt, wo ich das Nötigste einkaufen soll und dann gehts nach Hause. Ein einstöckiges Haus in einem Garten, rund 50 Meter vom Meer entfernt erwartet mich. Es werden hier mehrere einfache Zimmer mit Bad vermietet und ich bin positiv überrascht, als sie mir meines zeigt. Abgesehen von der fürchterlichen Blümchen-Bettwäsche ist alles zweckmässig eingerichtet und schön sauber. Es gibt heisses Wasser und in der Küche bekomme ich meinen Teil vom Kühlschrank zugeteilt. Es scheint hier eine ganze Grossfamilie zu leben und ich bin froh, dass mein Französich mittlerweile schon ein wenig aufpoliert ist, denn nur die älteste Tochter spricht leidlich englisch. Allerdings ist die sehr zurückhaltend und scheint wenig Lust zu haben, sich mit mir zu unterhalten. Rosina selbst redet ständig (französisch) auf mich ein, aber sie ist so freundlich und so rührend besorgt, dass mich diese Bemutterung einfach nur zum Schmunzeln bringt.
Ganz offenichtlich führt sie hier einen relativ strengen Oberbefehl als Matriarchin der Familie. Ihr Mann wird jedenfall liebevoll umsorgt, hat aber sonst wohl nicht viel zu sagen. Er nimmt das  mit einem schiefen Grinsen und der Weisheit des Alters gelassen hin. Die beiden haben offensichtlich in vielen Ehejahren ihren Modus Operandi gefunden und scheinen beide sehr gut damit klar zu kommen.

Ich werde schlicht und einfach in die Familie eingebaut und Rosina achtet darauf, dass ich auch ja genug esse! 😉 Sie schenkt mir Mangos und das Baguette liegt immer griffbereit in der Küche und ist für alle.

Das Meer ist nur 50m von meinem Haus entfernt, aber es gibt hier keinen Strand sondern bloss eine kleine Mauer und Steine. Ein paar Boote hängen in einem seltsamen Gestell herum (bei Ebbe übrigens in der Luft) und die Aussicht kann ich nur als malerisch bezeichnen! Besonders zum Sonnenuntergang!

Unternehmungslustig schnappe ich mir mein Badezeugs und will mich zu Fuss in Richtung Strand aufmachen. „Ach komm, ich fahr dich schnell“ sagt Rosina und schwupps, schon sitze ich wieder im Auto. Unterwegs erklärt sie mir noch ein bisschen was hier und da, nimmt ein Pärchen Touristen mit und lässt uns dann alle mit einem flotten „Bonne journée“  und dem Hinweis, ich solle doch per Autostopp wieder heim kommen, am Strand aussteigen.

Und hier pflanze ich mich jetzt erstmal in den warmen Sand und schaue über’s Meer. Was gibt es beruhigenderes als das? Es ist einfach herrlich und anscheinend kriege ich auch nicht genug davon. Ich hab nicht genau mitgekriegt, wann ich mich (als waschechte Schwarzwälderin) in das Meer verliebt habe…..vielleicht ist das der mallorquinische Teil in mir? Ich vertrödele den gesamten restlichen Tag am Strand, lasse mich von der Strömung hierhin und dahin treiben und geniesse einfach nur die Sonne, das Meer und das Nichtstun. (Es ist übrigens nicht voll, also gemessen an den spanischen Stränden)

Bevor es dunkel wird mache ich mich auf den Heimweg und das per Anhalter Fahren ist hier fast genauso einfach wie auf Rarotonga. Es dauert keine zwei Minuten bis jemand anhält. Diesmal ein Pick-up, auf der Ladefläche lauter junge Leute, die offensichtlich von der Arbeit kommen. Dieses Fahren auf der Ladefläche eines Pick-up finde ich immer wieder cool, einfach weil es bei uns undenkbar wäre, in anderen Teilen der Welt aber völlig normal ist. Zuhause angekommen mache ich mich ans Abendessen kochen und lerne hierbei gleich noch den gesamten Rest der Familie kennen. Leider muss ich sagen, dass ich schnell den Überblick verloren habe, denn es gibt jede Menge Tanten und Cousins, die auch hier oder im Nachbarhaus wohnen und einen Stall voll Kinder aller Alterstufen.  Ich halte mich einfach an den Boss und die englischsprechende Tochter, das muss reichen! Sorry, aber da bin ich pragmatisch. Alle anderen werden angelächelt und gut ist’s.

Für den kommenden Tag hat Rosina für mich eine Bootsfahrt organisiert. Ja, ich weiss, was du jetzt denkst! Schon wieder Boot fahren…..aber hey, ich bin auf Bora Bora und ich MUSS auch einmal auf diese einmaligen motus kommen. Und das geht halt nur mit dem Boot. Ausserdem habe ich in einer Apotheke auf Moorea neue „Seabands“ bekommen (Mann, war ich happy!!!) und das Meer (diese Farben!!!! 😀 😀 ) sieht ruhig und friedlich aus – da kann gar nichts schief gehen.

Ich werde am Morgen pünktlich abgeholt, bekomme meine Schnorchel-ausrüstung und lerne den Rest der Truppe kennen. Wir sind insgesamt zehn Leute aus aller Welt, das ist noch völlig ok, finde ich. Gut gelaunt machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg.

Am ersten Schnorchelstopp können wir im flachen Wasser mit Stachelrochen und Schwarzspitzhaien schwimmen. Und obwohl ich das ja gerade erst letze Woche auf Moorea gemacht habe bin ich trotzdem wieder total fasziniert und beeindruckt. Es ist einfach der Oberhammer, wenn diese grossen Tiere um dich herumschwimmen!!

Dann fahren wir nur ein ganz kleines Stückchen weiter und gesellen uns zu ein paar anderen Schnorchlern, die alle mehr oder weniger auf einem Haufen herum schwimmen. Das Wasser ist hier sehr tief und ich weiss gar nicht, was wir hier sollen. Und dann seh ich es!!

Ein Mantarochen (!!!!!) kommt direkt auf mich zugeschwommen!! Boah ist der riesig! Er bewegt sich ganz langsam und majestätisch. Und auf mich zu. Ähm ja, und immer noch auf mich zu! Das ist jetzt ein bisschen unheimlich! Da dreht er gemächlich ab und lässt sich wieder in tieferes Wasser sinken. Aufatmen meinerseits. Natürlich war er immer noch weit weg von mir und das war nicht gefährlich, aber hey! So ein Mantarochen ist schon echt gross!! Was für ein Erlebnis!

Wir stoppen noch mehrmals und bewundern schöne Korallen, schwimmen in riesigen Schwärmen von kleinen und grossen bunten Fischen und geniessen mit allen Sinnen diesen wundervollen Ausflug. Es ist als ob man in einem riesengrossen Aquarium herumschwimmen würde! Tatsächlich schwimmen hier diese ganzen bunten Tropenfische überall herum, gelbe, blaue, gesteifte, welche mit Stacheln oder Punkten, grüne, kunterbunte – ich kann mich gar nicht satt sehen. Hier findest du ein kleines Video, was allerdings die unglaubliche Vielfalt und die schiere Menge an Leben unter Wasser auch nicht ansatzweise wiedergeben kann.

Beim Bootfahren mache ich ausserdem ständig Fotos von den verschiedenen Blautönen es Meeres. Es ist unglaublich, wie intenstiv dieses Blau und Türkis ist und wieviele verschiedene Schattierungen und Abstufungen es gibt. Ich kann mich auch über Wasser nicht satt sehen.

Zum Mittagessen machen wir an einer kleinen motu fest. Hier steht eine einfache  Bambushütte in der nun fleissig gewerkelt und gekocht wird. Uns interessiert das natürlich erstmal nicht die Bohne, denn wir stürzen uns schon wieder in dieses unglaublich wundervolle Wasser und spazieren den Sandstrand hinauf und hinunter. Das hier bedient einfach jedes einzelne Klischée, das ich vielleicht jemals über die Südsee gehabt habe. Ich wähne mich quasi in einer Postkarte so unwirklich schön ist es hier.

Bora Bora Beach 3

Ein Stückchen weiter den Strand entlang befindet sich ein kleines Restaurant und dort stehen die Tische im Wasser!! Ein Restaurant im Ozean – hast du das schon mal gesehen? Also ich nicht! Neid- und hemmumgslos schaue den Leuten beim Geniessen zu. Hier und da schaukelt eine teure Yacht im Wasser, aber von „Massentourismus“ kann überhaupt keine Rede sein. Und es ist auch nicht so snobistisch-dekadent wie oft an anderen mondänen Orten. Hier ist jeder entspannt und gut gelaunt und geniesst die Schönheit der Natur und das macht Spass.

Das Mittagessen wird auch hier auf Naturtellern serviert. Einer unserer guides ist kurz in den Wald verschwunden, hat ein paar Palmwedel geschnitten, diese schnell zu Tellern zusammengeflochten und schwupps – schon ist das Geschirr fertig! Es gibt eine hiesige Spezialität, nämlich „Poisson Cru“,  rohen Fisch mit Zitrone mariniert in Kokosmilch (ganz ähnlich wie Ceviche), ausserdem frittierte Yams und Maniokwurzeln, einen super leckeren Salat, gegrillte und gebackenene Bananen, sowie gegrillten Fisch. Zum Nachtisch einen süssen Kuchen und Obst. Jeder wird satt und es ist soo lecker. Wen wundert’s, dass wir nach diesem feudalen Mahl alle faul werden und so ist es ganz gut, dass wir jetzt „bloss“ noch Boot fahren.

Insgesamt haben wir auf unserer Tour die Hauptinsel Bora Bora einmal komplett umrundet und tuckern nun ganz gemütlich unserem Endpunkt zu. Ich bin so voll von wunderschönen Bildern und unvergesslichen Eindrücken – hach, ich könnte gerade mal die ganze Welt umarmen! 😀 😀 😀

 

Rosina lächelt nachsichtig über meinen Überschwang und ist sichtlich stolz auf ihre Insel.

 

 

 

 

 

Nachdem ich gestern die Insel vom Boot aus gesehen habe möchte ich sie heute per Fahrrad erkunden. Und so miete ich mir einen Drahtesel und strample los. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass es jetzt nicht so wahnsinnig viel zu entdecken gibt. Hier und da ein hübscher Aussichtspunkt, das Dörfchen Vaitapé, wo auch die Fähre angelegt hat mit ein paar Geschäften und Restaurants, etwas abseits noch einen weiteren Hafen für grosse Fähr- und Containerschiffe und jede Menge Grün. Auch hier führt eine einzige Strasse einmal um die Insel herum, verfahren kann ich mich also nicht. Es gibt nur zwei oder drei schöne Strände, der Rest ist steinig oder mit Mauern eingefasst. Die Vulkane sehen interessant aus, aber Trekking hat sich hier wohl nocht nicht so herumgesprochen – ich kann keinerlei Hinweisschilder finden, Karten gibts auch keine und eeeeiiiiigentlich bin ich eh auch viel zu faul!

Ich komme am berühmtesten Lokal der Insel vorbei. Hierher pilgern seit Jahren alle möglichen Promis und damit ist der Laden natürlich auch für Touristen interessant. Es ist heller Nachmittag als ich hier vorbei komme und kein Promi weit und breit, trotzdem mach ich ein Foto. Kannst ja mal richtig nah heranzoomen und auf den Holzschildern lesen, wer schon alles hier war! Eindrucksvolle Liste.

Als ich am Abend nach Hause komme hat Rosina eine überraschende Nachricht für mich. Mein Flug nach Huahine am kommenden Tag ist gestrichen worden. Die Flughafenfeuer-wehr auf den Inseln streikt und daher können nur wenige Flüge abgefertigt werden und gar keine nach Huahine. Hmm, na so was! Rosina sagt, ich könne gerne noch einen Tag bleiben und so schicke ich mich drein – Festhängen auf Bora Bora! Könnte schlimmer sein….

Allerdings hätte ich Huahine schon sehr gerne besucht! Sie soll die am wenigsten erschlossene Insel des Gesellschaftsinsel-Archipels (Illes de la Societé) sein. Und natürlich habe ich auch dort eine Unterkuft gebucht und bezahlt, die ich nun nicht nutzen kann. 🙁

Mit tatkräftiger Unterstützung von Rosina’s Familie versuche ich eine Schiffspassage nach Huahine zu bekommen, sogar bei einem Containerschiff fragen wir an, aber es ist nichts zu machen. Und ein Ende des Streiks ist nicht in Sicht. Da ich in ein paar Tagen von Pape’ete aus nach Australien fliege und Rosina ab dem kommenden Tag ausgebucht ist entschliesse ich mich schweren Herzens, auf direktem Weg nach Tahiti zurückzukehren.

So kehre ich am Nachmittag noch einmal zum Strand zurück und geniesse meine letzten Stunden auf Bora Bora. Wie ich so im Wasser herumtreibe und meinen letzten Sonnen-untergang hier geniesse spricht mich ein Einheimischer an und bietet mir etwas von seiner Kokosnuss an. Er taucht seine Stückchen immer erst ins Meer und mit so einem Hauch Salzwasser schmeckt sie tatsächlich noch besser. Wir unterhalten uns ziemlich lange (auf französich wohlgemerkt!) und er erzählt mir von einem grossen Kanurennen, das die gesamte Inselwelt auf den Kopf stellt. Ich hab natürlich noch nie davon gehört, so als Landratte weiss man ja über die maritimen Megaevents auf der anderen Seite der Kugel auch nicht so Bescheid, was ihm ein ungläubiges Kopfschütteln entlockt. Wie auch immer, das Rennen heisst „Hawaiki Nui Va’a“ und gilt als das härteste Paddelrennen der Welt. In drei Tagen paddeln die Athleten in sogenannten Va’as (6-Mann Auslegerpiroggen) von Huahine über Raiatea und Taha’a nach Bora Bora (129km) und der Pazifik ist hier wild und die Sonne heiss! Er meint, ich solle unbedingt zum Rennen wiederkommen, denn das wäre wirklich ein Grossereignis – big party natürlich inklusive.

Als ich heute schon recht spät nach Hause komme fängt Rosina mich erneut ab. Ich solle doch heute abend zu ihnen kommen, sie hätten Freunde da und würden irgendeine Zeremonie machen, ich sei eingeladen. Und sie hätte extra Ananaskuchen gebacken! Na klar, Ich bin dabei! Hab zwar nicht verstanden, um was für eine Zeremonie es geht, aber das werde ich schon herausfinden.

Tatsächlich scheint es sich um eine Art Gebetskreis zu handeln. Es sind rund zwölf Personen da, es wird auf französisch und polinesisch gesprochen, gesungen und gebetet. Einen Rosenkranz kann ich erkennen aber mehr auch nicht. Die Stimmung ist familiär und auch die Jüngsten gestalten schon einen Teil der Zeremonie. Nachdem der geistigen Gesundheit Genüge getan ist gibt es Ananaskuchen und Cola für Alle, mich eingeschlossen. Wieder eine neue Facette an religiöser Kultur, ich freue mich, dass ich dem beiwohnen durfte und ich freue mich, dass die Menschen hier so offen mit ihrer Religion umgehen.

Am kommenden Morgen heisst es Abschied nehmen. Ich werde zum Pier gebracht, wo das Flughafenboot ablegt. Zum Abschied bekomme ich eine polinesische Muschelkette geschenkt!! Hurra, hurra, so ein tolles Souvenir!

Auf Tahiti kann ich glücklichereweise wieder in meine französische WG einziehen, Adrien, mein Engel holt mich ab und die WGler freuen sich, dass ich wieder da bin.

Die nächsten drei Tage sind ziemlich angefüllt mit Aktivitäten. Einen Tag fahren wir (fast) alle zusammen an den Strand und verbringen den ganzen Tag mit Surfen, Baden, Quatschen und Faulenzen. Ein paar Leute haben ein tolles Picknick vorbereitet und ich bin diesmal bloss ein Anhängsel, will sagen, ich kümmere mich mal um goar nüscht, sondern mach bloss mit. Herrlich!

Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung auf einen der tahitianischen Berge

 

 

und auch das ist ein super Tag, unwesentlich (hahaha) anstrengender als das Herumgeliege am Strand, aber genau das richtige Kontrastprogramm!

An einem Abend gehen wir dann noch richtig chic aus. Erst essen wir in einem sogenannten „Roulotte“ zu abend (das ist eine Art stationärer Food Truck mit ein paar Tischen). Es gibt leckeres Thaifood und tatsächlich mutet das Ganze eher asiatisch an, denn die kleinen einheimischen Restaurants, die es überall in Asien zuhauf gibt sehen genau so aus.

Nach dem Essen machen wir uns auf ins noble Intercontinental Hotel, wo es heute abend eine Ma’hori Show gibt. Bei edlen  Drinks und ein bisschen underdressed (also ich zumindest) geniessen wir die wirklich gute Show. Abenteuerliche Kostüme und mitreissende Musik, dröhnende Trommeln und natürlich schöne Tänzer/innen verbinden sich zu einer wundervollen Mischung und mir kommt es so vor, als wolle sich Tahiti nochmal von seiner besten Seite zeigen – zum Abschied sozusagen. Auf jeden Fall ist es ein sehr schöner Abend und es macht Spass, auch mal abends und mit Leuten, die man schon etwas länger kennt, etwas zu unternehmen. Ich glaube, wir Mädels sind sogar ein bisschen angeschickert als wir ziemlich spät nach Hause kommen. Auf der Terrasse der Villa lassen wir den Abend noch ausklingen, denn keiner möchte jetzt schon schlafen gehen.

Am nächsten Tag besuche ich morgens noch die Stadt, um mein restliches Geld in unnütze Souvenirs zu investieren und natürlich auch, um zu guter Letzt noch ein klein bisschen was von Pape’ete mitzukriegen. Ein paar schöne Eindrücke kann ich auch tatsächlich mit nehmen und am nachmittag kann ich dann ganz gemütlich noch einmal die Villa, den Pool geniessen und chillen, doch irgendwann heisst es dann eben doch Abschied nehmen.

Noch ein Gruppenfoto, ein paar Umarmungen, ein letztes Winken und ab geht´s zum Flughafen. Ich habe eine anstrengende Nacht vor mir: von Pape’ete fliege ich nach Auckland und von dort weiter nach Brisbane (Ja, es geht zurück nach Australien!), was bedeutet, dass ich mir die komplette Nacht um die Ohren schlage. Aber das macht mir gar nichts, denn nun wartet ein richtig super tolles Abenteuer auf mich!

Ich werde nämlich mit Len und Julia in die Wüste fahren! Australisches Outback vom Feinsten.

 

Moorea – Haie, Kinder und andere Herausforderungen

Eine moderne Schnellfähre bringt mich in rund dreissig Minuten von Tahiti nach Moorea. Heute scheint die Sonne strahlend vom Himmel und das Meer ist so schön

blau und ziemlich schön ruhig. 😀 😀  will sagen, es ist eine schöne und ruhige Überfahrt und mir wird auch gar nicht schlecht.

 

Moorea sieht auf den ersten Blick ziemlich beeindruckend aus: steile Vulkane ragen hoch auf und sind von dunkelgrünem Dschungel bedeckt. Nur an der Küste sehe ich hier und da Gebäude stehen, einen Strand kann ich erst nicht entdecken aber dann, beim Näherkommen schimmert mir doch weisser Sand entgegen und mein Herz mach einen Hupfer. Hoffentlich ist dieser Strand nicht allzu weit weg von meinem Domizil!

Meine Hostfamilie wohnt ganz in der Nähe vom Fährhafen und so mache ich mich zu Fuss auf, um mein Zuhause für die kommenden zwei Wochen zu finden. Eine französische Familie mit zwei Kindern bietet mir für zwei Stunden Mithilfe im Haushalt ein kostenloses Zimmer an. Die Frau betreut als Tagesmutter einige Kinder bei sich zuhause. Ich bin gespannt…..

Das kleine Haus ist schnell gefunden, doch als ich ankomme scheint gerade allgemeine Mittagsruhe zu sein, denn kein Mensch ist zu sehen. Schon nach ganz kurzer Wartezeit kommt allerdings eine junge Frau an den Zaun, begrüsst mich sehr freundlich und bittet mich hinein. (Hélène spricht ein bisschen englisch und ich ein bisschen französisch – wir kriegen das hin mit der Kommunikation.) Sie nutzt die Zeit, solange die kids noch schlafen, um mir mein Zimmer und das Haus zu zeigen.

Es gibt eine Art Haupthaus, das aus einem grossen Raum besteht, der als Kindergarten eingerichtet ist (oha!!) und einer Küchenzeile mit einem Esstisch, ein paar Schränken und einem Spülbecken. Gekocht wird draussen: unter einem Wellblechdach finde ich einen alten Zwei-Flammen-Campingkocher, ein paar Töpfe und Pfannen und den Kühlschrank. Hier gibt es ausserdem ein kleines Bad, das aber nur für die Gäste des B&B Zimmers ist (aha??). Das befindet sich im Dach und ist im Augenblick nicht vermietet.

Mein Zimmer ist in einer Art Nebenhaus, das sich paralell zum Hauptgebäude befindet. Hier gibt es vier Zimmer nebeneinander, zwei davon sind für workawayer, in einem schläft die Familie und das vierte gehört mit zum Kindergarten. Ausserdem gibt es noch ein zweckmässiges Bad, das leider wie mein Zimmer nicht sehr sauber ist. In meinem Zimmer steht ein Bett und ein Tisch. Es riecht staubig und ein wenig muffig.

Alles in allem kommt es mir ziemlich schmutzig und unordentlich vor. (Wann genau bin ich eigentlich zum typisch deutschen Sauberkeits- und Ordnungslover mutiert??) Als mir Hélène dann mitteilt, dass ich für die Sauberkeit selber zuständig bin erklärt sich das dann auch…….backpacker sind jetzt nicht dafür bekannt, hinter sich erstmal ordentlich sauber zu machen.

Inzwischen sind alle Kinder aufgewacht und befinden sich in verschiedenen Phasen von „nach Mittagsschlaf-quengelig“ über „wolfshungrig“ bis „unaufhaltsam unternehmungslustig“ – wer Kinder hat versteht sicher, was ich meine…. 😉

Ich werde als die neue „tati“ vorgestellt und ab sofort wird nur noch französisch geredet, oder noch besser tahitianisch. Die Kinder -sieben an der Zahl – sind zwischen 19 Monate und 5 Jahre alt und ich fühle mich wie im falschen Film. Und mächtig überfordert.

Zu meinem riesengrossen Glück ist hier noch eine andere workawayerin -Janina-, eine junge Münchnerin mit ihrem fünfjährigen Sohn, Bloggerin und seit eineinhalb Jahren unterwegs. Sie ist schon fast zwei Wochen hier, kennt sich aus und weiss was wie läuft. Sie übersetzt und erklärt mir vieles, steckt mir gleich die ein oder andere Info über die Familie und macht mir so das Ankommen leichter.

Als um vier endlich die ganzen Kinder abgeholt werden atme ich erleichtert auf. Hélène erklärt mir nun umgehend, was in Zukunft von mir erwartet wird: wer die Frühschicht hat kocht das Mittagessen für die ganzen Kinder und die Familie, macht den gesamten Abwasch des Morgens und räumt die Küche auf. Die Spätschicht räumt den Kindergarten auf, sprich sämtliche Spielsachen wieder in die entsprechenden Regale, Kisten, Körbe und Schachteln, fegt und wischt den Boden, säubert die Tische und Stühle, sowie das Badezimmer. Auch der Patio und der Garten müssen aufgeräumt werden. Und das restliche Geschirr spülen. Janina übernimmt natürlich die Morgentour.

Grrmppff…… ich hasse aufräumen. Und ich hasse putzen. Und mit zwei Stunden pro Tag ist das sicher nicht getan. Worauf hab ich mich da bloss wieder eingelassen???

Die Mahlzeiten sind in unserem Arrangement nicht enthalten und so mache ich mich gleich mal auf den Weg zum Supermarkt solange es noch hell ist. (Das ausgeliehene Fahrrad ist lebensgefährlich, klappert zum Erbarmen und hat keine Lichter und keine Bremse!! – In Zukunft laufe ich dann lieber….) Wer jetzt wann, wie, wo und mit wem isst, das ist mir noch nicht so klar. Will die Familie nun uns workawayer mit am Tisch haben oder wollen die abends vielleicht auch mal unter sich sein? Privatsphäre scheint es hier eh praktisch nicht zu geben, da alles offen ist und die Kinder (zwei bleiben ja hier!) sowieso überall hin dürfen (ausser in unsere Zimmer). Aber vielleicht brauchen ja auch nicht alle Menschen soviel Raum wie ich?

Am Abend kommt Hubert, der Hausherr von der Arbeit nach Hause. Auch er ist sehr freundlich und spricht leidlich gutes Englisch. Die beiden kleinen Mädchen sind niedliche, kleine Teufelchen. Die Grosse macht einen auf Boss und wehe, es spuren nicht alle. Sie ist schnippisch und haut auch schon mal zu. Wird sie erwischt setzt es grosses Drama. Die Kleine macht auf Baby und stellt sich gerne als hilfloses Opfer dar, womit sie meistens durchkommt. Beide Eltern haben eine Eselsgeduld, mir gehen die beiden schnell mal auf den Wecker. Hmm……

Gleich am ersten Abend nimmt Janina mich mit zu einer Art Tanztraining, das grad um die Ecke auf einem grossenPlatz stattfindent. Grund dafür ist das jährliche Heiva Dance Festival. Das ist eine Art Show/ Contest, bei dem traditionelle polinesische Tänze vorgeführt werden. Die Teilnehmer nehmen dies sehr ernst und so wird vorher monatelang trainiert und geprobt, denn jeder will gewinnen. Es gibt jede Menge verschiedene Kategorien und vom Krabbelkind bis zum Opa, Amateure und Profis, alle tanzen sich hier die Seele aus dem Leib.

Und wie die tanzen!! Auf dem Platz trainieren sicher mehr als hundert Leute. Musiker spielen live und ich schaue den Tänzern völlig fasziniert zu. Wie machen die das bloss, dass sie ihre Hüften so schnell bewegen können? Die Frauen können sogar in die Hocke gehen und wieder aufstehen ohne ihre Hüftschwünge zu unterbrechen oder auch nur zu verlangsamen. Das ist unglaublich! Und hier wird richtig hart gearbeitet, der Schweiss fliesst in Strömen und ich höre auch das ein oder andere unterdrückte Stöhnen als die Trainierin ein weiters Mal von vorne beginnen lässt. Einige westliche Gesichter sehe ich unter den Trainierenden und auch die zeigen einen beeindruckenden Hüftschwung – also kann man das vielleicht lernen?!

Das Ganze ist eine Art Happening: ganze Familien sitzen auf dem Boden rund um die Tanzfläche, unterhalten sich lautstark und schauen den Tänzern zu, Kinder rennen überall herum und alle scheinen eine Menge Spass zu haben.

Als ich jedoch ein paar Fotos schiessen will kommt schnurstracks einer der Trainer auf mich zu und ruft schon von Weitem „No foto, Madame!“ Klar, die Musik und die Choreographie sind streng geheim – ist schliesslich ein Wettbewerb! Ich entschuldige mich und lege die Kamera weg.

Als das Training vorbei ist kommen alle Tänzer und viele der Zuschauer zusammen und halten sich an den Händen. Die Musiker spielen eine ganz langsame Melodie und alle gemeinsam singen eine Art Gebet. Über uns wölbt sich der Sternenhimmel, ein halber Mond schaut herunter und all diese weichen polinesischen Stimmen singen inbrünstig – wow, das geht rein! Als es vorbei ist gehen alle fröhlich plaudernd und lachend nach Hause. Man sieht sich nächste Woche….

Janina und ihr Sohn sind leider bloss noch zwei Tage hier, was mir leid tut, denn es ist lustig mit ihr. Aber da kann man halt nichts machen. So gewöhne ich mich langsam an die Familie und das einfache Leben, das sie führen. Ich lerne die Kinder im Kindergarten kennen und auch ein paar der Eltern, meist Expats. Trotzdem muss ich sagen, dass ich mich nicht so ganz richtig wohl fühle. Ich hab zwar gleich zu Beginn meinem Zimmer und dem Bad eine ordentliche Säuberung verpasst, aber trotzdem ist es muffig und nicht gemütlich. Eines Abends läuft eine vier Zentimeter grosse Kakerlake an einem Kabel neben meinem Bett hinunter….. Die Küchenschränke sind muffig und das olle Plastikgeschirr aus dem Kindergarten ist auch nicht gerade appetitanregend. Die Familie scheint damit keinerlei Probleme zu haben. Sie schlafen auf Matratzen am Boden, gekocht wird eben auf dem Campingkocher, gegessen wird meist am Küchentisch im Kindergarten. Um acht sind alle in ihren Betten verschwunden. Es gibt keine Gespräche, die über das Alltägliche hinausgehen. Ich tu mich echt schwer…..

Dazu kommt noch, dass es hier, wo ich wohne überhaupt nichts gibt, bloss den Hafen und einen Supermarkt. Der supertolle Strand ist 10 Autominuten weg und das nächste Dorf noch ein bisschen weiter. Da Hubert im Familienauto zur Arbeit fährt sitzen wir mehr oder weniger zuhause fest. Und dann regenet es auch noch sehr viel.

Als Tüpfelchen auf dem i wird dann auch noch in mein Zimmer eingebrochen.

Eines Morgens stehe ich auf und meine Zimmertür (eine Glasschiebetür) steht rund 20 cm offen, obwohl ich ganz genau weiss, dass ich sie am Abend ganz geschlossen hatte. Ich denke mir nichts weiter, wahrscheinlich wollte bloss eines der Mädchen schauen, ob Tati schon wach ist. Irgendwann im Laufe des Tages merke ich dann aber, dass meine Bauchtasche weg ist – Mist! Ob ich die wohl gestern im Supermarkt liegengelassen habe?? Schnell mal nachfragen – nö, keiner weiss was. Hmmm………sonst fehlt nichts, Handy PC, Kamera alles ist noch da. Auch bei den Anderen fehlt nichts. Aber niemand war an meiner Tür. Und da kommt Hubert und meldet den Verlust von zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank. Also wohl doch ein Einbruch-Diebstahl. So ein Mist!! Wahrschienlich irgendwelche Jugendliche auf der Suche nach Bargeld.

Portemonnaie, Führerschein, Kreditkarte und einige persönliche Dinge, die mir so wichtig sind, dass ich sie immer bei mir haben will, sowie meine seabands (Armbänder gegen Reiseübelkeit) sind weg! Ich suche nun systematisch die Umgebung des Hauses ab – vielleicht hat der Dieb ja die Tasche weggworfen, nachdem er das Geld herausgenommen hatte?! Hat er leider nicht. 🙁

Hubert fährt mit mir zur Polizei, um eine Anzeige aufzugeben. Ich gerate an einen Polizisten, der offensichtlich erst seit seeehr kurzer Zeit hier arbeitet – er weiss weder, wie der Computer funktioniert, noch wo einzelne Sachen, wie z.B. Papier liegen. Nachdem er meine Daten aufgenommen hat wechselt er ins Spanische und einer Unterhaltung sind keine Grenzen mehr gesetzt. Wie sich herausstellt, gehört er eigentlich zu einer Spezialeinheit gegen Drogenhandel und hat eine Zeitlang in Südamerika gearbeitet, wo er Spanisch gelernt hat. Warum er jetzt in Moorea an einem Schreibtisch hockt und Kleinkriminalität aufnimmt frage ich höflicherweise nicht.

Bis auf die persönlichen Sachen ist der Verlust zu verschmerzen. Bargeld war fast keines drin im Geldbeutel und die Kreditkarte habe ich natürlich sofort gesperrt. Der Verlust des Führerscheins ist alledings sehr ärgerlich, denn nun werde ich für Wochen nicht fahren können, denn wer weiss schon ob und wie und wann die spanischen Behörden mir einen neuen ausstellen?! Ausserdem fühlt sich die Tatsache, dass jemand während ich schlafe in mein Zimmer kommen kann und ich davon nichts mitkriege eindeutig unangenehm an. Ich hätte gewettet, dass ich aufwachen würde, aber anscheinend habe ich einen gesegneten Schlaf. Auch die Familie ist geschockt, so etwas ist hier noch nie vorgekommen.

Wie auch immer, passiert ist passiert, die Sachen sind weg. Nun heisst es, wieder auf andere Gedanken zu kommen und weiter zu machen. Und so gehe ich am nächsten Tag ins Lagoonarium.

Mit einem kleinen Boot werde ich zu einer winzigen, vorgelagerten Insel gefahren. Dort bekommt jeder Gast eine kleine Badehütte zugewiesen, wo man sich umziehen kann oder auch aus der Sonne zurückziehen kann (also falls sie denn scheinen sollte, was sie leider nicht tut). Ausserdem gibt es ein kleines Café und einige Sitz-gelegenheiten. Alles ist toll dekoriert mit Muscheln und Korallen. Hier kann man es schon einmal einen Tag aushalten.

Das besondere am Lagoonarium ist allerdings das Schnorcheln. Hier gibt es besonders viel zu sehen unter Wasser und zwar sowohl schöne Korallen, als auch ganz viele bunte Fische. Das highlight sind allerdings die handzahmen Stachelrochen und die Riffhaie, die hier zweimal am Tag mit kleinen Fischen angefüttert werden und daher aus dem grossen Ozean an den von den Menschen gedeckten Tisch kommen. Aber es gibt keine Netze oder Gitter oder so was, es sind wirklich frei lebende Tier, die freiwillig kommen und gehen. Das kann mein Tierschützerherz gerade noch als Einmischung verkraften und ich muss sagen, ich freue mich darauf, diese grossen Fische einmal aus der Nähe betrachten zu können.

Also gehe ich mit einer Handvoll weiterer Gäste ins Wasser und schau mir unter Wasser die grossen Stachelrochen an, die da völlig relaxed und ohne Scheu um uns herum schwimmen. Man hat fast den Eindruck, dass sie sich gerne berühren lassen, denn sie streichen dem Fütterer um den Körper wie Katzen einem um die Beine streichen. Hmmm…???

Dann geht es ins tiefere Wasser und wir müssen uns alle an quer gespannten Seilen festhalten, um nicht von der unglaublich starken Strömung weggespült zu werden. Und dann sind sie auch schon da – die Riffhaie. Erst zwei, dann fünf und dann immer mehr schwimmen diese grossen Fische pfeilschnell um uns herum. Blitzartig verändern sie ihre Schwimmrichtung und ziehen ihre Bahnen so völlig unberechenbar. Sie umkreisen den Fütterer, machen aber keinen aggressiven Eindruck. Uns andere, die wir atemlos und mit klopfenden Herzen die Jäger der Meere beobachten, würdigen sie sowieso keines Blickes. Aber sie sind uns doch sehr nah! Einer der 120-160 cm grossen Schwarzspitz-Riffhaie hat mir mit seiner Schwanzflosse beinahe die GoPro aus der Hand geschlagen! Hier findest du zwei kurze Videos, ungeschnitten und nicht bearbeitet! Unbedingt anschauen! 😉

Das war wirklich ein sehr aufregendes Erlebnis und obwohl der Himmel grau war und die Korallen daher nicht so schön bunt aussahen wie bei Sonnenschein habe ich doch einen supertollen und sehr spannenden Tag hier verbracht. Heute abend falle ich rechtschaffen müde in mein Bett!

An einem anderen Tag kann ich mir von einer Freundin von Hélène ein Auto ausleihen, auch ohne Führerschein das interssiert hier offensichtlich niemand.(Hoffentlich hält mich die Polizei nicht an!) So komme ich wenigstens dazu, einmal ein wenig auf der Insel herumzufahren und sie so besser kennen zu lernen. Als erstes fahre ich bloss bis ins Dorf, setze mich ins Café und schaue mir die Leute an. Hier hat jeder Zeit, es gibt kein Herumgehetze, kein Gerenne. Man kennt sich natürlich und so wird aus jedem zufälligen Treffen ein Plausch. Es scheinen ziemlich viele Ausländer hier zu leben, vor allem natürlich Franzosen.

Insgesamt ist Moorea ein ruhiges Inselchen. Während Tahiti und dort vor allem die Hauptstadt Pape’ete deutlich europäisch geprägt sind und ich doch eine gewisse Tendenz zu Effektivität, Planung und Streben erkennen konnte, so geht das Leben hier noch immer einen gemächlichen Gang und niemand scheint daran gross etwas ändern zu wollen.

Meine Tour steht leider wettertechnisch unter keinem guten Stern. Kaum sitze ich wieder in meinem Auto schon öffnet der Himmel seine Schleusen und ein tropischer Regenguss trommelt auf die Insel nieder. Das kommt so schnell, dass die Sonne kaum Zeit hat, sich hinter den dicken Wolken zu verstecken, was mir diesen wunderschönen, intensiven Regenbogen beschert.

Ich fahre einzelne Ziele an, die mir empfohlen wurden, wie beispielsweise den Botanischen Garten, einen hohen Aussichtspunkt oder die Ananasplantagen. Doch leider verschlechtert sich das Wetter immer mehr und oft kann ich erst gar nicht aus dem Wagen aussteigen. Sicht ist eh gleich null, grau in grau und ausser Wolken nichts gewesen.

Ich versuche auch, eine einheimische Frau zu treffen, die schöne Sarongs handbemalt. Das wäre ja mal ein tolles Souvenir! Aber leider treffe ich die Dame trotz vorheriger Absprache nicht an. Schade.

Trotz allem geniesse ich die Freiheit, einfach herumfahren zu können und so wenigstens einmal aus dem Haus zu kommen.

Und dann wird Hélène krank. Erst schleppt sie sich noch zwei Tage mehr schlecht als recht durch den Tag, aber man sieht ihr an, dass ihr Magen-Darm-Virus ihr ganz schön zusetzt. Am dritten Tag stehe ich dann plötzlich alleine mit den Kindern da – sie bittet mich, mehr oder weniger zu übernehmen. Zwar kommt sie immer wieder mal raus aus ihrem Zimmer, aber so richtig zu was zu gebrauchen ist sie eher nicht. Hoppla! So hatte ich mir das natürlich nicht vorgestellt. Noch bevor ich überhaupt gefrühstückt habe sind die ersten kids schon da und schauen mich erwartungsvoll und unternehmungslustig an. Hmpf…..meine eigenen Kinder sind ja schon gross, will heissen, es ist schon ne ganze Weile her, dass ich mich um so kleine Purzel gekümmernt habe – dazu noch so verschieden im Alter und in einer fremden Sprache! Was soll ich dir sagen? Das war der längste Tag meiner bisherigen Reise und als am Nachmittag endlich alle wieder bei ihren Eltern sind und der Kindi aufgeräumt und sauber ist da bin ich so was von fertig. Und heilfroh, dass der Tag rum ist! Du machst dir gar keine Vorstellung…… Hélène hat der ruhige Tag sehr gut getan und am kommenden Morgen, obwohl noch nicht wieder richtig fit übernimmt sie wieder und ich mach bloss den Hiwi. Welch eine Erleichterung!

Nachdem ich mehrere Tage mit mir gerungen habe treffe ich die Entscheidung, die Familie früher zu verlassen als ursprünglich ausgemacht. Das fällt mir schwer, denn eigentlich halte ich mich an einmal getroffene Vereinbarungen. Doch ich fühle mich einfach nach wie vor nicht so richtig wohl und schliesslich ist es ja auch meine Traumreise und da sollte ich Sachen machen, die mich glücklich mache – oder?!

Und so buche ich ein Insel-Hopping Flugticket Moorea – Bora Bora – Huahine -Tahiti für die kommenden Tage. Ich kriege direkt anschliessend einen flash! Ich geh nach Bora Bora!!!!

Die Familie nimmt meine Entscheidung überrascht, aber doch gelassen auf und sie finden glücklicherweise in kürzester Zeit jemanden, der für mich einspringt. Sie heisst Tatjana und ich mag sie auf den ersten Blick. Ich mache mit ihr, was Janina mit mir gemacht hat: zeige ihr alles, erzähle ein bisschen wie das hier so läuft und mache ihr den Einstieg so einfach wie möglich.

Ich hab noch einen freien Tag gut und Hélène meint, sie käme einen Tag auch mal alleine zurecht, sodass Tatjana und ich eine gemeinsame Wanderung machen können. Eine Dschungeltour ganz alleine ist nämlich keine gute Idee und die Familie war nicht dafür zu begeistern. So machen wir beide uns am kommenden Morgen auf den Weg mit einer ungefähren Wegbeschreibung und guter Laune im Gepäck. Fröhlich plaudernd und Reiseanekdoten austauschend suchen wir uns unseren Weg. Das Plaudern weicht allerdings schon bald einem immer lauter werdenden Schnaufen, denn bei dreissig Grad und 80% Luftfeuchtigkeit einen dschungelbedeckten Berg hinaufzuklettern, das ist ganz schön anstrengend kann ich dir sagen. Wir suchen uns unseren Weg mehr schlecht als recht, denn offensichtlich ist hier schon lange niemand mehr gewandert. Kunststück! Die Einheimischen halten uns Touristen eh für völlig durchgeknallt, dass wir bei der Hitze unbedingt im Wald herumlaufen wollen. Und die Touristen hält es meist schön brav auf den ausgetretenen Pfaden und an den schönen Stränden, sprich in den Resorts. Aber wir beide haben uns gefunden und ermuntern uns gegenseitig. Beide geben wir offen zu, dass wir die Tour alleine wahrscheinlich abgebrochen hätten, aber so zu zweit helfen wir uns über schwierige Stücke, wenn der eh schon schmale Pfad teilweise ausgewaschen oder weggebrochen ist, wenn wir über grosse Felsbrocken und umgestürzte Bäume klettern müssen und auch schlicht bei der Auffindeung des Weges überhaupt. Denn mehr als einmal ist plötzlich einfach kein noch so schmaler Pfad mehr auszumachen. Aber immer wieder öffnet sich der Dschungel ein Stückchen, sodass wir wieder erkennen, wo wir sind und im Grunde genommen ist es eh einfach: erst geht es immer hoch bis ganz oben, dann eine Weile lang am Grat entlang und dann wieder nach unten bis wir auf ein paar Häuser treffen. Von da aus haben wir die Wahl, direkt wieder zur Küste zu laufen oder den langen Weg über ein Dorf um ein Stück weiter weg an die Küste zu gelangen. Als wir nach ungefähr vier Stunden an besagten Entscheidungspunkt kommen gibt es auch nicht den kleinsten Moment des Zögerns: wir nehmen den direkten Weg!

Ausgepowert und unübersehbar zufrieden kommen wir im Dorf an und besorgen uns, da wir leider kein Café oder so was finden, im Supermarkt ein kühles Bier und ein paar Snacks. Wir setzen uns an die Bushaltestelle und picknicken und fühlen uns wieder wie vierzehn (Bushaltestelle und so). Hahaha…… Per Anhalter geht es zurück nach Hause und das war mal ein richtig guter Tag heute.

An meinem letzten Abend lädt uns Hélène ins noble Sofitel zur Show ein. Hier gibt es eine Happy Hour, sodass die Getränke nicht ganz so teuer sind und anschliessend eine Maori-Tanzshow. Das Hotel ist edel und genauso, wie man sich das so vostellt: Palmwedel gedeckte Dächer, edle Hölzer und hübsche Tahitianerinnen, die den meist älteren Gästen ihre Wünsche erfüllen. Die over-water Bungalows sehen einfach klasse aus, aber auch die Gartenbungalows machen einen sehr guten Eindruck auf mich. Der gepflegte Garten lädt zum Flanieren ein und der Strand ist traumhaft schön. Für einen Tag oder zwei würde ich mich tatsächlich auch gerne einmal in so einem Luxusresort verwöhnen lassen…..

Die Show beginnt mit ein paar Feuertänzern. In atemberaubender Geschwindigkeit wirbeln die Männer ihre Fackeln herum, werfen sie sich gegenseitig zu, springen dabei stampfend herum und stossen wilde Schreie aus. Die zuckenden Flammen werfen Licht und Schatten auf die muskulösen Körper und die weit aufgerissenen Augen lassen die Tänzer fast wie Dämonen erscheinen. Richtig toll! Die anschliessenden „normalen“ Tänze können da weder in Ästhetik noch in Atmosphäre mithalten und es ist offensichtlich, dass die Tänzer nicht zur Elite gehören. Was soll’s, den Gästen gefällt’s trotzdem, zumindest denen die von ihren Tellern aufschauen, um den Tänzern zuzusehen. Das sind die wenigsten und schon wird mir klar, warum die Tänzer wenig motoviert sind und ich applaudiere ein bisschen lauter und länger, als es die Darbietung eigentlich verdient hätte. Ich finde es furchtbar, wenn Künstler, Performer, etc. sich viel Mühe geben und das Publikum das gar nicht oder wenig würdigt, sprich nicht applaudiert, schon vor dem letzten Vorhang das Theater verlässt oder – ganz schlimm – erst gar nicht hinschaut. Warum gehen die Leute denn dann hin?

Egal, wir Mädels hatten einen tollen Abend und ich rechne es Hélène hoch an, dass sie trotz ihres Unwohlseins mit uns hierher gekommen ist.

Und dann heisst es wieder einmal Abschied nehmen. Die Kinder machen plötzlich einen Reisenwirbel um mich, obwohl ich sicher nicht ihre Lieblingstati bin (ich hab halt nicht immer alles durchgehen lassen….) und Hélène nimmt mich fest in den Arm. Irgendwie war es ja auch trotz allem eine tolle Zeit und ich habe die ganze Familie ins Herz geschlossen.

Fazit: Moorea ist eine wunderschöne Insel und hat viel zu bieten: tolle Strände, super schnorcheln und anspruchsvolle Trekkingmöglichkeiten. Die Infrastruktur ist gut und Pape’ete als „Grossstadt“ nur eine halbe Stunde entfernt. Mir persönlich gefällt es hier sogar besser als auf Tahiti!

Und jetzt kommt……(Trommelwirbel)….. Bora Bora!!!!

Südseeparadies Tahiti

Beim Anflug auf Tahiti ist es leider schon dunkel und so kann ich keinen ersten Blick auf die Insel erhaschen. Umso schöner ist es, auf dieser Insel mit richtig schöner Hula-Musik begrüsst zu werden.  Die Drei zaubern mir gleich ein Lächeln auf’s Gesicht und ich bin voller gespannter Vorfreude auf meine Zeit in Tahiti.

Natürlich weiss ich auch dieses Mal nicht so richtig, was mich hier erwartet, aber das macht ja immer auch einen Teil des Reisespasses aus! Ich habe dieses Mal ein Bett in einer privaten Villa gebucht. Die Beschreibung auf der website war ein bisschen verworren, aber die Bewertungen waren ziemlich gut und nun lass ich mich halt mal überraschen. Die Vermieterin wollte mir jemanden schicken, der mich abholt und zur Villa bringt.

Immigration ist dieses Mal eine ganz einfache Sache, denn Tahiti gehört irgendwie mit zu Frankreich und somit habe ich mit meinem deutschen Pass keinerlei Schwierigkeiten. Leider bekomme ich auch keinen Stempel in meinen Pass, sogar auf Nachfrage ernte ich nur ein bedauerndes Kopfschütteln.

Als ich aus dem Zoll komme steht wieder einmal niemand da, um mich abzuholen. Warum wundert es mich jetzt schon nicht mehr??? Ein weiteres Mal sitze ich bei Nacht an einem fremden Flughafen und habe dieses Mal nicht einmal eine genaue Adresse oder so. Also fasse ich mich in Geduld und hoffe das Beste.

Und tatsächlich, schon nach einer halben Stunde kommen zwei junge Leute auf mich zu (mittlerweile bin ich als Einzige übriggeblieben, daher einfach zu identifizieren), stellen sich als Adrien und Marjorie vor und nehmen mich mit in die Villa. (Angekündigt war mir zwar ein Didier als Fahrer, aber na ja…).

Also um es nun mal kurz zu machen: die Villa liegt auf halber Höhe an einem Hang inmitten eines ziemlich pompösen Villengebietes mit Security und so. Es gibt mehrere Zimmer und einen grossen Raum, der den gesamten ersten Stock ausfüllt. In diesem Raum stehen acht Betten aus Paletten zusammengebaut und durch kleine Regale und Schränkchen so voneinander abgetrennt, dass so eine Art Privatsphäre entseht. Eigentlich ziemlich cool. Im Wohnzimmer gibt es mehrere bequeme Sofas, die um einen grossen TV gruppiert sind. In der grossen, modernen und voll ausgestatteten Küche werkeln ein paar Leute herum. Das gesamte Leben findest allerdings auf der grossen Terrasse statt, die L-förmig den Pool umschliesst. Das Ganze ist einfach mal meegaa!

Einziger Nachteil: bis zum Meer oder zur Stadt braucht man eine Viertelstunde im Auto oder mit dem Roller. Dafür ist die Aussicht von der Terrasse ziemlich spektakulär und die Sonnenuntergänge über Moorea (der Nachbarinsel) sind echte highlights!

Diese Villa wird von insgesamt siebzehn Personen bewohnt, allesamt Franzosen. Ich bin in einer französchen WG gelandet! 😀 😀

Mein komplett eingerostetes Schulfranzösich gibt kaum mehr als ein rauhes „Salut, je m’apelle Nicole“ her und ich bin wirklich heilfroh, dass ein Grossteil der Leute zumindest ein bisschen Englisch spricht. Die WG-Leute sind alle miteinander echt nett zu mir und Adrien gibt mir sogar „du pain et du fromage“ und ein Bier von sich ab . Wie sich im Laufe meines Aufenthaltes herausstellen wird ist er so eine Art Schutzengel für mich – jetzt bin ich erstmal froh, dass sich jemand ein bisschen um mich kümmert und sich mit mir unterhält. Als einzige „Neue“ in so eine eingeschworene Gemeinschaft zu kommen, das fühlt sich an wie Schulwechsel mitten im Jahr.

Am nächsten Tag muss ich erst einmal etwas einkaufen gehen, denn hier oben  gibt es keine Restaurants oder so, was bedeutet, es ist Selbstversorgung angesagt. Einer der Hausbewohner nimmt mich mit in die Stadt Pape’ete als er zur Arbeit fährt. Mit dem Roller dauert die Fahrt gute zehn Minuten – ich habe keine Ahnung, wie ich danach wieder in die Villa kommen soll, aber wenigstens habe ich jetzt eine Adresse und ich denke, ich würde sogar wieder hinfinden…..

Ich betrete den erstbesten Supermarkt und fühle mich ins Paradies versetzt! Es gibt eine richtige Obst-und Gemüseabteilung mit vollen Regalen und frischen  Waren. Knuspriges Baguette. Käse. Herrlich!! Ich spaziere regelrecht durch die Regale und kann mich kaum einkriegen, ob all der Auswahl und Frische der Ware. Es ist wie zuhause! 😀 (Man mag mir das bitte nachsehen, nach meinen Erlebnissen in Rarotonga).

Ich kaufe nach Herzenslust ein und erst an der Kasse fällt mir ein, dass ich das ja alles tragen muss. Aber ich kriege irgendwie alles in meinen  kleinen Rucksack gestopft plus einer Tüte, die ich leider nehmen muss. So voll bepackt mache ich mich auf den Weg zur nächsten Bushaltestelle. Es ist übrigens runde dreissig Grad heiss und die Sonne steht schon fast im Zenit an einem knallblauen Himmel.

Ich frage in drei Bussen nach, ob die vielleicht in die Nähe meiner Villa fahren (schliesslich ist die Uni von Pape’ete ganz in der Nähe) aber ich habe kein Glück. So laufe ich halt mal los und bin unendlich erleichtert, als mich ein Handwerker einsammelt und den Berg hinauffährt. Er ist sehr nett, obwohl unsere Unterhaltung, da auf französisch geführt ein bisschen holprig ist. Ich finde tatsächlich auf Anhieb den Rückweg zur Villa und darauf bin ich mal richtig stolz! 😉

Am Nachmittag nimmt mich einer meiner Mitbewohner mit an den Strand. Zum ersten Mal sehe ich echte „over-water-bungalows“ und ich hoffe, irgendwann kann ich mal wenigstens eine Nacht in so einer Luxushütte übernachten, denn die sind schon mal echt megacool. Heute reicht es mir allerdings auch, dass ich ganz für umme am gleichen Strand liege, wie die Gäste dieser Luxusherberge. Und die Unterwasserwelt hat auch einiges zu bieten. Ein rundherum erfolgreicher erster Tag.

In den kommenden Tagen bin ich mit einem Mietauto unterwegs und erkunde die Insel auf eigene Faust. Leider hat sich die Sonne komplett verabschiedet, graue Wolken hängen schwer und tief über der Insel und natürlich regnet es auch immer wieder recht heftig.

Fast die gesamte Küste ist bebaut, doch im Gegensatz zu Rarotonga, wo man trotzdem ganz einfach überall ans Meer konnte gibt es hier viele Mauern und Zäune und nur selten Zugänge zum Meer. Die öffentlich ausgeschriebenen Strände, übrigens grösstenteils schwarz, sind bei schönem Wetter ziemlich gut besucht. Überall blühen tropische Blumen und im Grossen und Ganzen macht alles einen ziemlich modernen und gepflegten Eindruck. Ein bisschen Europa ist hier also tatsächlich zu spüren, besonderns heimatlich wird es als ich einen Tag in einen „Carrefour“ Supermarkt komme, hahaha.

Natürlich ist die Natur hier ganz tropisch und so ist Tahiti trotz allem europäischen touch eine exotische Insel. Zum Beispiel finde ich die ausgedehnten Kokosplantagen ganz toll.

Ich besuche einen grossen und ein paar kleinere Wasserfälle, halte an jedem Strand mal kurz an und hüpfe ins Wasser, fahre kreuz und quer durch die Gegend. Natürlich versuche ich auch, die Sehenswürdigkeiten der Insel zu erleben, was sich erstauenlicherweise als nicht ganz einfach herausstellt. Auf der Touristenkarte sind gerade mal eine Handvoll Spots angegeben, die ich auch brav abfahre: eine Grotte, die recht hübsch bepflanzt ist, „le jardin de l’eau“ ein kleiner Park mit Wasserbassins (hier treffe ich auf eine einheimische Hochzeitsgesellschaft, die Fotos machen) und den grossen Wasserfall. Dann suche ich noch einige „marae“ auf, die allerdings recht schwierig zu finden sind, da es so gut wie keine Beschilderung gibt. Marae sind alte Tempelstätten, die allerdings durchaus auch heute noch genutzt und besucht werden. Obwohl Tahiti eigentlich christlich ist, wie die zahlreichen oft bunten Kirchen beweisen scheint der alte Glaube noch immer weit verbreitet zu sein und alle „Tiki“ Figuren in den Marae sind gepflegt und geschmückt und mit Opfergaben bedacht. Offensichtlich schaffen auch die tahitianischen Ma’hori den Spagat zwischen ihrem traditionellen Glauben und der christlichen Religion.

Auch der Fischfang wird von Vielen noch ganz traditionell betrieben. Bitte schau dir doch mal diese winzigen Auslegerboote an – damit fahren die Tahitianer auf’s offene Meer hinaus!!

Der Besuch im Gauguin Museum, auf den ich mich sehr gefreut hatte musste leider ausfallen, da das besagte Museum  geschlossen war und das offensichtlich seit Jahren. Für mich etwas unverständlich, da neben Capitain Cook und der berühmten „Bounty“ sicherlich Gauguin mit seinen bekannten Gemälden der Tahiti-Schönheiten einer der berühmtesten Besucher der Insel war und sein Wohnhaus mit dem angeschlossenen Museum bestimmt ein Publikumsmagnet wären. So kann man nur den angeschlossenen botanischen Garten besichtigen.

Am „Point Venus“ kann man diesen Turm hier bewundern und ausserdem ein weiteres Denkmal, das Captain Cook und seinen Entdeckungen der polinesischen Inseln gewidmet ist. Auf kleinen Täfelchen ist genau vermerkt in welchem Jahr er welche Insel entdeckt hat. Ganz ehrlich: das war ein richtig fleissiger Entdecker! Der hat fast alles hier entdeckt. Und als Seemann interessierte er sich natürlich besonders fürs Navigieren und somit auch für die Sterne. Genau an der Stelle, wo heute ihm zu Ehren der Turm steht stand nämlich 1769 sein mobiles Observatorium in dem er die Transision der Venus (vor der Sonne) beobachtete. Aus den daraus gewonnenen Kenntnissen konnten genauere Berechnung vor allem des Längengrades vorgenommen werden (….bitte frag mich nicht!!!!…..)

Heute spielen im Schatten des Turmes die Einheimischen „Boule“, erzählen sich die Neuigkeiten des Tages oder schauen den Kindern beim Spielen zu. Direkt neben dem Turm schliesst sich der beliebteste Strand der Insel an, der besonders am Wochenende sehr stark von den Einwohnern von Pape’ete besucht wird. Es ist einer der besten Badestrände der Insel, da hier die Wellen nicht so hoch sind. Die meisten anderen Strände eignen sich eher zum Surfen. Und hier beobachte ich etwas besonderes: der Strand läuft nicht langsam ins Meer, sondern es gibt einen relativ steilen Abbruch im Sand. Das führt dazu, dass die Wellen nicht langsam auslaufen sondern sich am Abbruch quasi überschlagen und dann zurücklaufen. Es gibt also zwei sich entgegen laufende Wellen…..faszinierendes Schauspiel, hab ich bewusst so noch nie irgendwo gesehen.

Einen Tag mache ich einen schönen langen Spaziergang zu einem Aussichts-punkt hoch über der Stadt . Ich geniesse die Bewegung in der Frische des Waldes und als ich auf halber Höhe ankomme steht da ein hübsches Restaurant, wo ich mit leckerem Kaffe und einer tollen Aussicht belohnt werde. Hier mache ich dann auch wieder kehrt, denn für den Rest des Anstieges braucht man mehere Tage Zeit und vor allem eine bessere Fitness.

Die Abende verbringe ich meist mit den WG Bewohnern in der Villa. Blaue Stunde am Pool mit fantastischen Sonnenuntergängen über der Nachbarinsel Moorea, jeder kocht sich was und über Stunden sitzt immer irgendjemand essend am Tisch. Mit ein paar Mitbewohnern verstehe ich mich ganz gut und es kommen sogar manchmal richtig gute Gespräche auf.

An einem Tag mache ich eine geführte JeepTour in das Innere des Vulkans, der sogenannten Caldera. Recht früh am Morgen werden wir Teilnehmer eingesammelt und auf eine Jeepladefläche mit Bänken verfrachtet. Wir sind glücklicherweise nur eine kleine Gruppe von sieben Leuten. Schon nach einer kurzen Fahrt raus aus der Stadt biegen wir von der Landstrasse ab in Richtung Grün. Wie zu erwarten war wird die Strasse schmal und immer schmäler, die Schlaglöcher grösser und tiefer und der Busch grüner und dichter je weiter wir vordringen. Jetzt können wir auch aufstehen, denn es macht viel mehr Spass, auf den Bänken stehend die schöne Aussicht zu geniessen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Es ist einfach unbeschreiblich grün und dschungelig hier! Immer wieder sehe ich Wasserfälle, die sich teilweise aus grosser Höhe über die Felsabhänge stürzen. Unser Führer hält oft an und erklärt uns etwas über die hiesige Pflanzenwelt. Beispielsweise zeigt er uns eine Schlingpflanze, die hier von amerikanischen Soldaten eingeführt worden war. Die GI´s nutzten diese schnellwachsende Schlingpflanze, um ihre Panzer zu verstecken.

Gegenüber einer hohen Felswand hält er an und zeigt uns einige Höhlen in der Ferne. Dort seien die letzten tahitianischen Könige bestattet, sagt er. Anscheinend waren die Mumien dieser letzten Könige nach deren Entdeckung auf eine lange Reise durch diverse Museen der Welt gegangen. Nach erfolgter Rückgabe der Mumien wurden diese in einem grossen Zeremoniell wieder in ihren Höhlen bestattet und geniessen nun ihre letzte Ruhestätte wieder in Frieden. Es ist eine heilige Stätte für die Ma’hori und für Touristen nicht zugänglich.

Das macht uns aber gar nichts, denn es gibt auch so genug zu schauen. Die Natur ist grossartig und die Seitenwände des Vulkans steigen fast senkrecht an den Seiten auf. Je tiefer wir in die Caldera vordringen desto höher erscheinen mir die Felswände.

Plötzlich hält unser Wagen und es heisst: Badestopp! Wir krabbeln von der Wagenfläche und tummeln uns zum Fluss. Hier gibt es einen Miniwasserfall, unter den wir uns stellen können und das Wasser in dem kleinen natürlichen Becken ist tief genug für ein bisschen Schwimmen. Wir toben herum wie die kleinen Kinder und haben eine Menge Spass. Unser Guide zeigt uns singende Steine – das sind ganz normale Kieselsteine, doch wenn man sie zusammenschlägt machen sie einen melodischen Ton, fast wie ein Musikinstrument. Er machte ein grosses Geheimnis daraus und hat mir leider nicht erklärt, warum das so ist.

Inmitten der Caldera, auf halber Höhe eines kleinen Berges liegt ein Restaurant und hier machen wir Pause und essen zu mittag. Wir treffen auf eine andere Gruppe und deren guide, wobei dieses Foto hier entstand 😀

Unser Guide erzählt uns auch eine Menge über die traditionelle Kultur von Tahiti. Wenn beispielsweise ein Baby geboren wird, dann wird ein Baum gepflanzt. Ein Brotbaum für ein Mädchen und eine Kokosplame für einen Jungen. Wenn die allererste Kokosnuss vom Baum fällt, dann wird es Zeit für die Beschneidung und von da an übernehmen die Männer die Erziehung des Jungen und bilden ihn zum Jäger, Krieger, Handwerker etc. aus. Allerdings nur wenn er die Prozedur der Beschneidung ohne Schmerzenzäusserungen übersteht. Ansonsten bleibt er in der Obhut der Frauen und die Erziehung ist eine weibliche. Hieraus resultiert eine hohe Anzahl von sehr weiblichen Männern, die manchmal aber nicht immer homosexuell sind.

In den alten Tagen wurde die Beschneidung der Jungen am Strand zelebriert und nachdem die eigentliche Operation mit scharfen Muschelschalen durcheführt worden war mussten die Jungs sich ins Meer stürzen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie schmerzhaft das gewesen sein muss. Während der Zeit des französischen Protektorats wurde diese Art der Beschneidung von den Franzosen verboten, heute muss die Operation im Hospital durchgeführt werden. Anscheinend nehmen die Jungs Meerwasser oder sogar Alkohol in Flaschen mit, um es sich nach erfolgtem Eingriff überschütten zu können und sich so durch das Aushalten der Schmerzen als Männer beweisen zu können.

Als wir nach einem langen, wunder-schönen und sehr interessanten Tag wieder zurück in Richtung Pape’ete fahren bekommen wir als Kirsche auf dem Törtchen diesen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen. Einfach grandios, die Natur!

Noch einen Tag chillen am Pool und dann geht es mit der Fähre nach Moorea. Ich habe dort einen workaway Aufenthalt und bin schon sehr gespannt….